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"Das vergisst man einfach nicht"

Ein Sieg gegen die Bayern ist schön, zwei Siege in Folge sind unglaublich. Hannover 96 ist das Kunststück 2011 gelungen - und das auch noch im eigenen Stadion. Vor dem anstehenden Heimspiel gegen den deutschen Rekordmeister blickt Karim Haggui noch einmal zurück.

Karim Haggui (links) jubelt im März 2011 mit Torschütze Mohammed Abdellaoue.

Ein ganz besonderes Kunststück
Auch sieben Jahre später hat Karim Haggui noch immer fast die gesamte Startelf im Kopf. "Neuer, Boateng, Lahm, Gomez, Ribéry, Kroos, Schweinsteiger, Müller – unglaublich, was die Bayern damals für eine Mannschaft hatten", sagt der Tunesier. Und doch gab es für diese Bayern im Oktober 2011 nichts zu holen im Bundesligaspiel in Hannover. 96 gewann mit 2:1, und Haggui, der damals im Abwehrzentrum der Roten stand, sagt heute: "Es gibt Momente im Leben, die vergisst man einfach nicht." Der Sieg gegen die Bayern ist einer davon.

Es war ja auch ein ganz bemerkenswerter Erfolg, der den Roten damals gelang. Nicht nur, dass es der bis heute letzte Bundesligasieg gegen den deutschen Rekordmeister war (es folgten zwölf Niederlagen). Es war auch der zweite Heimsieg gegen den FC Bayern innerhalb eines Kalenderjahres. Dieses Kunststück war 96 zuvor erst ein einziges Mal in der Vereinsgeschichte gelungen: 1968. "Es ist sehr schwer, überhaupt ein Spiel gegen Bayern zu gewinnen", sagt Haggui, "aber zwei Spiele in Folge – das ist Wahnsinn."

Umkämpfte Duelle
Den ersten der beiden Heimsiege hatte 96 am 5. März 2011 eingefahren. Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka, damals Tabellendritter, empfing München, damals Tabellenvierter, zum Spitzenspiel. Mohammed Abdelloue brachte die Roten früh in Führung, Konstantin Rausch erhöhte kurz nach der Pause auf 2:0. Nach dem Anschlusstreffer von Arjen Robben stellte Sergio Pinto den alten Zwei-Tore-Vorsprung wieder her – dabei blieb es bis zum Abpfiff. "Es war ein sehr umkämpftes Spiel", erinnert sich Haggui. Dabei sollte es ein halbes Jahr später noch viel härter zur Sache gehen.

Im Oktober 2011 kam es zum Wiedersehen in Hannover. Diesmal waren die Bayern Tabellenführer und 96 auf Platz sieben. Von Beginn an ging es hoch her, auf und neben dem Rasen. Emotionaler Höhepunkt: die Rote Karte gegen Bayerns Abwehrspieler Jérôme Boateng nach einem heftigen Schubser gegen Christian Schulz. Zuvor hatte es eine Rudelbildung mit 20 Spielern und Betreuern beider Klubs gegeben, ausgelöst durch ein Foulspiel von Bayerns Rafinha an Sergio Pinto. Dieses Foulspiel wiederum sollte Uli Hoeneß später zu einem seiner berühmten Wutausbrüche verleiten. "Der Pinto schauspielert seit Jahren", schimpfte Hoeneß, "der gehört nach Los Angeles zur Oscar-Verleihung. Das ist eine Schande."

Heimsieg am Wochenende?
Anders als Uli Hoeneß war 96 cool geblieben. Abdelloue und Christian Pander trafen für die Roten, David Alaba verkürzte in der Schlussphase auf 2:1. "Danach machten die Bayern noch mal richtig Druck, aber wir schafften es, diesem Druck standzuhalten", sagt Haggui. "Das hatten wir unseren Fans zu verdanken, die uns so gepusht haben." Und auf die Fans, sagt Haggui, komme es auch an diesem Samstag wieder an, wenn 96 den FC Bayern in der HDI Arena empfängt. "Natürlich ist das heute eine ganz andere Ausgangslage", sagt der 34-Jährige, "aber mit den Fans im Rücken kann Hannover die Bayern bestimmt wieder ärgern. Die kommen nie gerne nach Hannover."
hop