Verein, Triathlon

Haupt vertritt 96 beim Ironman

Der Ironman 70.3 im österreichischen Zell am See hat in diesem August viele Sportler an den Start gelockt: An zwei Wettkampftagen sind jeweils 2.500 Athleten ins kalte Wasser gesprungen – unter ihnen der Hannoveraner Christian Haupt, der auf den Triathlon mit gemischten Gefühlen zurückblickt.


Auf den Tag genau fit
35 Grad, pralle Sonne, wolkenloser Himmel – für den 35-jährigen Haupt sind dies die optimalen Bedingungen für einen Triathlon. 1,9 Kilometer muss er im Wasser zurücklegen, 90 Kilometer auf schmalen Reifen und zu guter Letzt 21,1 Kilometer "zu Fuß" absolvieren. Man muss als Sportler nicht selbst dabei gewesen sein, um sich das Ausmaß der Anstrengung vorstellen zu können. Doch Christian Haupt fühlte sich gut vorbereitet, überzeugt, eine gute Gesamtleistung erbringen zu können. "Die Woche vor dem Start habe ich mich allerdings weniger fit gefühlt, das hat mich etwas verunsichert. Doch auf den Tag genau war ich wieder gut drauf", erzählt der Triathlet.

"Waschmaschine vermeiden!"
Für Selbstzweifel ist beim Startschuss dann auch kein Platz. Im Kopf ging bei Christian Haupt nicht viel mehr vor, als eine gute Startposition zu ergattern: "Man muss beim Schwimmen echt aufpassen, nicht in die Waschmaschine zu geraten", sagte er. Die sogenannte Waschmaschine bei der ersten Disziplin des Triathlons ist nichts anderes als das beengende Hauptfeld eines Rennradrennens, aus dem man nur schwer einen Ausweg findet. Der Hannoveraner hatte jedoch das Glück, sich am Kopf des Massenstartes in die Fluten stürzen zu können und erbrachte nach eignen Angaben seine "beste Schwimmleistung bisher".

Gut mit Wetter klargekommen
Auf dem Rennrad sei er ebenfalls als einer der ersten über den Filzensattel (1.290 Meter) gekommen. "Ich war verdammt gut positioniert und kam dazu auch mit dem Wetter problemlos zurecht – im Gegensatz zu einigen anderen Teilnehmern", so Haupt, der es allerdings auch mit ebenbürtigen Konkurrenten zu tun hat: Ein Wolfsburger hatte lange Zeit die Nase vorn, ganz vorn. "Nach zehn Kilometern habe ich den aber auch eingeholt, weil ihm die Hitze zugesetzt hat", erinnert sich der 35-Jährige.

Weltmeistertitel aberkannt
Beim anschließenden Laufen bei hohen Temperaturen kam jedoch auch Christian Haupt ins Schwitzen, schlug sich aber wacker und blieb in Führung: "Beim Laufen bin ich einfach nicht so gestorben wie die anderen", sagte er und grinst. Nach vier Stunden und 20 Minuten kam Christian Haupt als Erster durchs Ziel. Durch die Lautsprecher ertönte sein Name: Christian Haupt ist Weltmeister! Für ihn, Freunde und Familie gab es allen Grund zum Feiern – was leider nicht allzu lang anhielt. Der Hintergrund: Falls ein Sportler aus jeglichen Gründen während des Rennens eine Zeitstrafe erhält, muss er deutlich vom Kampfrichter darüber informiert werden. "Das war bei mir ganz klar nicht der Fall", betonte Haupt, der nicht einmal wegen einer Zeitstrafe anhalten musste. Der Weltmeistertitel wurde ihm dennoch wieder aberkannt.

Spaß am Sport Erfolgsrezept
Konkrete Ziele für 2016 hat sich Christian Haupt bisher keine gemacht. "Ich starte dieses Jahr noch beim Ironman auf Mallorca." Allerdings mit gemischten Gefühlen, wie er zugibt: "Es kann noch viel passieren, man kann sich zum Beispiel erkälten." Bei einer neunstündigen Belastung schränkt dies extrem ein. Das Erfolgsrezept des Hannoveraners lautet deshalb: "Wenn man für einen Iron Man trainiert, muss man am Sport so viel Spaß haben, dass man diesen enormen Trainingsaufwand gerne in Kauf nimmt." Der Extremsportler ist seit 2013 professionell im Triathlon aktiv. Zu seinen größten Erfolgen zählen unter anderem die Platzierung als Vizeweltmeister 2011 im Duathlon in Spanien oder die Teilnahme bei der Triathlon WM im kanadischen Mont Tremblant 2014.

Triathlon ist eine Lebenseinstellung
Als Beamter bei der Region Hannover angestellt, versucht der 35-Jährige die Arbeit, sein Privatleben und das Training bestmöglich unter einen Hut zu bringen. Etwa 18 Stunden pro Woche verbringt er mit der gezielten Vorbereitung für die Wettkämpfe. "Hätte ich mehr Zeit, würde ich natürlich noch mehr trainieren", gibt er zu. Denn: "Triathlon betreibt man nicht einfach so – es ist viel mehr als nur ein Sport. Es ist eine Lebenseinstellung."