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Der große Saison-Rückblick, Teil 1: Tropenregen, vernagelte Tore und diese verflixten Standards

Eines ist sicher: Die Fußball-Zweitligasaison 2019/20 wird wegen der Corona-Pandemie in die Geschichte eingehen. Auch für Hannover 96 war es eine turbulente, wechselhafte Spielzeit, auf deren wichtigste Augenblicke wir in einer dreiteiligen Rückblick-Serie in Text und Bild schauen. Heute Teil 1 – von  der Regenschlacht bis zum torlosen Niedersachsenduell.  

1. Spieltag: VfB Stuttgart – 96 2:1

Saisoneröffnungsspiel beim Topfavoriten – das ist gleich zum Auftakt eine heiße Nummer, in jeder Hinsicht: Bei tropischen Temperaturen im Stuttgarter Talkessel sorgt in der Pause ein gewaltiges Gewitter dafür, dass es in der zweiten Halbzeit zu einer Wasserschlacht kommt, die nicht nur 96-Torhüter Ron-Robert Zieler vor Herausforderungen stellt (Bild). Am Ende stehen neun Gelbe, zwei Gelb-Rote Karten (eine davon für Matthias Ostrzolek) und eine 1:2-Niederlage nach achtbarer Leistung. Das erste hannoversche Saisontor erzielt der Stuttgarter Maxime Awoudja mit einem Eigentor.

2. Spieltag: 96 – Jahn Regensburg 1:1

Im ersten Heimspiel stehen 21:9 Torschüsse zu Buche, mehr Ballbesitz und mehr gewonnene Zweikämpfe, am Ende gibt es aber trotzdem nur eine Punkteteilung. Hendrik Weydandt köpft in der 66. Minute das 1:0, die Freude von 28.500 Zuschauern im Stadion ist groß, aber 13 Minuten später herrscht wieder Ernüchterung. Andreas Albers sorgt – wie man so schön sagt – aus dem Nichts für den Ausgleich. Ansonsten ist das Regensburger Tor wie vernagelt (Bild). Besondere Vorkommnisse? Ron-Robert Zieler hält einen Elfmeter und sagt hinterher: "Den gehaltenen Elfmeter würde ich gern gegen drei Punkte tauschen."

3. Spieltag: SV Wehen Wiesbaden – 96 0:3

Bis zum 3. Spieltag müssen sich 96-Fans gedulden, dann ist der erste Saisonsieg unter Dach und Fach. Neuzugang Marvin Ducksch mit seiner gleich doppelten Torpremiere, die er mit einem lustigen Torjubel feiert (Bild), und Florent Muslija sorgen beim Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden nicht nur für den ersten Saison-Dreier, sondern für das Ende des Auswärtsfluchs. Nach 30 Spielen ohne Erfolgserlebnis in der Fremde gelingt wieder ein Sieg auf fremdem Rasen. Wurde mal Zeit!

4. Spieltag: 96 – Greuther Fürth 1:1

Es ist keine gute erste Hälfte, die die 96-Mannschaft hinlegt. Der Einsatz stimmt, aber es fehlt an klaren Aktionen. Als der Fürther Paul Seguin mit einem abgefälschten Schuss für die Gästeführung sorgt, wird es nicht besser. Mit Beginn der zweiten Halbzeit sieht das anders aus: Flanke Marvin Ducksch, Treffer des eingewechselten Hendrik Weydandt (der später bei den Fans sein Trikot lassen muss; Bild). Nach 47 Minuten steht es 1:1. Und genug Zeit für den Siegtreffer und den ersten Heimsieg der Saison ist auch noch. Aber die Roten fallen danach zurück ins alte Muster und sind hinterher selbstkritisch. "Nach den ersten 20 Minuten sind wir komplett eingebrochen", sagt Vize-Kapitän Edgar Prib. Die Fürther ärgern sich genauso und sprechen von zwei verschenkten Punkten. Und sonst? Emil Hansson feiert bei 96 sein Debüt.

5. Spieltag: Hamburger SV – 96 3:0

4000 96-Fans sind mit nach Hamburg gereist, und bereits vor dem Spiel sorgen diese im Gästeblock für ordentlich Stimmung. Umso bitterer, dass am Ende nicht gemeinsam gefeiert werden kann mit den befreundeten HSV-Fans. Denn Grund zum Jubeln haben nur die Hamburger, und das gleich dreimal nach den Toren von Sonny Kittel, David Kinsombi und Bakery Jatta (35., 59., 75. Minute). Bei den 96-Profis herrscht dagegen Frust (Bild). Dem 96-Team fehlt über die gesamte Spielzeit die Durchschlagskraft, Trainer Mirko Slomka spricht hinterher davon, dass "uns der HSV heute die Grenzen aufgezeigt hat" und bemängelt Robustheit und Tempo im hannoverschen Spiel. Dieter Hecking, der frühere 96-Coach, sagt hinterher, dass er ein zufriedener Trainer sei. Nach dem 34. Spieltag wird er das nicht mehr sagen können, aber das ahnt er zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

6. Spieltag: Hannover 96 – Arminia Bielefeld 0:2

Gegen den Meister darf man auch zuhause verlieren. Allerdings weiß zu diesem Zeitpunkt noch keiner, dass die Bielefelder am Ende souverän Platz 1 belegen und den Aufstieg in die Bundesliga schaffen werden. Eine kleine Vorahnung haben zumindest die 96-Fans unter den 37.200 Zuschauern, dass Standardsituationen diese Saison ein Problem werden könnten. Bielefelds Führung durch Fabian Klos resultiert aus einem Freistoß (32. Minute). Arminias Andreas Voglsammer sorgte per Elfmeter für die frühe Entscheidung (64.) und die nächste Enttäuschung (Bild). Den Roten - ab der 81. Minute nach dem Platzverweis für Waldemar Anton nur noch zu zehnt – mangelt es an Durchschlagskraft.

7. Spieltag: Holstein Kiel – 96 1:2

Ausgerechnet Marvin Ducksch (Bild, beim Torjubel mit Genki Haraguchi). Der frühere Kieler trifft gegen Kiel und sorgt kurz vor der Pause für die Führung, die Cedric Teuchert mit einem Traumtor (seinem ersten für 96) in der 52. Minute ausbaut. Als Jae Sung Lee nach einer guten Stunde für Kiel den Anschlusstreffer schafft, beginnt ein Zitterspiel mit Happy End für die in Schwarz spielenden Roten. Neuzugang Marc Stendera kommt in Kiel erstmals für 96 in einem Pflichtspiel zum Einsatz, Trainer Mirko Slomka spricht hinterher von einem "Super-Debüt".

8. Spieltag: 96 – 1. FC Nürnberg 0:4

Montagsspiele sind grundsätzlich schwer verdaulich. Dieses Montagsspiel liegt aber besonders schwer im Magen, denn die Nürnberger kommen leicht und locker zu ihren Toren durch Georg Margreitter (3. Minute, 83.), Hanno Behrens (26.) und Robin Hack (45.). Die 96-Fans reagieren mit Pfiffen, die 96-Profis sind ratlos. "Wir haben uns heute phasenweise wie eine Schülermannschaft verhalten", sagt Torwart Ron-Robert Zieler (Bild), der noch Schlimmeres verhindert. Drei der Gegentore fallen durch einen Kopfball, das erste Tor nach einer Standardsituation. Leider nichts Neues, ärgerlich aber vor allem deshalb, weil der Sieg am Spieltag davor in Kiel eigentlich Selbstvertrauen hätte geben sollen.

9. Spieltag: Dynamo Dresden – 96 0:2

Ab Minute 65 geht es nach einem Gerangel zwischen Dresdens Kreuzer (Rot nach Tätlichkeit) und Miiko Albornoz (Gelb-Rot) mit Zehn-gegen-Zehn weiter. Das verschafft ein wenig mehr Platz auf dem Rasen, den die 96-Mannschaft nutzt. Julian Korb sorgt in der 72. Minute nach Vorarbeit von Marc Stendera und herrlicher Annahme mit der Brust für das 1:0 und darf sich danach "Korbinho" rufen lassen, Cedric Teuchert (Bild) setzt mit dem 2:0 in der 89. Minute den Schlusspunkt unter eine Leistung, die als Reaktion auf die Pleite gegen Nürnberg eingestuft wird. Die Roten zeigen zuletzt vermisste Leidenschaft. Emil Hansson steht das erste Mal in der Startelf.

10. Spieltag: 96 – VfL Osnabrück 0:0

Es gibt 0:0, die kann man vergessen. Und es gibt torlose Unentschieden, die sind gut anzuschauen – so wie dieses Niedersachsenduell. 21:9 Torschüsse, eine Passquote von 85 Prozent und 72 Prozent Ballbesitz – die Statistik spricht für die Roten, aber auch in einer stürmischen Schlussoffensive will einfach kein Tor fallen vor 38.000 Zuschauern, die mit gemischten Gefühlen nach Hause gehen. Hendrik Weydandt hat Pech mit einem Pfostenkopfball. Und sonst? Mit einer schönen Choreo wird im Norden die Eröffnung des Niedersachsenstadions vor 65 Jahren gefeiert, auch der HDI, Namensgeber der heutigen HDI Arena, gratuliert mit einem Schriftzug auf der Bande und auf den Videowänden (Bild).

11. Spieltag: Karlsruher SC – 96 3:3

Hartnäckigkeit zahlt sich aus – leider nicht für das 96-Team: Dreimal gehen die Roten beim Karlsruher SC in Führung, dreimal gleichen die Hausherren wieder aus. Besonders ärgerlich: In der dritten Minute der Nachspielzeit gelingt Hendrik Weydandt das 3:2 – riesiger Jubel auf dem Platz und auf der hannoverschen Bank. Ein wichtiger Sieg ist greifbar nah – doch zwei Minuten später schafft Karlsruhe noch einmal den Ausgleich. Torwart Ron-Robert Zieler sieht noch die Gelb-Rote Karte und Verteidiger Josip Elez (Bild) feiert für ein paar Sekunden sein Debüt als Torwart.
hr