Profis

"Kocka" Rausch im Interview: "…dann ist es für jeden schwer, in Hannover etwas zu holen"

Konstantin "Kocka" Rausch wuchs in Celle auf, schaffte es 2008 bei Hannover 96 aus dem eigenen Nachwuchs in die Profimannschaft und war später Teil der legendären Truppe, die zwischen 2011 und 2013 die Europa League aufmischte. Zur Saison 2013/14 wechselte Rausch zum VfB Stuttgart, der am Samstag (13 Uhr, im Liveticker auf hannover96.de) in der HDI Arena gastiert. Über Darmstadt und Köln zog es den Mann von der linken Außenbahn Anfang 2018 in sein Geburtsland Russland zu Dynamo Moskau. Im Interview mit hannover96.de spricht der 29-Jährige über das Duell seiner beiden Ex-Klubs, die Mentalität, die die HDI Arena zum Kochen bringt, und die Lufttemperatur in Dubai.

"Kocka", in der russischen Liga ist Winterpause. Wie und wo erwischen wir Dich gerade?

Konstantin Rausch (29):
Ich bin gerade mit der ganzen Familie in Dubai im Urlaub. Auch mein bester Freund ist mit seiner Familie hier. Das hatten wir schon lange geplant gehabt – schön, dass es jetzt mal geklappt hat und alle die Zeit gefunden haben.

Wie hast Du denn aus dem fernen Moskau die bisherige Saison von Hannover 96 mitverfolgt?

Rausch:
Ich sehe mir so viele Spiele an, wie ich kann. Wie viele Leute ja wissen, liegt mir Hannover noch immer sehr am Herzen, und daher versuche ich, so viel wie möglich mitzubekommen. Natürlich bin ich nicht so nah dran, aber ich habe schon viel gesehen.

Seit Januar 2018 läuft Rausch für Dynamo Moskau auf.

Was ist Dein Eindruck vom 96-Team bisher?

Rausch:
Es ist natürlich vieles nicht so richtig rund gelaufen. Aber letztlich ist die 2. Liga auch so, wie sie ist. Man hat immer die Möglichkeit, mit einer kleinen Serie noch mal irgendwo anzuklopfen. Von daher hoffe ich, dass durch die letzten Resultate und die Erfolge, die man einfach auch braucht, positiver dreingeblickt wird von allen Seiten.

Du bist ein Spieler, der immer für viel Mentalität und Leidenschaft stand und steht. Wie wichtig ist es für ein Team wie 96, jetzt endlich mal den ersten Heimsieg gefeiert zu haben?

Rausch:
Ich glaube, das ist extremst wichtig. Das gibt der Mannschaft einen Schub, das gibt auch allen drum herum einen Schub – das kann ich mir sehr gut vorstellen, auch wenn ich, wie gesagt, gerade nicht so nah dran bin. Natürlich geben solche Erfolge dann noch mal zusätzliches Selbstbewusstsein.

Am Wochenende geht es jetzt gegen einen anderen Ex-Klub von Dir. Du bist damals von Hannover 96 zum VfB Stuttgart gewechselt. Hast Du auch ein bisschen verfolgt, wie es am Neckar diese Saison so gelaufen ist?

Rausch:
Stuttgart verfolge ich natürlich auch ein bisschen, aber insgesamt eher weniger. Mein Augenmerk liegt auf Hannover, weil es mich persönlich einfach viel mehr interessiert, da es ja auch mein Zuhause ist. In Stuttgart läuft natürlich auch nicht alles rund. Dort gibt es viele Leute, die viele Meinungen haben. Auch der VfB hat seine Probleme und kommt nicht so richtig in die Spur. Natürlich habe ich auch da einiges gehört, aber zu Hannover kann ich mehr sagen.

Am Wochenende wird die HDI Arena mit 35.000 Zuschauern recht gut gefüllt sein. Aus Deiner Erinnerung: Wie wichtig kann so eine Kulisse gerade bei uns in Hannover sein?

Rausch:
Ganz wichtig. Das war immer so und das wird auch immer so sein. Ich glaube, wenn die Mannschaft es schafft, die notwendige Mentalität auf den Platz zu bringen, wenn jeder von der ersten Minute an bereit ist, die Punkte zu Hause zu behalten, dann wird das Publikum das auch merken. Und dann wird es die Mannschaft auch nach vorne pushen und sie treiben, und am Ende wird dann auch ein entsprechendes Resultat erfolgen. Es geht aber nur über die Leistung.

Da ist die Mannschaft in der Pflicht.

Rausch:
Ja, das ist aber in letzter Zeit auch viel besser geworden, soweit ich das sehen kann. Man muss schauen, dass Leidenschaft und Einstellung erst mal stimmen, und dann kommt die fußballerische Qualität von einzelnen Spielern auch besser durch. Dann wird das Publikum das Team nach vorne Peitschen, und dann ist es für jeden schwer, in Hannover etwas zu holen.

Mit 96-Sportdirektor Jan Schlaudraff, mit dem Rausch zusammen bei 96 spielte, hat er heute noch Kontakt.

Mit Jan Schlaudraff ist nun jemand bei Hannover 96 Sportdirektor, mit dem Du noch zusammengespielt hast und auch immer gut befreundet warst. Habt Ihr noch Kontakt?

Rausch:
Ja, hin und wieder – man tauscht sich aus. Wir haben ja auch damals schon einen sehr guten Draht zueinander gehabt, auch mit Lars (Stindl, Anm. d. Red.) und "Stoppel" (Moritz Stoppelkamp, Anm. d. Red.) zusammen. Aber auch mit vielen anderen. Das war für uns einer dieser ganz wichtigen Faktoren, die für die Mannschaft eine große Rolle gespielt haben, dass die Jungs sich verstanden haben.

Bist Du denn auch noch ab und an in Hannover – vielleicht sogar jetzt über Weihnachten und Silvester?

Rausch:
Ja, dafür ist genau jetzt die Zeit, und die nutze ich auch. Alle wissen, Hannover ist mein Zuhause, und ich werde dort definitiv später auch wohnen. Und immer, wenn ich die Möglichkeit habe, verbringe ich sehr gerne Zeit mit meiner Familie. Nach meinem Urlaub in Dubai habe ich noch knapp zwei Wochen Pause, und diese Zeit werde ich zu Hause verbringen.

Irgendwann einmal zu 96 zurückzukehren, ist demzufolge also nicht ausgeschlossen?

Rausch:
Ausgeschlossen ist das nie. Hannover war und ist für mich immer eine Herzensangelegenheit. Unabhängig davon, ob als Spieler oder irgendwann einmal in einer anderen Aufgabe, das wird für mich immer ein Thema bleiben.

Ja, dann mach' uns doch zum Abschluss alle noch einmal etwas neidisch: Wie sind bei Dir gerade so die Luft- und die Wassertemperatur?

Rausch (lacht):
Die vom Wasser ist schwer zu sagen, aber Luft kann ich ja mal gucken… 27 Grad - und die Sonne scheint. Wir sprechen also gerade genau zur richtigen Zeit miteinander. Und weißt Du was: Nicht nur deswegen glaube ich, dass 96 am Wochenende auch punktet.

Vielen Dank, lieber "Kocka", für das sehr nette Gespräch! Und weiterhin einen schönen Urlaub!
hec