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Heldt: "Wenn man die Nerven verliert, ist das Thema erledigt"

"Es war keine gute Leistung von uns allen", sagte Waldemar Anton unmittelbar nach der 0:3-Niederlage bei der TSG 1899 Hoffenheim. "Wir haben hier zu Recht verloren", und der 96-Kapitän fügte an: "Wir haben keine Chance gehabt." Ja, die Niederlage war verdient und hätte noch deutlich höher ausfallen können. "Wir können ja froh sein – seien wir mal ehrlich –, dass wir heute nicht mit sieben Toren nach Hause fahren", brachte Chefcoach Thomas Doll zum Ausdruck, was ganz sicher das Gros aller Zuschauer des Spiels empfand. "Da müssen wir auch nicht drum rumreden. Das war sehr, sehr wenig."

"Wehren - und Nerven bewahren": 96-Manager Horst Heldt mahnt zur Besonnenheit im Abstiegskampf

"Das ganze findet im Kopf statt"
Die Geschichte des Gastspiels bei der TSG ist schnell erzählt: Zwei frühe Gegentore und insgesamt zu wenig Gegenwehr – das Torschussverhältnis von 27 zu sechs zugunsten der Gastgeber spricht Bände. "Ich war sehr überrascht, wie leicht man ein Duell gegen uns gewinnen kann", erklärte Doll, der von seinen Spielern vor allem ein ganz anderes Zweikampfverhalten einfordert, "denn wir sind immer einen Schritt zu spät gewesen. Und damit kannst Du keinen Blumentopf gewinnen."

Ein großer Anteil der gezeigten Defizite ist fraglos weniger physischer, denn vielmehr mentaler Natur. "Das ganze findet im Kopf statt", drückte Manager Horst Heldt entschieden aus. "Das kriegen viele Spieler zurzeit bei uns nicht hin. So wie bei anderen Vereinen da unten drin auch." Und weiter: "Wir sind im Abstiegskampf, da ist der Druck für die Psyche eine ganz besondere Herausforderung. Das hat nichts damit zu tun, dass die Jungs nicht mehr Fußball spielen können." Um seinen Gedankengang unmissverständlich zu machen, bediente er sich eines plastischen Beispiels: "Wenn man Walace sieht, der ist ja nicht umsonst brasilianischer Nationalspieler, aber er hat heute nicht gut gespielt. Also sind jetzt alle anderen Brasilianer so schlecht, dass nur er jetzt Nationalspieler werden kann? Oder liegt es eben am Kopf, dass er es nicht so hinkriegt, wie er es hinkriegen müsste?" Heldt betonte in diesem Zuge aber ausdrücklich, ALLE Spieler in seine Kritik einzuschließen, und machte explizit klar, keinen Einzelnen herauszustellen.

Aufgeben ergibt keinen Sinn
Wie also geht es jetzt weiter? Thomas Doll sagte, jeder Spieler dürfe jetzt richtig sauer sein, "aber dann wieder raus aus der Schockstarre! Wir haben ein schwieriges Spiel vor der Brust, da müssen wir einen anderen Auftritt hinlegen." Und zwar einen Auftritt gegen die Frankfurter Eintracht (Sonntag, 24. Februar, 15.30 Uhr; Tickets hier), bei dem sich keiner zurück- oder gar rausnehmen darf: "Das wird nur was zusammen. Da muss sich jeder mehr einbinden, eingliedern – mehr da sein! Alle zusammen, das ganze Team! Anders wird da kein Schuh draus."

"Raus aus der Schockstarre": 96-Trainer Thomas Doll will, dass seine Mannschaft sich gegen Frankfurt anders präsentiert

Dass aus dieser 96-Saison generell kein Schuh mehr werde, brachten nach Spielende zahlreiche Anhänger der Roten via Social Media deutlich zum Ausdruck und riefen in diesem Zuge den sicheren Gang in die 2. Liga aus – was menschlich in einem solchen Moment absolut nachvollziehbar ist. Aber eigentlich wissen wir doch alle: Es ergibt überhaupt keinen Sinn, jetzt aufzugeben. Zwölf Spieltage vor Schluss – mit einem Punkt Rückstand auf den Relegationsrang und deren vier auf Platz 15.

Heldt gibt Marschroute vor
Auch und gerade diese Denkweise ist eine Qualität, die jetzt zum Tragen kommen muss: "Im Abstiegskampf, da braucht man langen Atem", erklärte Horst Heldt und führte aus: "Es gibt Nackenschläge, und wer das nicht aushält und nicht aushalten kann, der schafft es auch nicht." Der 96-Manager gab die Marschroute vor: "Man muss sich wehren - und man muss die Ruhe bewahren. Wenn man die Nerven verliert, ist das Thema erledigt."

Das will keiner. Also: Besonnen bleiben, Hoffenheim abschütteln – und nächsten Sonntag gegen Frankfurt vergessen machen!
hec