Unser Trainer Mirko Slomka spricht im Interview mit hannover96.de über das anstehende Spiel in Freiburg, die Niederlage in Lüttich sowie die daraus gezogenen Lehren.
Unser Trainer Mirko Slomka spricht im Interview mit hannover96.de über das anstehende Spiel in Freiburg, die Niederlage in Lüttich sowie die daraus gezogenen Lehren.
Mirko Slomka, Hannover 96 spielt am kommenden Samstagnachmittag beim SC Freiburg. Gibt der vorzeitige Einzug in die K.O.-Phase der Europa League der Mannschaft zusätzliches Selbstvertrauen oder müssen Sie das Team nach der Niederlage in Lüttich aufrichten?
Mirko Slomka: "Beide Aspekte spielen eine Rolle. Ich finde es sehr bemerkenswert, dass Hannover 96 bereits vor dem abschließenden Spieltag gegen Poltava qualifiziert ist. Das hätte uns sicherlich im Sommer niemand zugetraut, schon in den Playoffs gegen Sevilla waren wir ja der große Außenseiter. All das, diese große Leistung der Mannschaft, ist nach meinem Empfinden in der öffentlichen Bewertung etwas untergegangen. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir in unserem inzwischen siebten internationalen Spiel unsere erste Niederlage kassiert haben. Aber, und auch das ist unstrittig, wir haben in Lüttich nicht alles richtig gemacht und unter dem Strich verdient verloren."
Mirko Slomka: "Die Mannschaft ist sehr selbstkritisch mit der Niederlage umgegangen"
Was lief falsch?
Mirko Slomka: "Wir haben es nicht verstanden, nach wirklich gutem Beginn unser Spiel konzentriert fortzusetzen und Akzente nach vorne zu haben. Dabei ging es gut los: 60 Prozent Ballbesitz für uns, eine hohe Passsicherheit und gutes Arbeiten gegen den Ball. Gegenüber den vergangenen Spielen war dies eine Steigerung. Wir mussten dann wieder ein Tor nach einer Standardsituation hinnehmen und haben in der ersten Phase nach dem Wechsel gerade mal 20 Prozent der Zweikämpfe gewonnen. Das ist natürlich zu wenig, um gegen eine international erfahrene Mannschaft zu bestehen. Nach dem zweiten Gegentor haben wir es dann nicht mehr geschafft, ins Spiel zurückzukommen."
Warum wird es in Freiburg besser?
Mirko Slomka: "Die Mannschaft ist sehr selbstkritisch mit der Niederlage umgegangen. Ich bin optimistisch, dass wir gemeinsam daraus den Willen entwickeln, in Freiburg zu punkten. Mit einem Sieg würden wir auf einem einstelligen Tabellenplatz bleiben und auch den Kontakt zu Rang sechs halten. Deswegen hat das Spiel am Samstag gegen einen Gegner, der sich zuletzt immer in den Schlussminuten belohnt hat, aber immer noch auf einem Abstiegsplatz steht, auch eine große Bedeutung für uns. Natürlich auch vor dem Hintergrund, dass wir mit unserer Auswärtsbilanz in der Bundesliga unzufrieden sind. Vier Zähler sind zu wenig – darin sind wir uns alle einig."
Wie sieht es bei Lars Stindl aus, der in Lüttich vorzeitig vom Feld musste. Wird er spielen können?
Mirko Slomka: "Das ist noch offen. Seine Prellung am rechten Sprunggelenk ist sehr schmerzhaft, aber es wird besser. Ob er mitmachen kann, wird erst am Samstag klar sein. Ich bin schon mal froh, dass die Bänder und Knochen bei ihm heil geblieben sind und die Röntgenaufnahme in Lüttich keinen schlimmeren Befund brachte."
Hannover 96 ist auch nach der Winterpause international dabei, das abschließende Spiel gegen Poltava ist ohne Bedeutung. Wie motivieren sie Ihre Mannschaft für die verbleibenden Begegnungen in der Liga?
Mirko Slomka: "Wie schon angedeutet: Der Blick auf die Tabelle genügt, was für uns auf dem Spiel steht. Zunächst in Freiburg sowie danach gegen Leverkusen und in Kaiserslautern entscheiden wir noch in der Hinrunde mit unserer Leistung, was im neuen Jahr möglich ist. Dafür können wir jetzt die Basis legen und unseren Fans die Weihnachtstage versüßen. Wir wollen unbedingt noch unser Punktekonto aufstocken. Nach dem Ende der Gruppenphase mit vielen englischen Wochen wird sich mit dem Start der K.O.-Phase in der Europa League der Rhythmus ändern. Zum Teil sieben Spiele in rund drei Wochen waren schon in hammerhartes Programm, eine große Belastung für Körper und Geist."
Immer voll engagiert: Mirko Slomka dirigiert von der Seitenlinie
Abschließend noch eine Frage zu den Fans: In Lüttich waren 96-Anhänger in Auseinandersetzungen mit der belgischen Polizei verwickelt. Wie haben Sie das aufgenommen?
Mirko Slomka: "Ich habe das natürlich, wie auch die Mannschaft, relativ schnell nach Abpfiff erfahren. Wir hoffen sehr, dass es den verletzten 96-Fans inzwischen wieder besser geht. Mir gefällt nicht, dass medial vieles über einen Kamm geschert wurde und die vielen, vielen friedlichen Fans nun mit vereinzelten Chaoten in einen Topf geworfen werden. Das geht nicht. Urplötzlich ist dann auf einmal zu lesen, dass auch Kopenhagen keine friedfertige Karawane von 96-Fans gewesen sein soll. Da sind über 10.000 angereist, die die Stadt erkundet haben und im Stadion eine tolle Party gefeiert haben. Und in Lüttich waren jetzt nur Gewalttäter aus Hannover, oder was? Ich finde, mit diesen Verallgemeinerungen muss man ganz vorsichtig sein und genau trennen."
Das heißt konkret?
Mirko Slomka: "Wir distanzieren uns von allen, die unsere Spiele für Straftaten missbrauchen. Aber Hannover 96 hat tolle Fans, die für großartige Stimmung sorgen. Viele von ihnen kenne ich persönlich. Und deswegen kann ich nicht akzeptieren, dass sie nun einen Stempel als Unruhestifter aufgedrückt bekommen sollen."
Fotos: firo Sportphoto