Profis, TL Velden

Der Wört(h)ersee-Blog: 96 und die Dribblanskis

Grüß Gott nach Hannover! Jeden Morgen schicken wir Euch mit ein paar Anekdoten abseits des Trainingsplatzes, die wir aus dem Wört(h)ersee gefischt haben, in den Tag. Im siebten und letzten Teil unseres Blogs geht es heute um Abschiedsschmerz, Wuchtl und Häusl.

"Zuhause" in der Waldarena
Zweimal heute und einmal morgen trainieren unsere 96-Profis noch in der Waldsportanlage in Velden, fünf Fahrradminuten entfernt vom Falkensteiner Schlosshotel, das mit seinen freundlichen Mitarbeitern wie im vergangenen Jahr ein perfekter Gastgeber war. Dreimal noch geht es mit den Mountainbikes vorbei an einem Friseurladen, einer Schule und einer Massagepraxis, bevor es rechts zur Pension Renate geht und links Richtung Fußballplätze. Der Weg ist mittlerweile fast so vertraut wie der in Hannover von der HDI Arena zu den Trainingsplätzen der Mehrkampfanlage.

Erst Bundesliga, dann Kreisklasse
Auf den zwei von Hannover 96 genutzten Plätzen spielt künftig wieder ATUS Fliesen Koller Velden (die heißen wirklich so), nach zwei Spieltagen mit vier Punkten der aktuelle Tabellenfünfte der 1. Kreisklasse B. Auf die Frage, wie das sportlich einzuschätzen sei, sagt Gottfried Kopeinig, der Veldener Experte für Fußball- und Golfrasen: "Es geht nur noch eine Klasse tiefer." Zwei Stunden, nachdem die 96-Spieler Dienstag in Hannover landen, trifft die "Kampfmannschaft" des ATUS (Arbeiter-Turn- und Sportverein) in der Waldsportarena im Pokalwettbewerb auf Rapid Lienz. Dann heißt es in Velden wieder: Kreisklassenkick statt Bundesligatraining.

In den vergangenen Tagen gab es in der Waldsportarena treue Traininigszuschauer aus Hannover, Mountainbikefahrer, die auf ihrem Weg anhielten, ein paar Minuten zuschauten und dann weiterfuhren, oder Jungen und Mädchen aus Velden, die sich mit Autogrammen eindeckten. Und es gab eine kleine Gruppe von älteren Österreichern, die auf sympathische Art vor allem zum Lästern kam - und zwar nicht über die 96-Mannschaft, sondern über den österreichischen Fußball in allen Facetten. Ihnen zuzuhören, war eine Freude, auch wenn man den kärtnerischen Dialekt nicht immer versteht und die Broschüre "Kärtnerisch für Anfänger -der kleine Schnellkurs für Touristen", welche der Wörthersee-Tourismus herausgibt, gerade nicht zufällig im 96-Rucksack hat.

Als ein 96-Profi mit seinem Mountainbike schwungvoll durch das Tor zum Platz fuhr, rief ihm einer der älteren Herren "Wos hostn du fan Gneat?" hinterher. Will heißen: Warum bist du denn so in Eile? Wenn Österreicher über Fußball reden, dann ist das wie eine schwer erlernbare Sprache. Als 96-Trainer André Breitenreiter neulich eine Spielform üben ließ, bei der es darum ging, nach Flanken möglichst direkt Tore zu erzielen, hörte man aus der Runde wiederholt die Wörter "Türl" und "Häusl" und "Wuchtel". Auf Nachfrage gab es lachend die Erklärung: Einen Treffer nennen Österreichs Fußballfans "Türl" oder "Häusl"; "Wuchtel" ist ein Kompliment und heißt übersetzt "guter Schuss".

Nach einer Viertelstunde improvisiertem Sprachkurs sagte einer aus der Männerrunde: "Schade, dass ihr wieder abreist. Ihr habt viele Dribblanskis in eurer Mannschaft." Zurück im Hotel schauten wir schnell mal im Fußball-Wörterbuch Österreichisch-Deutsch nach. War das ein Kompliment für unsere 96-Mannschaft oder eher nicht? Puh, Glück gehabt: Dribblanskis sind ballfertige Spieler. Danke Kärtnen, wir kommen gerne wieder!
hr