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Simons erster Stadionbesuch begann mit einer Notlüge

Am Montag hat der siebenjährige Simon Ortel seinen großen Tag: Beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg ist der leidenschaftliche 96-Fan eines von 22 Einlaufkindern. Das Besondere: Mit Simon läuft auch seine Mutter ein, mit der er vor zwei Jahren das erste Mal im Stadion war.

96-Fans durch und durch: Simon Ortel (Mitte) mit seiner Mama Sandra (links) und Schwester Sina zu Besuch in der HDI Arena.

"Ein bisschen nervös"
Die Frage, ob Simon nervös ist, erübrigt sich eigentlich. "Ein bisschen nervös" sei er, sagt Simon. Wie dieses "ein bisschen" aussieht, erklärt Mutter Sandra. "Simon ist ganz schön aufgeregt und redet von nichts anderem mehr." Und dann kommt auch noch hannover96.de und lädt Simon, Mutter Sandra und Schwester Sina zu einem kleinen Arena-Besuch vorab ein. Denn alle drei gehören zu dieser schönen Geschichte vom ersten Mal im Stadion.

Besondere Aktion
"EDDIs Kids" hatten die Idee mit der besonderen Einlaufaktion, unterstützt von unserem Partner Falkensteiner: Diesmal sollten sich 22 Einlaufkinder im Alter zwischen sechs und neun Jahren bewerben – und zwar mit Begleitperson. Bedingung: Die Begleitperson muss Derjenige oder Diejenige sein, der oder die dem jeweiligen Kind einst den ersten Stadionbesuch ermöglicht hat. Und da kommt Simons Schwester Sina ins Spiel, die die Bewerbung schrieb und die Geschichte erzählte. Denn Simon, damals fünf Jahre alt, wusste vor seinem ersten 96-Spiel in der HDI Arena gar nicht, dass es zum Fußball geht.

Seit 30 Jahren 96-Fan
"Ich gehe seit 30 Jahren zu 96 und habe auch in der Regionalliga jedes Auswärtsspiel mitgemacht", sagt Sandra Ortel. Die 46-Jährige hat seit Jahren zwei Dauerkarten, in dieser Saison in N18 ("Man wird ja nicht jünger, da ist ein Stehplatz wie früher auf Dauer zu anstrengend"). Mal geht Sandra Ortel mit ihrem Mann, mal mit ihrer 20-jährigen Tochter Sina ins Stadion. "Simon wollte schon früher unbedingt mit, aber wir haben ihm immer gesagt, dass er noch zu klein ist. Es hätte ja sein können, dass es ihm nach zehn Minuten zu viel wird, und dann müssen wir alle wieder fahren."

Der Geheimplan
Vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach vor zwei Jahren, erzählt Sina Ortel, "hat Simon meine Mutter die ganze Zeit genervt, dass er endlich mal mit will". Das war der Moment, als in Springe, wo die Ortels wohnen, ein Geheimplan geschmiedet wurde: Simon darf mit – aber es wird ihm vorher nicht verraten. "Wir haben ihm gesagt, dass wir zum Spielplatz fahren", sagt Sandra Ortel. Und tatsächlich merkte Simon erst bei den Ordnern am Stadion, dass es nicht zum Spielplatz, sondern zur HDI Arena ging. In der Version von Simon hört sich das heute so an: "Die haben mich angelogen." Ausnahmsweise, damit die Nervosität nicht zu groß wird. Und solche Notlügen, die Fünfjährige restlos glücklich machen, sind natürlich erlaubt.

Ausdauernd anfeuern
Der erste Stadionbesuch verlief damals reibungslos. "Simon hat super durchgehalten und Ausdauer gezeigt. Wenn es kurz mal langweilig für ihn war, hat er in der Stadionzeitung geblättert", sagt Mutter Sandra. "Er hat die Mannschaft echt toll angefeuert", sagt Schwester Sina. Und genau das wird Simon am Montagabend trotz später Stunde, in der es Zuhause normalerweise ins Bett geht, nach dem Einlaufen mit 21 anderen Jungen und Mädchen auch gegen Nürnberg lautstark machen.

Zieler-Fan Simon
Bei der Frage, wie das mit dem Lieblingsspieler aussieht, ist sich Familie Ortel übrigens nicht ganz einig. Die Mutter nennt Miiko Albornoz, die Schwester Florent Muslija, für Simon sind es Hendrik Weydandt und Ron-Robert Zieler. Dass der kleine F-Jugend-Kicker des FC Springe ausgerechnet Zieler bei seinem Vorabbesuch in der sogenannten Mixed-Zone getroffen hat, kann nur ein gutes Omen sein. "Vielleicht erinnert er sich ja Montag an mich", sagt er ganz leise, als er sich mit Mutter und Schwester wieder auf den Heimweg macht.
hr