Triathlon

Ex-Triathlon-Profi Jan Raphael ist Lauftrainer bei Hannover 96

Er ist seit der Gründung der Abteilung 1995 dabei, entwickelte sich zu einem der besten Triathleten Deutschlands und bleibt dem Verein nun nach seiner aktiven Karriere als Trainer erhalten. Jan Raphael vermittelt seit September 2020 jeden Mittwoch der Laufgruppe unserer Triathletinnen und Triathleten sein Wissen und seine Erfahrungen über den Sport.

Rückblick auf eine Karriere in der Weltspitze
Während seiner aktiven Karriere wurde Jan Raphael 2011 und 2013 Vize-Europameister im IRONMAN, was er persönlich als seine größten Erfolge beschreibt, da bei diesen Wettbewerben ein großer Teil der weltweiten Triathlon-Elite zu den Teilnehmern gehörte. Doch bevor er diese Erfolge auf dem Siegertreppchen feiern konnte, fing auch Raphael ganz unten an.

Die ersten Erfolge
Zum Triathlon kam er, da er zu seiner Schulzeit eine Arbeitsgemeinschaft belegen musste und wenig Interesse an Ballsportarten hatte. Das Schwimmen lag dem damals 13-Jährigen noch überhaupt nicht, doch er merkte schnell Verbesserungen durch kontinuierliches Training. Gemeinsam mit Trainer und Förderer Manfred König erreichte er ein erstes Ziel mit dem Gewinn des Schul-Triathlons im zweiten Jahr. Zum Vereinstraining und der Gründung der Triathlon-Abteilung von Hannover 96 kam er durch einen Zufall. Beim Maschsee-Triathlon gewann er einen Gutschein für neue Laufschuhe und bei der Einlösung dieses Gutscheins wurde er für das Vereinstraining bei Hannover 96 angeworben. Das erste Rennen im 96-Trikot war für ihn dann die Landesmeisterschaft 1996 in Leer, bei sechs Grad Celsius Außentemperatur. Der damals 16-Jährige hatte sich für den Wechsel vom Schwimmen zum Laufen eine neue Schnürtechnik für seine Laufschuhe überlegt. Aufgrund der Kälte kam er jedoch nicht wie geplant in seine Schuhe, weshalb sein Trainer rief „Jan, lauf barfuß!“. Also lief Jan Raphael die fünf Kilometer barfuß über den Schotter und musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden.

Der Weg zum Profi
Trotz oder gerade wegen dieser unangenehmen Erfahrung blieb Jan Raphael motiviert. 1996/97 nahm er an seiner ersten Deutschen Meisterschaft teil, bei der er noch einen Mittelfeldplatz belegte. Im nächsten Anlauf folgte dann ein Platz unter den ersten zehn, sodass im dritten Jahr fast schon folgerichtig der erste Sieg der Deutschen Meisterschaft folgte. Daher war Raphael ab 2000 auch fester Bestandteil der Nationalmannschaft der Deutschen Triathlon Union. Ab 2001 ging Raphael dann bei seinen Wettbewerben mit einem Zweitstartrecht für das „Hansgrohe Team Schwarzwald“ an den Start, welches zu einem der Top-Teams in Deutschland gehörte. Doch die Verbindung zu Hannover 96 blieb durch das tägliche Training im Verein immer bestehen.

Erfolge auf längeren Distanzen
Da ihm sein damaliger Trainer in der Nationalmannschaft dazu riet, versuchte Jan Raphael 2006 das erste Mal sein Glück auf einer längeren Distanz. „Mir fehlte einfach das Sprintpotenzial für Olympia“, sagt Raphael, weshalb er 2006 beim IRONMAN in Florida an den Start ging. Obwohl starke Gegner zum Teilnehmerfeld gehörten, gewann er etwas überraschend seinen ersten IRONMAN, was für seine weitere Karriere den Einstieg in die Langdistanz bedeutete. Auf diesen Langdistanzen feierte er dann auch seine beiden größten Erfolge mit den beiden zweiten Plätzen beim IRONMAN in Frankfurt 2011 und 2013. Neben dem IRONMAN auf Hawaii ist dies der zweitwichtigste Wettbewerb weltweit und galt für Raphael immer als eine Art Heimrennen. „In Frankfurt hatte ich immer ein gutes Gefühl!“ Auf Hawaii hat er sich hingegen nie so richtig wohlgefühlt, weshalb er dort auch nie über den 18. Platz hinauskam.

Das Ende einer erfolgreichen Karriere
Nach vielen erfolgreichen Jahren als professioneller Triathlet beendete Jan Raphael 2018 seine aktive Karriere. Bei der Challenge Roth, dem weltweit größten Langdistanz-Rennen, merkte er während des Wettkampfs, dass ihm die Motivation fehlte, wirklich alles zu geben. „Ich dachte, ich hätte noch ein paar Jahre, doch mir fehlte dann doch der letzte Wille, mich so richtig zu quälen.“ Im Anschluss an dieses Rennen verbrachte er einen dreiwöchigen Urlaub in den Alpen, verzichtete komplett aufs Training und bemerkte, dass ihm nichts fehlte. Dazu kam, dass er seit der Geburt seines Sohnes mehr Zeit zu Hause verbringen wollte, da er zu seiner aktiven Zeit etwa 150 Tage jährlich im Ausland verbrachte. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere begann Jan Raphael eine Laufbahn als selbstständiger Triathlon-Coach und arbeitet zudem halbtags bei der eichels: Event GmbH in Hannover.