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FC St. Pauli: Imagewechsel dank "Doctor Mabuse"

Am Samstag sind die Profis von Hannover 96 zu Gast beim FC St. Pauli. Wir haben wieder Kurioses und Historisches zum nächsten Gegner der Roten zusammengefasst.

Das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli nach dem Umbau 2015.

Nächster Gegner: FC St. Pauli
Wie kam die Totenkopfflagge zum FC St. Pauli? Welcher 96er steht in der "Jahrhundertelf" des Kiezklubs? Und wie ist das Millerntor-Stadion zu seinem Namen gekommen? Das und mehr verraten wir in unserem Gegnerporträt vor dem Gastspiel der Roten beim FC St. Pauli am kommenden Samstag (13 Uhr, Liveticker auf hannover96.de).

  • Die Gründungsgeschichte: Offiziell gegründet wurde der FC St. Pauli am 15. Mai 1910 - die Geschichte des Vereins beginnt aber mindestens drei Jahre früher und ist eng verknüpft mit dem Hamburg-St. Pauli Turnverein 1862. Mitglieder des Turnvereins bildeten im Frühjahr 1907 eine erste Fußballmannschaft, traten zunächst aber nur zu Freundschaftsspielen an. In der Saison 1910/11 nahm der Klub dann erstmals am Ligabetrieb teil - allerdings noch unter seinem ursprünglichen Namen. Erst 1924 folgte die Trennung der Fußballabteilung vom restlichen Verein - und die Umbenennung der Fußballer in FC St. Pauli 1910.  

  • Die "Weltpokalsiegerbesieger": Viermal gelang der Aufstieg in die Bundesliga (1977, 1988, 1995, 2010). In der Ewigen Bundesligatabelle steht der FC St. Pauli auf Platz 32 - weit hinter Hannover 96 (Platz 15). Anders sieht es in der Ewigen Tabelle der zweiten Liga aus: Dort belegen die Hamburger aktuell Platz drei (974 Spiele, 1435 Punkte), knapp vor Hannover 96 auf Platz fünf (866 Spiele, 1336 Punkte). Seinen größten Erfolg feierte der Klub jedoch nicht auf dem Rasen, sondern an der Fanshopkasse: Nach einem überraschenden 2:1-Bundesligasieg gegen den damaligen Weltpokalsieger FC Bayern München im Februar 2002 ließ der Klub T-Shirts mit dem Aufdruck "Weltpokalsiegerbesieger" produzieren - und verkaufte rund 125.000 Stück davon. 

  • Die Freibeuter: Jahrzehntelang galt der FC St. Pauli als eher biederer Verein. Das änderte sich schlagartig, als die linke Szene Anfang der Achtzigerjahre marode Häuser in der Hafenstraße besetzte. Um seinem Protest Nachdruck zu verleihen, hisste einer der Hausbesetzer, "Doctor Mabuse", eine Totenkopfflagge. Diese habe er dann 1982 oder 1983, so genau weiß der Doc das nicht mehr, mit ins Stadion am Millerntor gebracht - und schon wenige Wochen später wehten zahlreiche Totenkopfflaggen auf der Tribüne des FC St. Pauli. "Doctor Mabuse" ist also der Erfinder des "Freibeuter-Klubs" FC St. Pauli - reich hat ihn das aber nicht gemacht. Der Punkrocker lebt heute von Hartz IV.   

  • Das Stadion am Millerntor: Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der FC St. Pauli seine Heimspiele zunächst auf neutralen Plätzen austragen, weil das Stadion komplett zerstört worden war. 1946 baute der Klub unter Mithilfe seiner Fans ein neues Stadion am Heiligengeistfeld - das aber bereits 1960 wieder abgerissen werden musste. Die Stadt Hamburg benötigte das Gelände für die Internationale Gartenbauausstellung 1963. Ebenfalls 1960 wurde mit dem Bau des heutigen Millerntor-Stadions begonnen. Zuletzt wurde das Stadion 2015 modernisiert. Es bietet nun Platz für 29.546 Zuschauer. Eigentümer ist der FC St. Pauli.

  • Die "Retter-Kampagne": Nach dem Abstieg in die Regionalliga Nord in der Saison 2002/03 stand der FC St. Pauli vor dem Aus. Der Klub hatte Schulden in Millionenhöhe angehäuft. Der drohende Lizenzentzug konnte allerdings durch eine bemerkenswerte "Retter-Kampagne" verhindert werden. Dem Verein gelang es unter anderem durch den Verkauf von 140.000 "Retter"-T-Shirts und einem "Retter"-Spiel gegen den FC Bayern München, mehr als zwei Millionen Euro einzusammeln.  

  • Die "Jahrhundert-Elf": Im Jahr 2010 wählten die Fans des FC St. Pauli eine sogenannte Jahrhundert-Elf. Anlass waren die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Vereinsbestehen. Vereinsikonen wie Klaus Thomforde und Thomas Meggle schafften es in die Elf - und auch ein früherer 96er war dabei: Franz Gerber. Der ehemalige Spieler, Trainer und Sportdirektor der Roten war in den Siebziger- und Achtzigerjahren insgesamt sechs Jahre lang für die Hamburger auf Torejagd gegangen.
    hop