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Matthias Ostrzoleks Reise in die Vergangenheit

Vierzehneinhalb Jahre hat Matthias Ostrzolek für den VfL Bochum gespielt. Am Freitag kehrt er mit Hannover 96 erstmals als Gegner in seine Heimatstadt zurück - und hofft auf einen Einsatz.

Zwei 96er, die einst zusammen in Bochum gespielt haben: Matthias Ostrzolek (rechts) und Christoph Dabrowski, der heute U23-Trainer bei den Roten ist, im April 2011.

Rückkehr nach Bochum
Die Fahrt nach Bochum wird für Matthias Ostrzolek auch eine Reise in die Vergangenheit. Vierzehneinhalb Jahre hat er beim VfL gespielt, hat dort den Sprung aus dem Nachwuchs- in den Profibereich geschafft. Am Freitag (18.30 Uhr, Liveticker auf hannover96.de) kehrt Ostrzolek zurück an seine alte Wirkungsstätte, diesmal als Fußballer von Hannover 96. Zum ersten Mal überhaupt wird er dabei ein Pflichtspiel gegen den VfL bestreiten. "Meine Vorfreude auf das Spiel ist riesengroß", sagt der 29-Jährige im Gespräch mit hannover96.de, "ich bin in Bochum geboren und zur Schule gegangen, ich verbinde sehr viel mit dem Verein, mit der Stadt, mit dem Stadion."

Von der Fankurve auf den Rasen
Im Sommer 1997, im Alter von sieben Jahren, war Matthias Ostrzolek vom WSV Bochum zum VfL gewechselt. Scouts des damaligen Erstligisten hatten ihn bei einem Jugendspiel entdeckt und zum Training eingeladen. "Für meine Eltern und mich war das natürlich das Größte", sagt Ostrzolek, der als Kind und Jugendlicher alle Nachwuchsmannschaften durchlief. Ostrzolek war aber nicht nur Spieler des VfL, er war auch Fan. Bei Heimspielen stand er regelmäßig in der Ostkurve des Ruhrstadions. So auch im Mai 2010.

Abstiegsendspiel 2010
Am letzten Spieltag der Bundesligasaison 2009/10 kam es in Bochum zum Abstiegsendspiel zwischen dem VfL und Hannover 96. "Ich war damals im Stadion und traute meinen Augen nicht", sagt Ostrzolek, "zur Pause stand es bereits 3:0 für Hannover. Da war mir klar: Das war's." 96 gewann am Ende souverän - Arnold Bruggink, Mike Hanke und Sergio Pinto trafen - und sicherte sich den Klassenerhalt. Bochum stieg ab. "Für mich als Bochumer ist das schon bitter gewesen", sagt Ostrzolek, "andererseits hat die Sache auch etwas Gutes für mich gehabt: In der Saison danach habe ich in der zweiten Liga mein Profidebüt gefeiert."

Profidebüt gegen Osnabrück
Im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück war das, im Dezember 2010. "An das Spiel kann ich mich noch sehr genau erinnern", sagt Ostrzolek, der damals 20 Jahre alt war. "Wir lagen mit 0:1 zurück. Der Co-Trainer kam zu uns Reservisten und zeigte die ganze Zeit auf einen Spieler, der eingewechselt werden sollte. Ich dachte mir: Ich bin bestimmt nicht gemeint. Was will der Trainer jetzt mit einem Linksverteidiger, der sein erstes Profispiel macht? Und dann habe ich erkannt, dass er tatsächlich mich meinte." Ostrzolek kam in der 62. Minute ins Spiel, Bochum drehte auf - und führte zehn Minuten später mit 2:1. Dabei blieb es bis zum Ende. "Das war der perfekte Einstand."

"Das wird etwas ganz Besonderes"
Mittlerweile hat Ostrzolek 232 Spiele in der ersten und zweiten Liga bestritten; für Bochum, Augsburg, Hamburg und Hannover. Doch erst in dieser Woche, siebeneinhalb Jahre nach seinem Abgang, kehrt der Verteidiger für ein Pflichtspiel zurück in seine Heimatstadt. "Das wird etwas ganz Besonderes für mich", sagt Ostrzolek. Familie und Freunde werden im Stadion sein, "und nach dem Spiel werde ich bestimmt auch ein paar Leute auf der Tribüne entdecken, mit denen ich früher zur Schule gegangen bin. Daher würde es mir natürlich sehr viel bedeuten, von Beginn an zu spielen." Ausgeschlossen ist das nicht. In den Spielen gegen den FC St. Pauli und den FC Erzgebirge Aue ist der Defensivallrounder zuletzt zweimal eingewechselt worden. 96-Trainer Kenan Kocak, der das Team erst vor ein paar Wochen übernommen hat, hat erst kürzlich wieder die Einstellung von Ostrzolek gelobt. Das lässt hoffen.

"Zu wenig für meine Ansprüche"
Denn bislang ist nicht die Saison des Matthias Ostrzolek gewesen. "Für meine Ansprüche habe ich viel zu wenig gespielt", sagt er. "Aber ich will nicht mehr zurückblicken auf das, was war. Ich habe die vergangenen Monate hinter mir gelassen. Ich bin mit dem neuen Trainer in einem guten Austausch und habe das Gefühl, dass er mir eine faire Chance gibt." Und die, daran lässt Matthias Ostrzolek keinen Zweifel aufkommen, die will er nutzen.
hop

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