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Timo Hübers: "Ich weiß den Fußball jetzt besser einzuschätzen"

Gegen den HSV saß er als Kaderrückkehrer erstmals wieder auf der 96-Bank. Am Sonntag war es dann soweit: Im Spiel bei Arminia Bielefeld gab Timo Hübers 652 Tage nach seinem letzten Pflichtspieleinsatz sein Comeback für Hannover 96 – und das gleich von Beginn an. Wie er von seinem Startelfeinsatz erfuhr, welche Komponenten ihm während seiner Verletzungspause die größte Ablenkung boten, und warum unser Innenverteidiger am liebsten mit dem Fahrrad zum Trainingsgelände fährt, lest Ihr hier.

Wieder fit: Timo Hübers ist wieder fester Bestandteil des Mannschaftstrainings.

Dankbarkeit nach erstem Einsatz der Saison
Die bittere Niederlage von Bielefeld ist bei Hannover 96 längst abgehakt – an einen Aspekt der Partie wird man sich aber noch länger erinnern: das starke Comeback von 96-Verteidiger Timo Hübers. Der erklärt, sich wahnsinnig über den Ausgang des Spiels geärgert zu haben, doch insgesamt überwiege auf alle Fälle die Freude, zurück auf dem Feld zu sein und mit "seinen" Jungs auf dem Platz stehen zu können, denn: "Ich muss zugeben: In der Reha gab es immer wieder Momente, in denen ich gegrübelt habe und nicht zu 100 Prozent davon ausgegangen bin, dass es wieder so gut wird, wie es jetzt ist."

Nachdem der 23-Jährige aufgrund eines Kreuzbandrisses für mehr als eineinhalb Spielzeiten passen musste, hat er nun seine ersten 90 Minuten der aktuellen Saison in den Beinen. "Jetzt weiß ich es noch mehr zu schätzen, dass ich wieder fit bin", sagt Hübers erleichtert.

"Großer Vertrauensbeweis des Trainers"
Nach der Kadernominierung für das Heimspiel gegen den HSV weihte Cheftrainer Kenan Kocak den Innenverteidiger in einem Vier-Augen Gespräch in seine Pläne für einen Startelfeinsatz gegen Bielefeld ein. "Für mich persönlich war die Kaderberufung gegen den HSV die größere Überraschung als der Einsatz in Bielefeld", so der Innenverteidiger. "Nach dem HSV-Spiel wusste ich, dass ich wieder Teil der Mannschaft bin. Im Training deutete es sich an, als ich gelegentlich Teil der vermeintlichen A-Elf im Abschlussspiel war." Bei aller Freude über die Rückkehr auf den Platz liegt Hübers viel daran, die aktuelle Situation um seine Person nicht überzubewerten: "Wir müssen gucken, wie mein Körper nach so einer langen Zeit auf die aktuelle Belastung reagiert. Was ich heute behaupten kann: Ich fühle mich gut und wäre definitiv bereit für einen Einsatz gegen Kiel."

Bachelorstudium als wichtiger Kontrast während der Verletzungspause
Eine so lange Zeitspanne ohne das, was ein Fußballprofi am liebsten tut, ist nicht ganz einfach zu überstehen, gerade für einen jungen Spieler. Das bestätigt auch Hübers: "Mein Studium, meine Familie und meine Freunde waren zu der Zeit extrem wichtige Faktoren. Ich war sehr froh, dass ich hier in Hannover neben dem Fußball noch so viele andere Dinge um die Ohren hatte." Einen Bachelor im Bereich der Wirtschaftswissenschaften hat das 96-Eigengewächs inzwischen in der Tasche. Neben alldem war eine bestimmte Person aus dem 96-Stab maßgeblich an dem erfolgreichen Comeback in Bielefeld beteiligt: "Seit Dennis Fischer hier ist, hat er vermutlich mit keinem Spieler so viel und intensiv zusammengearbeitet wie mit mir", muss Hübers mit einem Lächeln im Gesicht gestehen. Der Youngster habe dem Fitness- und Athletiktrainer sehr viel zu verdanken, er sei schließlich derjenige gewesen, der den vorgegebenen Inhalt der Ärzte umsetzte. "Das schweißt natürlich zusammen. Wir hatten eine richtig gute Balance zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit während der Einheiten meiner Reha. Dennis hat ein sehr gutes Fingerspitzengefühl auf zwischenmenschlicher Basis. Das war sehr wichtig in der Zusammenarbeit", berichtet der Rechtsfuß.

Timo ordnet die Vergangenheit ein
Trotz des aktuellen Trubels um seine Person zieht Hübers die richtigen Rückschlüsse aus seiner Verletzungspause und weiß das Geschehene einzuordnen: "Jeder Mensch hat Rückschläge in seinem Leben. Bei mir war es die Verletzung, bei manchen ist es der Verlust des Arbeitsplatzes oder etwas viel Schlimmeres. Klar ist Fußball mein Leben, aber im Vergleich zu anderen Schicksalen war meines eine Lappalie." Die schwere Verletzung habe ihn "auf jeden Fall dazu gebracht, den Fußball zu relativieren. Ich weiß ihn jetzt besser einzuschätzen", so Hübers.

TV statt Kabine
Die lange Pause bot auch eine willkommene Abwechslung: Anstatt in der Kabine zu sitzen und sich an einem Heimspieltag die Schuhe zu binden, stand Timo regelmäßig Frage und Antwort im 96TV-Vorspiel, der Livesendung, die rund eine Stunde vor jeder Partie in der HDI Arena bei YouTube, Facebook und Instagram zu sehen ist. Auf die Frage, ob er seine Auftritte vor der Kamera vermissen wird, antwortete er gekonnt und mit einem breiten Grinsen: "Ich bin ja das Gesicht, das dieses Format geprägt hat! Viele meiner Kumpels haben die Sendungen verfolgt, das war schon immer recht lustig. Ein kleiner Wehmutstropfen dafür, dass ich jetzt wieder fit bin." Eine Sache jedoch bleibt: Auch in Zukunft wird der 23-Jährige mit dem Fahrrad auf das Trainingsgelände fahren: "Ich komme viel schneller durch die Stadt und muss nie einen Parkplatz suchen. Außerdem ist es gesund für mich und nebenbei tue ich etwas Gutes für das Klima."
ts