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"Waldi" im Interview: "Mannschaft steht für mich an allererster Stelle"

Exklusiv bei 96TV! Nach der Weitergabe des Kapitänsamts Anfang letzter Woche gibt Waldemar Anton nun erstmals Einblicke in das Gespräch mit Trainer Thomas Doll, den Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft sowie seine bisherige Zeit als Profi von Hannover 96.

Waldi, nach der Partie am Sonntag hast Du Mannschaft und Fans via Instagram für ihren Charakter gelobt: Ist dieser Zusammenhalt der Weg, wie es in Zukunft funktionieren kann?

Waldi: Auf jeden Fall! Ich denke, das war ein super Spiel, um nochmal zu zeigen, dass wir alles dafür getan haben und auch weiterhin tun werden, damit wir da unten wieder herauskommen. Wie man gesehen hat, brauchen wir alle dafür: die Jungs auf dem Platz, die Jungs auf der Bank, die Jungs, die nicht dabei sein können, die Fans im Rücken und das, denke ich, hat man am Wochenende gesehen, auch wenn es nicht so gut lief.

Ihr habt gekämpft, Ihr habt eine gute Leistung abgeliefert - am Ende gab es aber wieder keine Punkte: Wie schafft Ihr es als Mannschaft,  trotzdem den Kopf oben zu behalten?

Waldi: Mit unserer Einstellung und Moral, die wir tagtäglich im Training zeigen. Wie wir trainieren und miteinander umgehen - das macht uns allen Hoffnung, auch wenn wir gegen Leverkusen keine Punkte hier behalten haben. Ich denke, die Moral, die Einstellung und insbesondere der Teamgeist, den wir auf dem Platz gezeigt haben, haben gestimmt.

Letzte Woche hattest Du ein Gespräch mit Trainer Thomas Doll, in dem es darum ging, die Kapitänsrolle an Marvin Bakalorz weiterzugeben. Wie hat er Dir das erklärt und was sind Deine Gedanken dazu?

Waldi: Wir haben uns zusammengesetzt und der Trainer hat mir die Situation erklärt: Dass es keine Entscheidung gegen mich ist, sondern für die Mannschaft. Ich bin ein Typ, für den die Mannschaft immer an allererster Stelle steht. Für mich war es überhaupt kein Problem, weil ich mich auch in der jetzigen Rolle trotzdem noch einbringe. Ich denke, das ist ganz normal und es hat jetzt auch keiner weniger Respekt vor mir. Ich kann immer noch meine Meinung sagen. Da spielt es keine Rolle, ob man die Binde trägt oder nicht.

Am Sonntag war es Deine erste Partie ohne Binde: Hat sich für Dich auf dem Platz irgendwas verändert?

Waldi: Nein, überhaupt nicht. Ich bin nach wie vor am Coachen, was ich sowieso immer getan habe. Das Wichtigste ist für mich, die Jungs zu motivieren und Ihnen ein positives Gefühl mit auf den Weg zu geben. Das mache ich nach wie vor. Also wie gesagt: Anders war es für mich nicht.

Du bist nach wie vor im Mannschaftsrat, hast auch in der deutschen U21 im November vergangenen Jahres das erste Mal die Binde getragen: Inwieweit hat das alles Dir dabei geholfen, auch persönlich weiter zu wachsen?

Waldi: Es hat mir natürlich sehr geholfen, weil man viel mehr Verantwortung übernehmen muss, mehr Aufgaben hat und viel mehr Medienarbeit auf einen zukommt. Das hat mich schon weitergebracht, auch in meiner Persönlichkeit. Ich achte nun viel mehr auf andere Dinge, wie ich es vorher vielleicht nicht gemacht habe.

Du bist erst 22, vor etwas mehr als drei Jahren hast du dein Profi-Debüt für Hannover 96 gegeben und einiges mit unseren Roten erlebt. Erzähl mal, wie hast Du diese Zeit wahrgenommen? 

Waldi: Am Anfang ging alles ganz schnell. Ich war schnell drin in der Mannschaft, hatte aber auch eine lange Zeit, in der ich zwar häufig im Kader stand, aber nicht gespielt habe. Diese Zeit war schwierig für mich, aber daraus habe ich auch gelernt - habe immer weiter gearbeitet. Irgendwann war ich dann angekommen und habe auch regelmäßig gespielt. Für die eigene Entwicklung ist es natürlich das Beste, viel zu spielen. Ich denke, in den letzten drei Jahren sind wir immer auch aus den nicht so guten Situationen rausgekommen. Das charakterisiert die Mannschaft und auch mich. Man darf nie aufgeben, sondern muss immer weiter machen.

Du hast bisher keine einzige Spielminute in dieser Saison verpasst, bist damit der Dauerbrenner unserer Mannschaft: Wie schaffst Du es, von Verletzungen und Blessuren verschont zu bleiben?

Waldi: Das Wichtigste ist, gut zu regenerieren. Man muss dem Körper auch die nötigen Pausen geben, sich nach dem Training viel dehnen. Es ist nicht immer leicht, das durchzuziehen. Manchmal möchte man auch einfach direkt nach dem Training nach Hause, aber mein Ziel ist es immer zu spielen - und dann muss man das auch in Kauf nehmen.

Kommen wir zu unserem nächsten Gegner: Die Augsburger haben nach einer Schwächephase wieder zurück zu ihrer Form gefunden. Was macht den FCA so stark?

Waldi: Augsburg spielt einen sehr aggressiven Fußball und ist sehr stark im Anlaufverhalten. Sie hatten auch keine leichte Phase. Sie haben zuletzt ein Spiel gewonnen und eins Unentschieden gespielt. Für uns gilt einfach, dass wir das, was wir am Wochenende gezeigt haben, mitnehmen in das Spiel und die bestmögliche Leistung abrufen.

In der WWK Arena in Augsburg könnte sich für uns auch ein Kreis schließen: Vor eineinhalb Jahren haben wir dort das letzte Mal in der Fremde gewonnen. Meinst Du, wir können am Samstag den Auswärtsfluch begraben?

Waldi: Das ist definitiv unser Ziel. Wir wollen endlich mal wieder gewinnen. Jeder ist fokussiert. Das ist das Allerwichtigste - und wir werden uns in den nächsten Trainingseinheiten auch noch sehr gut auf Augsburg vorbereiten.   

Und mit dem Erfolgserlebnis im Rücken schaffen wir auch den Klassenerhalt, oder?

Waldi: Auf jeden Fall!