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Ratajczaks (womöglich) letztes Spiel: "Für mich war es immer ein Feiertag"

Sicher ist: Michael Ratajczak wird im Saisonfinale gegen den 1. FC Nürnberg in der ersten Halbzeit das 96-Tor hüten. Noch keine ganz endgültige Klarheit gibt es darüber, ob es wirklich sein allerletztes Spiel als Fußballprofi sein wird. Nach mehr als 20 Jahren tritt er wohl von der großen Fußballbühne ab und hängt die (Hand-)Schuhe an den Nagel. Im Interview verrät uns der 39-Jährige, wie er auf diese lange Zeit zurückblickt, welchen besonderen Moment er mit Sepp Maier verbindet und wie der perfekte Abschied aussehen würde.

Michael Ratajczak bestreitet am Sonntag gegen den "Club" sein womöglich letztes Spiel als aktiver Profi. (Foto: 96/Kaletta)

"Rata", Du bist 39 Jahre jung, spielst seit über 20 Jahren professionell Fußball  - es könnte jetzt Dein letztes Spiel sein am Sonntag, was geht da in Deinem Kopf vor?

Michael Ratajczak (39): Ein bisschen Demut auf jeden Fall. Es sind viele Momente, die ich erlebt habe – viele schöne, aber auch viele, die nicht so positiv waren. Klar ist es schade, dass keine Fans da sind, da fehlt ein bisschen die Emotionalität.

Hast Du vor diesem Hintergrund in den vergangenen Tagen irgendwas anders gemacht als sonst?

Ratajczak: Ja. Ich war jetzt die letzten beiden Wochen gefühlt jeden Tag im Stadion und habe hier bei Wind und Wetter gesessen, einfach um noch einmal das Stadionfeeling zu genießen. Ähnlich war es auch auf dem Trainingsplatz: Da habe ich mir bei jedem Ball, den ich gefangen habe, bewusst gemacht, dass es vielleicht einer der letzten Bälle gewesen sein könnte. Es ist eine tolle Zeit gewesen, ich bin für alles dankbar – auch, dass ich so fit und gesund war.

Wenn Du wirklich nur ein Highlight aus dieser langen Zeit benennen müsstest, was wäre das?

Ratajczak: Torwarttraining mit Sepp Maier.

Was?! Wie kam es denn dazu?

Ratajczak: 2001 hat die deutsche Nationalmannschaft ein Relegationsspiel gegen die Ukraine gehabt. Sie haben erst in der Ukraine spielen müssen, dann in Dortmund (wo Ratajczak damals unter Vertrag stand, Anm. d. Red.). Das Spielersatztraining hat in Dortmund stattgefunden, und ich habe morgens von Sepp Maier einen Anruf bekommen, ob ich bei der Nationalmannschaft mittrainieren könnte. Ich war 19 und natürlich aufgeregt wie Bolle, aber es war einfach großartig, den großen Sepp Maier damals erlebt und eine Trainingseinheit mit ihm gemacht haben zu dürfen. Es gibt natürlich auch noch ein paar andere Highlights…

Ja komm', dann erzähl doch mal.

Ratajczak: Der Aufstieg mit Fortuna Düsseldorf in der Relegation, wo das Spiel noch nicht abgepfiffen war und die Fans bereits den Platz gestürmt haben. Der emotionale Höhepunkt war, in dem Spiel aufgestiegen zu sein  - und einen Tag später hieß es, dass alle Feierlichkeiten eingestellt werden, weil es noch zu einem Prozess kommt. Wir sind am grünen Tisch aufgestiegen, mein Vertrag ist ausgelaufen und ich war ein halbes Jahr arbeitslos.

Jetzt ist Deine letzte Station der aktiven Karriere möglicherweise Hannover 96. Das Spiel gegen Nürnberg am Sonntag sollst Du Dir mit Marlon Sündermann teilen. Er macht sein erstes Profispiel - Du womöglich Dein letztes.

Ratajczak: Ich bin dem Trainer dankbar, dass er mir nochmal die Möglichkeit gibt, eine Halbzeit zu spielen – leider ohne Fans. Auf der anderen Seite freue ich mich sehr für Marlon, dass er sein Debüt bekommt, das hat er sich sehr verdient. Für mich war es immer ein Feiertag, am Wochenende ins Stadion kommen zu dürfen und auf dem Platz zu stehen.

Letzte Frage: Was müsste am Sonntag passieren, dass Du sagst: Das ist der perfekte Abschluss für mich?

Ratajczak: Sonne, ein 3:0 für uns, ein schönes Spiel, keine Verletzungen…

…und ein gehaltener Elfmeter von Ratajczak?

Ratajczak: Nee, das muss nicht sein. Ich freue mich einfach, wenn wir vorne drei Tore machen und ich hinten drin stehe.