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Wenn Twumasi trifft: "Dann ist das Tor für meinen Sohn. Definitiv."

Eine intensive Länderspielpause liegt hinter Patrick Twumasi. Direkt zu Beginn, am 8. November, brachte Ehefrau Lydia den kleinen Mathias, das fünfte gemeinsame Kind, zur Welt. Und auch auf dem Rasen macht der Neuzugang von Deportivo Alaves, der mit einigem Trainingsrückstand zu den Roten kam, stetig Fortschritte. "Ich fühle mich sehr gut", sagt der 26-Jährige nun am Ende der Länderspielpause – kurz vor dem wichtigen Spiel bei den Würzburger Kickers, bei dem er seine Startelfpremiere für 96 feiern könnte.

Wichtige Spielpraxis gegen Wolfsburg
Auch Kenan Kocak ist selbstverständlich nicht verborgen geblieben, dass Twumasi, der seit seiner Ankunft in Hannover keine einzige Einheit verpasst hat, sich immer besser integriert. Der Chefcoach lobt Fleiß und Engagement seines Offensivmanns. "Er trainiert sehr gut, arbeitet auch gut", sagt Kocak. "Er ist keiner, der sich hängen lässt." Im Test gegen den VfL Wolfsburg erhielt Twumasi am vergangenen Wochenende die Chance, sich über 90 Minuten zu zeigen – und wichtige Spielpraxis zu sammeln. Er bereitete beim 0:0 gegen die "Wölfe" die beste 96-Chance, den Pfostenkopfball von Valmir Sulejmani in der 77. Spielminute, mit einer gefühlvollen Hereingabe von der linken Grundlinie vor, arbeitete zudem engagiert nach hinten mit.

Beim ersten 96-Training nach der Geburt seines jüngsten Sohnes gab es für Patrick Twumasi jede Menge Glückwünsche - hier von Cheftrainer Kenan Kocak.

Keine Galavorstellung, aber sein bisher bester Auftritt im 96-Trikot. "Wir denken, dass wir bei ihm schon einen Schritt voran sind", resümiert Kocak.

Der große Schritt mit 17
Das Gefühl ist bei Twumasi nicht anders: "Ich spüre das Vertrauen des Trainers und meiner Teamkollegen", erklärt er. "Das motiviert und ermutigt mich." Fleiß steht für den dreimaligen Nationalspieler Ghanas über allem. Geschenkt wurde ihm nie etwas im Leben, er musste sich alles erarbeiten. Aus seiner afrikanischen Heimat wagte er im März 2012 mit 17 Jahren den Schritt zu Spartaks Jurmala nach Lettland. Über den kasachischen Topklub FC Astana, für den er in zwei Champions League- und 14 Europa League-Spielen auf elf Torbeteiligungen kommt, kam er zu Deportivo Alaves in die spanische LaLiga. Nach einer Leihe in die Türkei zu Gaziantep FK wurde er schließlich Anfang August ein Roter. So kam er nach Deutschland – in das große Fußballland, von dem er einst als kleiner Straßenkicker geträumt hatte.

Erschwerte Startbedingungen
Doch einmal mehr waren es Folgen der Corona-Pandemie, die den Start von Patrick Twumasi bei 96 erschwerten. "Die ersten Wochen sind immer nicht ganz einfach", sagt der Stürmer – in diesem Jahr aber kamen außergewöhnliche Umstände hinzu. Den Sommer hatte der Ghanaer in seiner Heimat verbracht, wo coronabedingt schon bei der Einreise eine 14-tägige Quarantäne vorgeschrieben war. Danach hielt er sich über beinahe zwei Monate zwar mit einem Personaltrainer fit – ein Mannschaftstraining ersetzt dies jedoch nicht, von der intensiven Vorbereitung, die Kenan Kocak mit seinem Team ab Anfang August durchzog, ganz zu schweigen. Dass die neue Nummer 7 der Roten nach der Verpflichtung in der ersten September-Woche Zeit brauchen würde, war klar. Kocak betonte früh und mehrfach, dass er Twumasi diese Zeit geben werde – dann würden Resultate folgen: "Ich habe von vornherein gesagt", erinnert der Chefcoach, "dass jeder Tag, den er im Mannschaftstraining dabei ist, uns hilft."

Patrick Twumasi mit seiner Ehefrau Lydia (Quelle: Instagram)

Viel zu ordnen für Familie Twumasi
Auch neben dem Platz musste sich der variable Angreifer, der bis 2023 in Hannover unterschrieben hat, zunächst zurechtfinden. "Man muss erstmal ankommen, sich eingewöhnen", berichtet er, "und dann kam noch hinzu, dass meine Frau hochschwanger war und wir uns natürlich auf die Geburt des Babys vorbereiten mussten." Das alles in einer neuen Umgebung, einer neuen Stadt in einem neuen Land, zu koordinieren, habe trotz aller Hilfe, die er vom Klub dankbar entgegengenommen habe, nicht im Handumdrehen funktionieren können. Aber: "Jetzt haben wir alles sehr gut geordnet gekriegt."

Erster Startelfeinsatz?
Man merkt: Twumasi ist nun wirklich angekommen bei 96 – und vom Kurs überzeugt: "Generell denke ich, dass wir in die richtige Richtung steuern", sagt er. "Wir arbeiten hart – immer auf das nächste Spiel hin. Jetzt haben wir am Sonntag eine Aufgabe in Würzburg, bei der wir für uns als Team einen Sieg holen wollen." Die Chancen auf einen ersten Startelfeinsatz Twumasis in einem Ligaspiel für die Roten stehen sicherlich nicht schlecht, auch wenn Kenan Kocak sich nicht allzu tief in die Karten schauen lässt. "Es sind viele Fragen, die zu beantworten sind, um uns für ein Gesamtkonstrukt zu entscheiden, mit dem wir dann agieren", erklärt der Trainer. "Wenn wir der Meinung sind: 'Okay, in der Formation passt es sehr gut, dass der Patrick die Chance bekommt, erstmals von Anfang an zu spielen', dann werden wir dies auch dementsprechend auf dem Platz rüberbringen."

Ein Tor für Mathias
Bisher stehen 92 gespielte Pflichtspiel-Minuten, verteilt auf sechs Ligaeinsätze und die Pokalpartie, in Twumasis 96-Vita. Der gläubige Christ macht sich keinen Druck, vertraut darauf, dass alles kommt, wie es kommen soll – Einsatzzeit und auch Tore. Bisher hat er überall, wo er gespielt hat, seine Scorerpunkte gemacht. Und wenn er nun für 96 trifft, ist eines klar: "Dann ist das Tor für meinen jüngsten Sohn. Definitiv." Und sicher freut sich dann nicht nur der kleine Mathias – sondern ganz Hannover.
hec