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Kleine Probleme mit großer Wirkung

Was ist das, das den Roten in dieser Saison zu schaffen macht? Das Grundsätzliche, so wird es immer wieder öffentlich anerkannt und bescheinigt, stimmt bei 96: Bereitschaft und Wille, Fitness und die Umsetzung der taktischen Idee – all das bringt die Mannschaft regelmäßig auf den Platz.

Schalke als Paradebeispiel
So auch beim Spiel auf Schalke. Rund eine Stunde lang spielt das Team aus Hannover clever, diszipliniert und konzentriert, steht hinten stabil und setzt vorne Nadelstiche, sodass die Arena "Auf Schalke" unruhig wird und die eigene Mannschaft mehrfach mit Pfiffen bedenkt. Trotzdem geht das Spiel am Ende verloren. Die Partie ist beinahe ein Paradebeispiel für das, was aktuell fehlt, um Punkte – und damit den verdienten Lohn für gute Arbeit – mit nach Hause zu nehmen: Es sind vermeintlich kleine Probleme mit großen Auswirkungen.

"Murmeltor" - Embolo macht das 2:1 für Schalke.

1. Einfache Fehler
"Die entscheidenden Fehler haben wir gemacht und nicht die Schalker", bringt Manager Horst Heldt es nach Spielschluss auf den Punkt. "Und deswegen haben wir verloren." Coach André Breitenreiter stößt ebenfalls in dieselbe Kerbe: "Wenn man zu viele leichte Fehler macht, gewinnt man auch kein Spiel." Beispiel: das 1:2. Gerade haben die Roten sich zurück in die Partie gekämpft und durch das Kopfballtor von Hendrik Weydandt den verdienten Ausgleich erzielt.

Und es vergehen keine 60 Sekunden, da bringt Breel Embolo Schalke im direkten Gegenzug wieder in Front. Aber wie: Es ist ein "Murmeltor" (Zitat Keeper Philipp Tschauner), bei dem – wie schon beim 0:2 unter der Woche im Pokal gegen Wolfsburg – die 96er fast mehr zum Treffer beitragen als der Gegner. "Wir können den Ball klären, schießen uns gegenseitig an und dann ist der Ball im Tor. Da ist man natürlich machtlos, aber es passiert", resümiert Breitenreiter. "Wenn du den Ausgleich machst, darfst du nicht gleich das zweite Tor bekommen", stellt Heldt fest. "Man redet immer von den berühmten zehn Minuten, wenn man ein Tor schießt oder bekommt." In dieser Zehn-Minuten-Phase, die Breitenreiter immer wieder bei der Mannschaft zum Thema macht, muss man hellwach sein, weil – statistisch belegbar – die Wahrscheinlichkeit auf weitere spielentscheidende Momente erhöht ist. "Das müssen wir einfach besser klären", sagt Heldt und fügt an: "Da wäre vieles möglich gewesen." Stimmt – und das ist die gute Nachricht dabei, die nicht vergessen werden darf!

2. Die letzten Prozente vor dem gegnerischen Tor
Neben solchen unglücklichen Momenten in der eigenen Defensive fehlt auch vor dem gegnerischen Tor das letzte Quäntchen Glück – auch auf Schalke. Denn auch da war mehr möglich: Kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit bringt der mit nach vorn geeilte Julian Korb den im Strafraum positionierten Ihlas Bebou mit einer Flanke ins Spiel. Der Togoer springt artistisch in Richtung des einfliegenden Balles, kommt sogar dran – aber kann dann doch die Flugkurve nicht entscheidend beeinflussen. Das letzte Quäntchen Durchschlagskraft fehlte auch vor Wochenfrist gegen Augsburg, als das Torschussverhältnis am Ende 16 zu 9 lautete, das Torverhältnis (und einzig das entscheidet bekanntlich) aber mit 2:1 für die Gäste sprach.

3. Unglückliche (Video-)Schiedsrichter-Entscheidungen
Klar, eigentlich ist es müßig, über den bzw. die Unparteiischen zu sinnieren. Aber es wäre nicht korrekt, sie in dieser Aufzählung nicht wenigstens kurz zu thematisieren. Immer wieder gab es in den letzten Wochen strittige Entscheidungen – auf dem Platz oder im Kölner Videokeller. Gegen Augsburg wird Genki Haraguchi aus kürzester Distanz an der Hand angeschossen, per Videoassi wird Strafstoß gegeben, obwohl nicht einwandfrei eine "klare Fehlentscheidung" vorliegt (und nur dann darf ja eingegriffen werden). Im Pokalspiel wird eine ähnliche Szene, als der Wolfsburger Roussilion den Ball an die Hand bekommt, nicht geahndet. Ebenso bleibt der Pfiff aus, als Bobby Wood in der Schlussphase im Strafraum von den Beinen geholt wird. Gegen Schalke ist es schließlich der unberechtigte Elfmeter zum 1:0, bei dem S04-Stürmer Mark Uth am Rande des Fünfmeterraums im Duell mit Philipp Tschauner zu Boden geht. Die TV-Bilder belegen, dass keine strafwürdige Berührung vorliegt. "Tschauni zieht zurück, es ist Abstoß – eine Schwalbe", stellt Breitenreiter klar. Aber: Der Videokeller, mit dem Schiri Markus Schmidt Rücksprache hält, greift nicht ein. Es scheint, auch mit den Referees sei 96 das Glück aktuell nicht hold. Schiedsrichterentscheidungen als DAS Problem auszumachen, weshalb man nicht so viele Punkte sammelt wie gewünscht, wäre verkehrt, sie sind aber eben ein weiteres kleines Problem mit oftmals große Auswirkungen.

Aus Problemen Lösungen machen!
Tja, und wie geht man nun mit alldem vor dem anstehenden Ligaspiel gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Freitagabend in der HDI Arena um? Klare Erkenntnis ist: Es bringt nichts, Grundsätzliches in der Spielvorbereitung zu verändern. Denn wie gesagt: Das Grundsätzliche stimmt nachweislich. Letztlich wird es wieder darum gehen, genauso gut vorbereitet wie auf Schalke in die Partie zu gehen und von der ersten Minute an konzentriert zu sein. Wer selbst Fußball spielt oder gespielt hat, weiß: Mit jeder gelungenen Aktion verändert sich dann das Gefühl auf dem Platz. Man erarbeitet sich Selbstbewusstsein, Leichtigkeit und damit auch Stück für Stück das nötige Quäntchen Glück. Letztlich gilt es den Spieß umzudrehen und nicht in Problemen zu denken: Denn jede kleine Lösung, die man auf dem Platz erreicht, kann eine kleine Lösung mit großer Wirkung sein!
hec