Warten auf den Funken

Natürlich würde ein intelligenter Trainer niemals den Fehler machen, die Fans seiner Mannschaft offiziell zu kritisieren.

Auch wenn er insgeheim unzufrieden wäre mit der Unterstützung der Zuschauer, wenn ihm die Leute zu früh pfeifen, zu wenig brüllen – oder gar nicht erst kommen, was grundsätzlich am schlimmsten ist. Mäkeln am Fan ist für Trainer und Spieler vor allem verboten, weil es nach billiger Ausrede aussieht, weil man ja selbst in trauriger Regelmäßigkeit versagt und trotzdem weiterhin gutes Geld fürs Zuschauen nimmt.

Auch Mirko Slomka, der 96-Trainer mit fünf Spielen und null Punkten, wünscht sich tief drinnen eine vorbehaltlose Aufbruchstimmung auf den Rängen. Nach draußen hat er jedoch jetzt nur leise angemerkt, dass sich das 96-Publikum zuletzt teilweise recht früh und auch schweigend verabschiedet habe. Das stellt sich Slomka anders vor, beschwört dazu allerdings politisch korrekt den Funken, der vom Platz auf die Tribüne überspringen muss. Da werden sie morgen gegen den zur Unzeit erstarkten Meister aus Wolfsburg aber ganz schön was abbrennen müssen auf dem neuen Rasen, damit es heiß wird unter den Fans – allein ein paar Grätschen des Kämpferherzens Altin Lala werden nicht reichen. Das einzig Positive an der verzweifelten 96-Situation ist allerdings, dass kein Zuschauer mehr negativ überrascht werden kann. 96 ist keine Mogelpackung, schlechter als zuletzt gehts nicht mehr, der Fan ahnt, dass ihn keine Besserung erwartet. Vielleicht ist aber genau diese bittere Erkenntnis der Generator zum schnellen Aufladen der Fan-Emotion – möglicherweise muss 96 wirklich nur einmal in Führung gehen, damit es raucht.