96 beschwört Geist der Apachen

HANNOVER. 96 bereitet sich auf die letzten Wochen der Bundesliga-Festspiele vor. Mit 18 Feldspielern und zwei Torhütern fährt Trainer Mirko Slomka morgen Abend nach Bad Segeberg (60 Kilometer nordöstlich von Hamburg).

Bis Sonnabend bleibt die Mannschaft im Vitalia-Hotel mit Blick auf den Segeberger See und zieht dann um in ein Hamburger Hotel. "Wir wollen trainieren, uns erholen und gut essen", sagt Slomka und versichert: "Das wird ganz sicher kein Urlaub.“

Die Mission ist klar: Ein Sieg in Hamburg am Sonntag ist die allerletzte 96-Hoffnung. Slomka: "Die Spieler sollen sich konzentrieren können, aber nicht nur für das eine Spiel, auch für den Rest der Saison." Zeit für Zerstreuung bleibt kaum. Die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg beginnen sowieso erst im Sommer mit dem Stück "Halbblut". Apachenhäuptling Winnetou und Old Shatterhand verfolgen darin einen üblen Brandstifter. Slomka sucht Spieler, "die durchs Feuer gehen".

Hanno Balitsch, der Old Strafraumhand des Köln-Spiels, gehört nicht zum Kreis der 96-Feuer-Elf. Balitsch soll ab Donnerstag tapfer bei den Amateuren trainieren und Sonnabend gegen Türkiyemspor Berlin spielen. "Ich habe mit ihm gesprochen. Er hat professionell reagiert und findet es gut, dass er im Rhythmus bleibt", erzählt Slomka. Aber gibts für ihn unter Slomka noch eine Rückkehr ins Profi-Team? "Ich halte von den grundsätzlichen Ausschlüssen, wie bei Kevin Kuranyi zum Beispiel, nicht besonders viel", sagt der Trainer, "es wäre Unsinn und nicht seriös." Dennoch wird Balitsch es schwer haben, bei Slomka wieder Fuß zu fassen. Ganz anders als Altin Lala. Das Kämpferherz hätte 96 gern zurück.

Gestern aber brach Lala das Training ab. "Derselbe Mist wie vorher", schimpfte der Vollblut-96-Profi über seine Knieschmerzen. "Schwer zu sagen, ob er mit kann", meint Slomka, "wir brauchen die Charakterstärke von Altin Lala. Es wäre super, wenn er dabei sein könnte. Mit ihm haben wir die Spiele gewonnen." Ein Spieler als Talisman, dazu ein neuer Teamgeist durchs Trainingslager – das hat schon mehreren Mannschaften geholfen.
Slomka hatte sogar überlegt, den "Geist von Malente" im Weltmeisterlager der 74er-Nationalmannschaft zu beschwören. Letztlich entschied sich 96 aber für Bad Segeberg. "Wir brauchen eine andere, charismatische Ausstrahlung", erklärt Slomka. Die Psychologen lässt er zu Hause. Diesmal verlässt sich der Häuptling allein auf sich selbst.