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Haraguchis Appell an die 96-Fans

Genki Haraguchi stand vier Jahre lang bei Hertha BSC unter Vertrag - am Sonntag ist er mit 96 erstmals bei seinem Ex-Klub zu Gast. "Da haben wir auf jeden Fall eine Chance", sagt der Japaner - und richtet einen Appell an alle Fans der Roten.

Genki Haraguchi trifft am Sonntag auf seinen Ex-Klub Hertha BSC.

Erste Station in Europa: Berlin
Die größte Umstellung war das Essen. Daran konnte sich Genki Haraguchi auch nach mehreren Wochen noch nicht gewöhnen. "Wenn wir mit der Mannschaft unterwegs waren, hat es fast nur deutsches Essen gegeben", erinnert sich der Japaner im Gespräch mit hannover96.de an seine Anfangszeit in Europa und verzieht dabei das Gesicht, "das hat mir nicht so geschmeckt." Und dennoch, sagt Haraguchi, habe er in Berlin eine tolle Zeit mit wunderbaren Mannschaftskollegen gehabt. "Daher ist es auch etwas Besonderes für mich, dass ich am Wochenende gegen Hertha BSC spielen werde."

Zum ersten Mal überhaupt ist der 27-Jährige an diesem Sonntag (18 Uhr, Liveticker auf hannover96.de) zu Gast bei seinem alten Klub aus der Hauptstadt. Im Sommer 2014 war der japanische Nationalspieler (47 Länderspiele, zehn Tore) von seinem Jugendklub Urawa Red Diamonds aus der Nähe Tokios nach Berlin gewechselt. Vier Jahre lang stand er bei Hertha BSC unter Vertrag, spielte mit dem Klub unter anderem in der Europa League. "Das war damals eine sehr lehrreiche Zeit für mich", sagt Haraguchi. Sowohl sportlich, als auch persönlich. "Das Leben in Japan und Deutschland unterscheidet sich grundlegend", sagt Haraguchi, "ich musste mich in der Großstadt Berlin erst mal einleben und zurechtfinden."

Zweimal im Pech
Mittlerweile lebt und spielt Haraguchi in Hannover. Vor dieser Saison ist er von Hertha BSC zu den Roten gewechselt, nachdem er zuvor für ein halbes Jahr an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen worden war. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gehört der Offensivspieler inzwischen zum Stammpersonal unter Trainer Thomas Doll, die Teilnahme an der Asienmeisterschaft Anfang des Jahres hat Haraguchi sichtlich gutgetan. Nur das mit dem Toreschießen, das will noch nicht so recht klappen - und treibt bisweilen absurdeste Blüten.

Im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (2:3) Mitte März zum Beispiel hatte Haraguchi nach einem feinen Solo freie Schussbahn aufs leere Leverkusener Tor - doch der Ball blieb auf dem verschneiten Rasen kurz vor der Linie liegen. Und nur eine Woche später, beim Spiel in Augsburg (1:3), klatschte ein sehenswerter Freistoß von Haraguchi an die Latte. Es wäre das 2:0 für 96 gewesen. "Natürlich haben mich diese beiden Szene gewurmt", sagt der Japaner, "das war frustrierend. Aber vielleicht gleicht sich das ja in den letzten fünf Spielen noch aus. So oder so: Für mich wäre es wichtig, mal wieder ein Tor zu schießen, um der Mannschaft zu helfen." Und deshalb hat er seinem Trainer für das Spiel an Ostern auch gleich mal einen Treffer versprochen.

"Bei Hertha ist Unruhe drin"
Aber wieso auch nicht? Hertha BSC, nach der Hinrunde noch ein heißer Kandidat auf die Europapokalplätze, hat zuletzt fünfmal in Folge verloren und zudem unter der Woche bekannt gegeben, sich am Ende der Saison von Trainer Pal Dardai zu trennen. "Bei Hertha ist auch ein bisschen Unruhe drin", sagt Haraguchi, "ich sehe eine realistische Chance für uns, gegen Hertha zu gewinnen."

Ein Sieg ist auch nötig, wollen sich die 96-Profis weiterhin Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen. Fünf Spieltage vor dem Ende der Saison haben die Roten sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Eine schwere Hypothek, aber Aufgeben kommt für Haraguchi jetzt nicht infrage. "Natürlich weiß ich, wie die Tabellensituation ist", sagt er, "aber solange wir noch eine Chance auf den Klassenerhalt haben, gebe ich nicht auf."

Appell an die Fans
Und deshalb richtet Haraguchi auch noch einen Appell an die Fans. "Ich habe volles Verständnis dafür, dass die Fans enttäuscht sind, weil wir nicht erfolgreich sind. Und sie dürfen uns dafür auch kritisieren, keine Frage", sagt er, "aber solange der Abstieg nicht besiegelt ist, bitte ich alle Fans, uns weiterhin anzufeuern. Wir schaffen das nur gemeinsam. Und falls wir dann am Ende doch absteigen sollten, dürfen sie uns gerne alles an den Kopf werfen, das müssen wir dann aushalten."

Wohl gemerkt: falls. Denn vielleicht gelingt den Roten ja doch noch die große Aufholjagd im Abstiegskampf. Ein Sieg in Berlin würde die Hoffnung zumindest am Leben halten ...  
hop