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Arminia Bielefeld und das älteste Rind der Liga

Am Samstag trifft Hannover 96 in der HDI Arena auf Arminia Bielefeld. Wir haben wie gewohnt Kurioses und Historisches über den kommenden Gegner der Roten zusammengefasst.

Die wohl älteste Kuh im deutschen Profifußball: Lohmann.

Heimspiel am Samstag
Wie ist die Bielefelder Alm zu ihrem Namen gekommen? Welcher frühere 96-Trainer hat es in die "Jahrhundert-Elf" der Arminia geschafft? Und was hat es eigentlich mit der ältesten Kuh im deutschen Profifußball auf sich? Fragen über Fragen, die wir vor dem Heimspiel der Roten gegen Arminia Bielefeld am Samstag (13 Uhr, HDI Arena; Tickets) beantworten.

  • Arminia und die Varusschlacht: Am 14. April 1905 gründen 14 Männer im Keller des Bielefelder Restaurants Modersohn den 1. Bielefelder Fußballclub Arminia. 1926 erfolgt die Umbenennung in Deutscher Sportclub (DSC) Arminia. Der Vereinsname leitet sich übrigens vom antiken Cheruskerfürsten Arminius ab, der den Römern bei der Varusschlacht im Jahr neun nach Christus eine ihrer verheerendsten Niederlagen beibrachte. 

  • Legendäre Halbzeitwette: Ihre sportlich erfolgreichste Zeit erlebt die Arminia in den 1920er-Jahren. Von 1921 bis 1927 gewinnt der Klub siebenmal in Folge die Westfalenmeisterschaft und sichert sich zudem 1922 und 1923 die westdeutsche Meisterschaft. Legendär ist die Geschichte vom Titelgewinn 1923: Im Finale gegen TuRu Düsseldorf liegen die Bielefelder schon mit 1:3 zurück, die Düsseldorfer schicken zur Halbzeit Brieftauben mit der Botschaft "Sieg sicher!" in die Heimat. Der damalige Ersatztorwart der Arminen, Hannes Schulte, glaubt dennoch fest an die Wende. Er lässt in der Halbzeitpause einen Hut im Publikum rumgehen und nimmt Wetten in jeder Höhe an. In Halbzeit zwei drehen die Bielefelder das Spiel, gewinnen nach Verlängerung - und Schulte hat hinterher doppelten Grund zur Freude.

  • Die ostwestfälische Alm: Über die Frage, wie die Bielefelder Alm zu ihrem Namen gekommen ist, kann heute nur noch spekuliert werden. Selbst bei der Arminia wissen sie es nicht zu hundert Prozent. Fakt ist: Mitte der 1920er-Jahre pachtete der Klub eine Ackerfläche auf einer Anhöhe im Stadtbezirk Mitte. Das damalige Vereinsmitglied Heinrich Pehle soll dann, beim Anblick der neuen Spielstätte und den grasenden Kühen auf der Weide drumherum, den entscheidenden Satz gesagt gaben: "Hier sieht es ja aus wie auf der Alm!" Nach mehreren Aus- und Umbaumaßnahmen verfügt die Bielefelder Schüco Arena heute über 26.515 Plätze. 

  • Lohmann, das älteste Rind der Liga: Wo eine Alm ist, da sind auch Rinder. Und in Bielefeld haben sie ein ganz besonderes Exemplar auf dem Rasen stehen: Lohmann, das älteste Rind im deutschen Profifußball. Benannt ist das Maskottchen nach Bauer Lohmann, der dem Klub einst die erwähnte Ackerfläche zur Verfügung gestellt hat (siehe Text oben). Ungefähr zur selben Zeit, genauer im Jahr 1926, soll das Rindvieh Lohmann das Licht der Welt erblickt haben. So schreibt es jedenfalls die Arminia auf ihrer Internetseite. Dennoch wird das Maskottchen erst im Sommer 2006 der Öffentlichkeit präsentiert - im stolzen Alter von 80 Jahren.  

  • Bestechungsskandal in den Siebzigern: Der Bestechungsskandal in der Saison 1970/71 gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Fußballgeschichte. Mehrere Klubs aus der ersten Liga beteiligen sich damals im Abstiegskampf an Spielmanipulationen, darunter Arminia Bielefeld und Rot-Weiß Oberhausen. Die abstiegsbedrohten Ostwestfalen "erkaufen" sich Siege gegen Schalke 04 (jeder Schalker Spieler erhielt 2300 D-Mark), VfB Stuttgart (jeweils 15.000 D-Mark an drei Spieler) und Hertha BSC (250.000 D-Mark für die gesamte Berliner Mannschaft). Bielefeld und Oberhausen halten am Ende die Klasse, Kickers Offenbach und Rot-Weiß Essen steigen ab. Bereits einen Tag nach dem Saisonfinale gelangt der Skandal an die Öffentlichkeit: Offenbachs Präsident Horst-Gregorio Canellas liefert Beweise für Schmiergeldzahlungen und Spielabsprachen in der Bundesliga, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ermittelt umgehend und bestraft die Arminia in der darauffolgenden Saison 1971/72 mit dem Zwangsabstieg in die Regionalliga.       

  • Ein Roter in der Jahrhundertelf: Zum 100-jährigen Vereinsbestehen im Sommer 2005 wählen die Fans der Arminia eine "Elf des Jahrhunderts". Bei der Abstimmung schafft es auch der damalige 96-Trainer Ewald Lienen in die Auswahl. Lienen, von März 2004 bis November 2005 Chefcoach der Roten, spielte Mitte der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre mit kurzer Unterbrechung für die Bielefelder - und schoss in 169 Spielen 39 Tore. Seine größten Erfolge als Spieler (deutscher Vizemeister 1978, UEFA-Pokalsieger 1979) feierte Lienen allerdings mit Borussia Mönchengladbach.

  • Tore in Bielefeld, Jubel in Hannover: Die Fans von Hannover 96 und Arminia Bielefeld mögen sich seit jeher. Besonders eng verbunden sind die beiden Lager aber seit dem 14. Mai 2017: Damals gewinnen die Bielefelder im Zweitliga-Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig mit 6:0 - und leisten somit wichtige Schützenhilfe für die Roten im Aufstiegsrennen.

  • Torreiche Halbzeit: Das Spiel zwischen Borussia Dortmund und Arminia Bielefeld vom 6. November 1982 steht noch immer in den Rekordbüchern der Fußball-Bundesliga. Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit (1:1) brechen die Bielefelder in der zweiten Hälfte völlig auseinander und kassieren innerhalb von 45 Minuten zehn Gegentore - so viele wie kein anderes Bundesligateam davor oder danach. Kaum zu glauben: Trotz des deutlichen Ergebnisses am zwölften Spieltag trennt die beiden Klubs in der Abschlusstabelle lediglich ein Platz. Dortmund wird Siebter, Bielefeld Achter.
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