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Aufstieg aus dem Nichts

Zu Beginn der Saison 1984/85 zum Abstiegskandidaten gekürt, am Ende der Spielzeit als Tabellenzweiter aufgestiegen. Hannover 96 oder besser gesagt "Biskups Rasselbande" gelang in einem aufregenden und engen Rennen um die vorderen Tabellenplätze das für unmöglich Gehaltene.

Quartett kämpft um den Aufstieg
Für sportliche Überraschungen war 96 schon immer gut. Und so sorgte in der spannenden Zweitliga-Saison 1984/1985 das Team aus Hannover erneut für ein Wunder, das am 14. August 1984 mit einem unspektakulären 2:1-Sieg beim Aufsteiger VfR Bürstadt begann und der Rasselbande von Trainer Werner Biskup im spannenden und umkämpften Herzschlagfinale den Bundesligaaufstieg bescherte. Aber der Kampf um die Tabellenführung war in dieser Saison so spannend, wie noch nie: Vier Mannschaften kämpften bis zur letzten Sekunde um den Aufstieg in die Bundesliga - Ähnlichkeiten zur aktuellen Situation in der laufenden Bundesligasaison 2016/2017 sind nicht zu übersehen und Hannover 96 ist wieder mit drin im Rennen um den Aufstieg. Der einzige Unterschied: Damals wurden nur zwei Punkte pro Sieg vergeben.

Paralellen zur diesen Saison
Vor der Saison 1984/85 gab es keinen klaren Favoriten auf den Aufstieg in die Bundesliga. Die beiden Absteiger aus der Bundesliga, der 1. FC Nürnberg und die Kickers Offenbach waren von den Experten wegen des personellen Umbruchs nur schwer einzuschätzen. Auch die Vorjahresdritten und -vierten MSV Duisburg und Hessen Kassel hatten Topspieler abgeben müssen. 96 kämpfte wegen finanzieller Probleme um die DFB-Lizenz und nur durch einen rigorosen Sparkurs wurde diese dann erteilt. Und die Aufstiegsfrage war bis zum letzten Spieltag völlig offen. Es kam zum bisher spannendsten und dramatischten Saisonverlauf in der 2. Bundesliga. Der Vierkampf um den Aufstieg in die Bundesliga zwischen dem 1. FC Nürnberg, Hannover 96, FC Saarbrücken und Hessen Kassel prägte diese Spielzeit, in der sich kein Verein vorentscheidend absetzen konnte - die Begebenheiten erinnern stark an die aktuelle Saison.

Der Weg nach oben führt über...
Drei Spieltage vor Saisonende stand 96 nach einem 2:2-Unentschieden im Heimspiel gegen Union Solingen auf dem dritten Tabellenplatz, der zur Relegation gereicht hätte. Auf diesem Rang blieben die Roten auch nach einem 3:3 beim FC Homburg am nächsten Spieltag. Am 25. Mai 1985 siegte 96 vor gut 16.000 Zuschauern daheim gegen Darmstadt 98 mit 4:1 (1:0). Doppeltorschütze Michael Gue, Frank Hartmann per Foulelfmeter und Karsten Surmann sorgten dafür, dass 96 auf den zweiten Tabellenrang sprang. Die Niedersachsen mussten dann ausgerechnet zum Tabellenführer Hessen Kassel, der mit einem Punkt Vorsprung vor 96 und zwei Punkten vor dem FC Saarbrücken und dem 1. FC Nürnberg die Tabelle anführte.

...Kassel
Mehrere Tausend Fans begleiteten die Roten nach Kassel. Die 96er lagen im sonnenüberfluteten Auestadion bereits nach 27 Minuten mit 0:2 in Rückstand und alle mitgereisten Fans befürchteten schon, dass der Aufstieg bereits vergeben sei. Doch die Biskup-Elf kämpfte weiter. Fred Schaub sorgte für Hoffnung, als er in der 31. Minute einen Fehler in der Kasseler Abwehr eiskalt zum 1:2-Anschlusstreffer nutzte. Als Frank Hartmann dann in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit an der Strafraumgrenze gefoult wurde, traf Martin "Matze" Giesel zum 2:2-Ausgleich. Nach der Halbzeit hatten beide Teams zwar noch zahlreiche gute Möglichkeiten, die aber nicht in Tore umgemünzt wurden.

So blieb es beim 2:2-Unentschieden und für alle Verantwortlichen bei Hannover 96 war damit klar: Ein Heimsieg im letzten Spiel gegen Hertha BSC würde den Bundesligaaufstieg bedeuten, denn am letzten Spieltag trat Tabellenführer Hessen Kassel, der einen Punkt Vorsprung vor dem Zweiten 1. FC Nürnberg hatte, auswärts bei den Nürnbergern an.

2:0 über Hertha BSC macht Aufstieg perfekt
Am 9. Juni 1985 - genau zwölf Jahre auf den Tag nach dem "Wunder von Wuppertal", als 96 den Bundesligaabstieg am letzten Spieltag mit einem Auswärtssieg beim Wuppertaler SV abwenden konnte - wurden 60.000 Zuschauer im restlos ausverkauften Niedersachsenstadion und Millionen Fußballfans an den Radiogeräten Zeugen vom zweiten 96-Aufstieg in die erste Bundesliga. Ein Eigentor des Berliners Dieter Timme brachte die 96er kurz vor dem Halbzeitpfiff in Führung. Den Aufstieg machte dann Frank Hartmann in der 88. Minute durch seinen Treffer zum 2:0-Endstand perfekt. Um 16.46 Uhr schaffte Hannover 96 auf Rang zwei nach neun Jahren Abstinenz erneut den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse.

Mit nur 14 Spielern in die Saison gestartet
Der Aufstieg von Hannover 96 kam für alle Fachleute unerwartet, da Trainer Biskup die Saison nur mit einem 14 Mann-Kader begonnen hatte. Doch um die Routiniers Franz Gerber und Karsten Surmann entwickelte sich im Laufe der Spielzeit eine kampfstarke Mannschaft, in der am Ende auch Nachwuchsspieler wie Michael Gue, Frank Hartmann, Bastian Hellberg, Oliver Stöcking und Matthias Kuhlmey zu Aufstiegshelden avancierten. Außerdem gehörten Jürgen Rynio, Axel Horn, Uwe Ronge, Bernd Thiele, Miroslav Vjetrovic, Jose Manuel Cobano, Maximilian Heidenreich, Jürgen Siegel, Lars-Peter Beike und Fred Schaub zu "Biskups Rasselbande".

Und die anderen?
Durch eine 0:2-Niederlage in Nürnberg stand Hessen Kassel am Ende der Saison erstmals seit dem 17. Spieltag nicht mehr auf einem Aufstiegsplatz und wurde am Ende nur Vierter. Dem 1. FC Nürnberg dagegen gelang der Aufstieg als Ligameister, obwohl der Verein während der Vorrunde sogar auf den letzten Platz abgerutscht und einige Stammspieler während der Saison entlassen hatte. Der 1. FC Saarbrücken, der mit einem Punkt Rückstand Tabellendritter vor dem unglücklichen Kasslern - die ebenfalls nur einen Punkt Rückstand hatten - wurde, setzte sich im Anschluss in der Relegation gegen den Tabellensechzehnten Arminia Bielefeld durch und stieg ebenfalls auf.
dk