TL Stegersbach, Profis

Tupferl des Tages: Über Moorochsen und Profis im Tunnel

Jeden Tag melden wir uns aus dem 96-Trainingslager mit einem Blog, in dem wir kleine und große Geschichten erzählen von Land und Leuten. Unser tägliches Tupferl aus Stegersbach. Genauso heißt auch der Blog, in dem wir in der letzten Folge heute aufklären, was es mit dem Tunnelblick der 96-Profis vor dem Test in Graz auf sich hatte.

Um 15.30 Uhr geht es heute mit dem Flugzeug aus Österreich nach Hause. Na ja, noch nicht so ganz, denn die heutige Reiseroute für die 96-Profis lautet: Stegersbach - Graz - Rostock.  Bus, Flugzeug, Bus. Erst Samstagabend, nach dem Testspiel beim Drittligisten Hansa, geht es zurück nach Hannover. Im Gepäck viele schöne Erlebnisse - und ein paar irritierende Vorkommnisse, von denen wir zum Abschluss berichten möchten.

Ein VIP-Stehplatz? Oder gibt es doch eine andere Erklärung?

Das Buchstaben-Rätsel
An beiden Seiten der Haupttribüne im Thermenstadion, in dem die 96-Profis jeden Tag trainiert haben, gibt es ein kleines Podest, das ein bisschen Richtung Rasen hinausragt. Von diesem Podest gehen Treppen zum Auf -und Abgang ab. Ein Geländer verhindert, dass man nach unten stürzt, und an dem Geländer hängt ein Schild mit blauer Schrift, auf dem steht: "Ein Stehplatz". Wir haben lange gerätselt, was uns dieses Schild sagen will. Ein Stehplatz. Also für nur einen Zuschauer, obwohl das Podest locker drei oder vier Fans nebeneinander vertragen würde. Sozusagen ein VIP-Stehplatz.

Aber ergibt das Sinn? Selbst wenn dort nur ein Zuschauer steht, versperrt er vielen anderen Besuchern den Blick zum Spielfeld. Wer dort steht, wird sich bei Fußballspielen keine Freunde machen. Aber irgendetwas müssen sich die Österreicher doch dabei gedacht haben? Das Rätsel schien unlösbar - bis zum vorletzten Tag. Um das kuriose Schild zu fotografieren, sind wir ganz nah ran gegangen, und da war es plötzlich zu erkennen: Vor dem "Ein" hat mal ein "K" gestanden, das aber bis auf kaum sichtbare Überreste abgekratzt worden war. "Kein Stehplatz" sollte es also eigentlich heißen. Aber irgendwie wäre das langweilig.

Moorochsen für 3,50 Euro
An einer kleinen Holzbude (Österreicher würden von einem Standel sprechen) des Thermenstadions, an der die 96-Profis jeden Tag vorbeigegangen sind, hängt ein Zettel mit dem "Würstel-Angebot" bei Heimspielen. Zu kaufen gibt es Frankfurter für drei Euro, aber auch - für 3,50 Euro - "Moorochsen". Moorochsen? Was verdammt noch mal würde man bekommen, wenn man bei einem Heimspiel des SV Stegersbach Moorochsen bestellen würde? Passt das überhaupt auf einen Teller? Eine Recherche in der Küche des 96-Mannschaftshotels ergab: Moorochsen sind eine südburgenländische Köstlichkeit, und bei den Ochsen handelt es sich um Tiere der Rassen Galloway und Aberdeen Angus, die auf den Weiden eines Niedertorfmoores grasen. Eigentlich ganz einfach, oder? Vielleicht machen wir uns den Spaß und rufen an den Essensständen in der HDI Arena beim nächsten Mal laut: "Zwei Bratwürste und einen Moorochsen, bitte!"

96-Profis mit Tunnelblick
"Profifußballer sind vor einer Partie im Tunnel": Den Satz kennt fast jeder so oder ähnlich von vielen Liveübertragungen, er ist ein Klassiker der Fernseh- und Radioreportage. Aber noch nie hat er für die 96-Profis derart gestimmt wie vor dem Testspiel beim Grazer AK. Normalerweise steht der Tunnel-Begriff bei Sportlern für volle Konzentration, für den Fokus auf ein Spiel. Um von Stegersbach zum alten GAK-Stadion zu kommen, muss man in Graz durch einen Tunnel fahren, den sogenannten Plabutschtunnel. Gefühlt ist es der längste Tunnel der Welt. Für ein paar Momente konnte man glauben, dass dieser Tunnel nicht mehr endet und der 96-Bus für immer dort drin verschwinden wird. Erst nach zehn Kilometern kam Licht am Ende des Tunnels. Übrigens: Den tatsächlich längsten Autotunnel der Welt gibt es in Norwegen. Er ist 24,5 Kilometer lang.

Österreichisch-Deutsch
Tupferl, das haben wir dank des Blogs gelernt, ist beim Fußball in Österreich eine kurze, feinfühlige, aber wirkungsvolle Ballberührung. Doch nach neun Tagen im Südburgenland erschließen sich nicht alle österreichischen Fußballbegriffe. Beim Testspiel in Dietersdorf gegen Rostov lobte ein Zuschauer den 96-Profi Florent Muslija und sprach von einem schönen "Pratzerl". Er wollte damit sagen, dass Flo ein Spieler mit viel Ballgefühl ist. Und in Graz lobte ein älterer Herr nach dem Freistoßtreffer zum 2:1 von Edgar Prib, dass dieser einen "Fleck" habe. Er meinte damit, dass Eddy einen scharfen Schuss besitzt. Man könnte so noch stundenlang weitermachen, ohne dass es langweilig wird. Aber irgendwann sind alle auch nach dem schönsten Trainingslager froh, wenn es heißt: "Gemma heim."
hr