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Der große Saison-Rückblick, Teil 3: Warum die 26 nach der 29 kommt und die Zahl 15 Tor-Magie ausstrahlt

Die Fußball-Zweitligasaison 2019/20 wird wegen der Corona-Pandemie in die Geschichte eingehen. Auch für Hannover 96 war es eine wechselhafte Spielzeit, auf deren wichtigste Augenblicke wir in einer dreiteiligen Rückblick-Serie in Text und Bild schauen. Heute Teil 3 – von der Wasserschlacht auf der Alm bis zum doppelten Ducksch und dem Sprung auf Platz 6.

23. Spieltag: Arminia Bielefeld – 96 1:0

In dieser Saison gibt es nichts, was es nicht gibt. Weil es am Sonntag in Bielefeld wie aus Eimern schüttet – aus sehr großen Eimern (!) -, droht das Spiel gar nicht erst angepfiffen zu werden. Zweimal wird der Anstoß-Zeitpunkt nach hinten verschoben, ständig geht der Blick in den trüben, regnerischen Himmel über der Alm. Mehrfach lassen die Schiedsrichter den Ball über den Rasen schießen, um zu schauen, ob er rollt. Mit reichlich Verspätung und anhaltendem Regen geht es dann los, die Platzverhältnisse sind widrig (Bild), aber 96 zeigt sich gegen den Spitzenreiter wetterfest. Direkt nach der Pause hat Cedric Teuchert die Riesenchance zur Führung, lässt sie aber aus. Egal, ein 0:0 wäre auch ein Erfolg. Aber der Fluch der späten Gegentore setzt sich fort: Sieben Minuten vor Schluss bestraft Bielefelds Reinhold Yabo die einzige Unaufmerksamkeit in der 96-Abwehr.

24. Spieltag: 96 – Holstein Kiel 3:1

An Montagspiele hat 96 in dieser Saison keine gute Erinnerung (siehe das 0:4 gegen Nürnberg). Aber dieses Montagspiel macht Spaß. Winter-Neuzugang John Guidetti erzielt in der 11. Minute sein erstes Tor (Bild) für die Roten - und das wird im Stadion musikalisch ganz besonders untermalt. Kurz klingt die eigentliche Torhymne "Nellie The Elephant" an, dann ertönt "Johnny G", der Guidetti-Song, aus den Boxen. Auch danach ist viel Musik im Spiel, nach dem Kieler 1:1 Mitte der 2. Halbzeit wackelt 96 kurz – und schlägt dann in der Schlussphase zurück. In der 80. Minute sorgt Philipp Ochs mit seinem ersten Treffer im 96-Trikot für das 2:1. Dann kommt die Nachspielzeit, diesmal mit Happy End für 96 dank des 3:1 von Hendrik Weydandt. Geht doch, späte Tore können nicht nur die Anderen!

25. Spieltag: 1. FC Nürnberg – 96 0:3

Dieses Spiel schreibt Geschichte, auch wenn das an diesem Freitagabend noch niemand weiß. 26.745 Zuschauer ahnen noch nicht, dass es bis heute das letzte Spiel sein wird, dass sie live im Stadion verfolgen können. Das Corona-Virus ist schon ein Thema, in Deutschland aber noch kein großes. Das wird sich schnell ändern, aber erst einmal reden sie in Hannover über diesen souveränen Auftritt ihrer Roten. Eingeleitet wird der Auswärtssieg von Timo Hübers erstem Tor für 96 (Bild); Linton Maina und Hendrik Weydandt machen die Schleife um diese drei wichtigen Punkte.

27. Spieltag: VfL Osnabrück – 96 2:4

Nein, wir haben die Reihenfolge nicht durcheinander gebracht. Corona hat auch den Spielplan durcheinander gewirbelt, die Partie vom 26. Spieltag gegen Dresden muss wegen Quarantäne der Dynamo-Mannschaft verlegt werden. Mehr als zwei Monate stand der Betrieb im Profifußball still. Am 23. Mai nimmt Hannover 96 den Sonderspielbetrieb, wie er offiziell heißt, in Osnabrück wieder auf. Es ist die erste Partie nach dem 6. März und dem 3:0-Sieg in Nürnberg, und das erste Spiel, zu dem keine Zuschauer mehr dürfen. Nach zweimaligem Rückstand drehen die 96-Profis dieses besondere Spiel. Bis zur 75. Minute liegen die 96er hinten, dann treffen zweimal Marvin Ducksch (einmal davon per Elfmeter) und Genki Haraguchi – und schon wird aus dem 1:2 ein 4:2. Ducksch kam übrigens in der 58. Minute von der Bank, wo er vorher mit Mundnasen-Maske gesessen hatte – in Coronazeiten ist alles ein bisschen anders, auch der Jubel mit "Corona-Faust" (Bild).

28. Spieltag: Hannover 96 – Karlsruher SC 1:1

"Geisterspiel"-Premiere in der HDI Arena. 96 kann bis zur Pause insgesamt die vielversprechenderen Möglichkeiten für sich verbuchen (unter anderem einen Pfostenschuss von Dominik Kaiser), trotzdem geht es mit einem 0:0 in die Kabine. Zwei Minuten nach der Pause sorgt Edgar Prib für das 1:0, doch ausgerechnet Philipp Hofmann, der früher mal für einen Verein in der Nähe von Peine gespielt hat, gelingt in der 69. Minute der Ausgleich. Ärgerlich, weil 96 vorher bei guten Chancen wie von Linton Maina (Bild) auf 2:0 hätte erhöhen können. Glücklich, weil auch Karlsruhe in der Schlussphase Möglichkeiten zum Siegtreffer hat.

29. Spieltag: SV Sandhausen – 96 3:1

Es ist das dritte Spiel innerhalb von acht Tagen, und es wird "ein Spiel zum Vergessen", wie 96-Trainer Kenan Kocak später sagen wird, der sich an alter Wirkungsstätte besonders über die Niederlage ärgert. In der ersten Hälfte fallen keine Tore, aber nach der Pause erwischt es das 96-Team innerhalb von sechs Minuten zweimal durch Treffer von Julius Biada und Gerrit Nauber. Als John Guidetti kurze Zeit später der Anschlusstreffer gelingt, keimt Hoffnung auf – bis zur 82. Minute. Dann sorgt Philipp Türpitz für die Entscheidung zugunsten von Sandhausen. "So dürfen wir uns nicht präsentieren", sagt Kocak. Seine Spieler wirken nach dem Abpfiff ebenfalls bedient (Bild).

26. Spieltag: 96 – Dynamo Dresden 3:0

Der 26. Spieltag nach dem 29.? Corona macht es möglich. Die Roten erwischen einen richtig guten Start, suchen direkt den Weg nach vorne und belohnen sich in der 10. Minute mit der verdienten Führung durch Marvin Ducksch (Bild) und erhöhen kurz darauf durch John Guidetti sogar auf 2:0 (17. Minute). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte ertönt dann erneut Jubel auf dem Platz: Edgar Prib erzielt das 3:0 für 96. Nach der Pause tut sich zumindest in punkto Toren nichts mehr. 39 Punkte hat 96 nach dem Sieg gegen Dresden auf dem Konto und springt damit auf Rang 6 - das ist die beste Platzierung in der laufenden Saison.

30. Spieltag: 96 – 1. FC Heidenheim 2:1

Die Gäste kämpfen mit Werder Bremen um den Platz in der Bundesliga, in Hannover verlieren sie an diesem Sonntag verdient – kleine Revanche für das 0:4 im Hinspiel. Spielerisch ist es eine der besten Saisonleistungen, diesmal lässt sich 96 nur in wenigen Szenen (Bild) aus dem Gleichgewicht bringen. Auch die Tore durch Marvin Ducksch und Edgar Prib in der ersten Halbzeit können sich sehen lassen. Als Stefan Schimmer für Heidenheim eine Viertelstunde vor Schluss zum 1:2 trifft, wird es noch einmal eng, zumal die 96-Mannschaft Konterchancen nicht konsequent ausnutzt. Doch diesmal gibt es kein spätes Gegentor. Von Trainer Kenan Kocak gibt es hinterher ein "Riesenkompliment für die Mannschaft".

31. Spieltag: SV Darmstadt 98 – 96 3:2

Da ist er wieder, der fiese Nackenschlag kurz vor Schluss, der richtig weh tut. Ein Remis auf der Baustelle Böllenfalltor, das könnte sich sehen lassen. Und das wäre auch verdient, aber in der 90. Minute (!) nach einer Ecke (!) sorgt ein Eigentor (!) von Marcel Franke (Bild, in der Mitte stehend) für den Darmstädter Sieg. Zuvor hatte die Mannschaft aus einem 0:1-Rückstand durch Tore von Marvin Ducksch und Edgar Prib eine 2:1-Führung gebastelt, in der 62. Minute aber leider das 2:2 kassiert. Danach haben die Roten die besseren Chancen zur Führung -treffen tun aber nur die Darmstädter mit unfreiwilliger hannoverscher Hilfe. "Es ist brutal, wenn du in der letzten Minute das Tor kassierst und dann mit null Punkten nach Hause fährst", sagt 96-Mittelfeldspieler Dominik Kaiser.

32. Spieltag: 96 – FC St. Pauli 4:0

Ja, der FC St. Pauli hat keinen guten Tag erwischt und hätte den Preis für besondere Harmlosigkeit ohne Gegenstimme bekommen. Aber was die 96-Mannschaft an Spielfreude und Torlaune präsentiert, ist schon sehenswert. Marvin Ducksch, Hendrik Weydandt (Bild, beide jubelnd), Genki Haraguchi und Cedric Teuchert sorgen für den höchsten Saisonsieg. Einen kleinen Wink in Richtung Kritiker von der "Bild"-Zeitung kann sich Weydandt nach seinem Treffer nicht verkneifen - und jubelt nach dem 2:0 mit (Hähnchen-)-Flügelschlägen. Das ist nicht halb gelungen, sondern ganz!

33. Spieltag: Erzgebirge Aue – 96 2:1

Aua in Aue. Vom frischen Schwung gegen St. Pauli ist im Erzgebirge nicht mehr viel übrig. 96 hat viel Ballbesitz, kann damit aber nicht viel anfangen. Vorne fehlt der Durchblick (Bild). Die Gastgeber in ihrer schmucken neuen Arena machen es besser, treffen einmal vor der Pause (Pascal Testroet) und einmal danach (Clemens Fandrich) und haben damit eine fast hundertprozentige Chancenausbeute. Die 96-Profis können Aues Abwehrriegel nur einmal knacken, als Marvin Ducksch in der 79. Minute das 1:2 gelingt. Und sonst? Michael Ratajczak feiert sein Torwartdebüt bei 96. Er hatte es sich anders vorgestellt.

34. Spieltag: 96 – VfL Bochum 2:0

Geschafft! Mit einem 2:0 gegen Bochum zieht 96 einen versöhnlichen Schlussstrich unter eine Saison, die nicht gut angelaufen ist, mit Tabellenplatz 6 aber ein gutes Ende nimmt. Beide Tore erzielt Marvin Ducksch, erst per sehenswertem Freistoß, dann nach toller Vorarbeit von Timo Hübers. 15 Treffer stehen für Ducksch (Bild) nach dem Saisonfinale damit zu Buche - zuletzt hatte Niclas Füllkrug in der Saison 2017/18 zweistellig für die Roten getroffen. Dass beide –"Lücke" bei Werder und "Duckschi" bei 96 - am Saisonende eine ähnliche Zopffrisur tragen, sei am Rande erwähnt. Ein Debüt gibt es auch noch: Martin Hansen steht erstmals für 96 zwischen den Pfosten und zeigt eine starke Leistung.
hr