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John Guidetti im 96TV-Interview: "Wie wäre es, wenn Du 'Johnny G' im Stadion hörst?"

Seit fast sechs Wochen ist John Guidetti ein Roter - höchste Zeit also, um den sympathischen Schweden bei 96TV vor die Kamera zu holen. Gemeinsam mit unserem Stürmer sprachen wir über die Entwicklung der Mannschaft, die besondere Beziehung zu seiner Frau und seine neue Heimat Hannover. Seht und lest hier das komplette Interview!

Hi John, erstmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Vier Tage sind seit der bitteren Niederlage gegen Bielefeld vergangen. Hast Du schon jemals so ein Spiel erlebt?

John Guidetti (27): Das waren schon besondere Bedingungen. In den zwei Spielen, in denen ich gespielt habe, hat es einmal geschneit und einmal sehr stark geregnet. Nichtdestotrotz habe ich die Spiele genossen. Ich finde die Mannschaft macht das sehr gut. Wir haben bereits viel verbessern können. Aber natürlich sind wir unseres eigenen Glückes Schmied, aber es war schon sehr unglücklich, wie wir die Punkte in den letzten Spielen liegengelassen haben. In Bielefeld fand ich, dass wir das bessere Team waren und ein gutes Spiel gemacht haben, aber Bielefeld nimmt am Ende die Punkte mit, denn es geht darum, Tore zu schießen und da müssen wir uns verbessern.  

Trotz des Resultats ist die Mannschaft auf einem guten Weg. Ist das etwas, was Dich zuversichtlich für die kommenden Spiele macht?

John: Ja, natürlich. Die guten Leistungen sorgen für Selbstvertrauen. Wir entwickeln uns und machen es Stück für Stück besser. Wir verdienen jetzt auch mal wieder das Glück auf unserer Seite und sind dran. Der Trainer und sein Team arbeiten sehr gut und versuchen ihr Bestes. Ich weiß, dass von mir noch mehr kommen muss, damit ich der Mannschaft helfe. Wir haben so viele talentierte Spieler und müssen einfach mehr aus unseren Möglichkeiten machen. Gemeinsam mit unseren Fans, die fantastisch sind, können wir es schaffen. 

Lass uns über Dich reden: Fast sechs Wochen ist es her, als Du mit deiner ganzen Familie aus dem warmen, spanischen Alaves ins kalte und regnerische Hannover gezogen bist. Was für eine Herausforderung war das und habt Ihr Euch schon eingelebt?

John: Natürlich ist es nicht leicht von heute auf morgen alles zu verändern. Aber ich habe mich sehr gut eingelebt. Die Mannschaft hat mir dabei sehr geholfen. Die Jungs waren wirklich großartig zu mir in der Kabine. Auch das Team drumherum ist toll und ich bin sehr zufrieden. Jeder hier in der Stadt ist super nett und die Fans sind großartig. Ich könnte mir aktuell nichts Besseres vorstellen. Natürlich brauche ich noch weitere Einsätze und Spielzeit, um auf das höchstmögliche Level zu kommen, auf dem ich sein kann. Aber das kommt langsam. Ich fühle mich besser und körperlich fit. Die 80 Minuten gegen Bielefeld haben mir schon sehr geholfen und hoffentlich seht Ihr sehr bald die beste Version von John Guidetti. Er ist im Anmarsch.

Hat Miiko Dir dabei geholfen?

John: Natürlich hat mir Miiko sehr geholfen. Er ist ein großartiger Mensch und ich kenne ihn schon so lange. Er hat mir sehr geholfen, hier anzukommen, aber letztendlich hat jeder in der Mannschaft mich unterstützt. Von daher war es schon Miiko, der vieles leichter gemacht hat, aber das gesamte Team ist wirklich großartig.

Du und Deine Frau teilen ja auch eine Menge privater Sachen auf euren Social-Media-Kanälen. Wie viel Zeit nimmt das in Anspruch und ist das vielleicht mehr als nur ein Hobby?

John: Für sie ist es ein Job. Sie macht das wirklich toll. Und ich unterstütze sie als Ehemann, wo ich nur kann. Dasselbe tut sie auch für mich. Ich finde, sie ist zu einhundert Prozent echt und authentisch bei allem, was sie macht. Ich kenne sie ja schon fast mein ganzes Leben, seitdem ich zwölf Jahre alt bin. Ich kenne sie in- und auswendig und bin sehr stolz, ihr Ehemann zu sein. Mein Job ist der Fußball und darauf konzentriere ich mich und ihr Job ist genau das.  

Ist Deine Familie der perfekte Ausgleich zu dem Profi-Alltag?

John: Meine Familie ist so wichtig für mich. Sie ist einfach alles für mich. Ich bin ein Familienmensch und sie gibt mir so viel Kraft. Meine Familie ist immer für mich da, egal, ob es gerade gut oder schlecht läuft. Man schafft es als Fußballer alleine nicht, das ist zumindest das, was ich glaube. Man braucht Menschen, die sich um einen kümmern und für dich da sind, und das ist meine Familie für mich. Sie sind die Schulter zum Anlehnen und helfen mir durch die schwierigen Zeiten, die man als Fußballer auch mal hat und mein Glück verdoppelt sich, wenn ich es mit meiner Familie teile.    

In drei Partien für uns hast Du, denke ich, die 2. Bundesliga schon ein bisschen kennengelernt. Davor hast Du mehr als vier Jahre in der spanischen LaLiga gespielt. Ist der Unterschied zwischen den beiden Ligen groß und in welcher fühlst Du Dich wohler?

John: Natürlich unterscheiden sich die beiden Ligen sehr. Aber am Ende des Tages ist es Fußball. Du spielst 11 gegen 11, hast einen Fußball und zwei Tore und vier Schiedsrichter. Ich habe jetzt dreimal gespielt. Einmal bei gutem Wetter in der ausverkauften HDI Arena und die anderen beiden Spiele waren unter Bedingungen, die ich die letzten vier Jahre in Spanien nicht hatte. Aber ich denke, abgesehen davon, passt der deutsche Fußball sehr gut zu mir. Wie ich schon gesagt habe, brauche ich etwas Zeit, um mich anzupassen und herauszufinden, wie meine Mannschaftskollegen denken, wie ihre Laufwege sind und wie die Spielweise im Team und in der Liga ist. Ich denke, ich kann mich sehr gut anpassen und jetzt geht es darum, dies so schnell wie möglich zu tun und ich hoffe, ich bekomme das schnell hin. Das Spiel gegen Bielefeld war für mich schon viel besser als die anderen beiden Spiele, es war eine gute Teamleistung und die Zukunft sieht rosig aus – hoffentlich.     

Ein großer Traum von Dir ist die EM in diesem Sommer mit der schwedischen Nationalmannschaft. Was musst Du dafür tun, damit dieser Traum in Erfüllung geht?

John: Darauf konzentriere ich mich aktuell nicht. Ich konzentriere mich darauf, Fußball zu spielen und Spaß zu haben. Ich war schon oft bei der Nationalmannschaft. Ich konnte schon bei einer U-Europameisterschaft und der Weltmeisterschaft dabei sein. Von daher denke ich darüber aktuell nicht nach. Was passiert, passiert. Ich liebe es, für mein Land zu spielen, immer wenn ich die Chance dazu bekomme, aber jetzt liegt mein Fokus nur auf Hannover 96 und ich denke aktuell nicht an die Zukunft. Im Moment ist es nur wichtig für mich, mit Hannover 96 zu punkten, gut zu spielen, dem Team zu helfen und dann schauen wir von Spiel zu Spiel. Ich möchte fit bleiben und verschwende keine Gedanken an die Zukunft, denn dann besteht die Gefahr, dass du in der Gegenwart Dinge missen lässt.  

Zuerst müssen wir allerdings aufhören, in der Schlussphase jedes Spiels Gegentore zu kassieren. Es scheint unerklärlich, aber hast Du irgendeine Idee, warum uns das so oft passiert?

John: Ich weiß es nicht. Natürlich sind wir unseres eigenen Glückes Schmied, aber wenn man häufiger Spiele nacheinander gewinnt, dann ist es einfacher. So wie bei Arminia Bielefeld: Die sind Tabellenführer, spielen nicht unbedingt den schönsten Fußball, aber am Ende des Tages sacken sie die drei Punkte ein. Das passiert Teams, die einen Lauf haben, die holen dann irgendwie die drei Punkte. Und das ist natürlich auch das Schöne am Fußball, denn alles kann passieren. Wenn du in einem guten Rhythmus bist, kannst du jeden schlagen. Ich denke auch, für uns geht es jetzt darum, diesen Rhythmus zu finden. Wir haben absolut diese Qualität, jeden in der Liga zu schlagen und hätten sowohl den HSV als auch Arminia Bielefeld schlagen können, denn wir waren das bessere Team. Wir müssen weiter hart arbeiten und uns das Glück verdienen und wenn das passiert und wir die Gewinnermentalität bekommen, dann geht es auch vorwärts.

Das nächste Spiel ist am Montag hier in der HDI Arena gegen Holstein Kiel, die momentan sehr gut drauf sind. Wie behalten wir die drei Punkte in Hannover?

John: Wir müssen auf uns schauen und die Chancen, die wir bekommen, nutzen. Wir haben großartige Fans und spielen zu Hause, von daher werden die uns den Extra-Kick geben und der zwölfte Mann sein. Das wird uns helfen, denn wir brauchen diesen Support und am Ende des Tages haben wir eine lange Woche, um uns auf das Spiel vorzubereiten und dafür müssen wir hart arbeiten, auf den Punkt fit sein und dann gehen wir am Montag auf den Platz und werden frei aufspielen und hoffentlich können wir die drei Punkte hier behalten. 

Bei Deinen vorherigen Stationen hattest Du bereits Deine eigene Tormusik. Wie wäre es, wenn Du "Johnny G" im Stadion hörst, nachdem Du das Siegtor geschossen hast?

John: Wenn ich den Song höre, wäre das sicherlich ein extra Goodie, aber generell wäre es großartig für mich, wenn ich das erste Tor schießen würde für Hannover 96. Ich hatte jetzt schon einige Chancen und ich hätte bereits ein Tor machen sollen. Das Wichtigste ist, dass ich die Chancen bekomme. Ich bin am richtigen Ort jetzt und wenn ich das erste Tor schieße und erstmal drin bin und der Knoten platzt, dann werden auch weitere Treffer folgen. Wenn ich treffe, kann ich dem Team helfen und das ist das Wichtigste für mich.