Slomka soll die "Roten" retten

Tag der schnellen Entscheidungen beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96: Der abstiegsbedrohte Klub (Relegationsplatz 16 mit 17 Punkten) hat Mirko Slomka als neuen Trainer verpflichtet.

Sein Vertrag gilt bis zum Sommer 2011 – und nur für die 1. Liga. Der Hannoveraner soll heute um 14.30 Uhr erstmals das Training der "Roten" leiten. "Er hat ein überzeugendes Konzept und Visionen für die Zukunft", sagte Klubchef Martin Kind über den Neuen, der eigentlich kein Neuer ist: Slomka war schon Jugendtrainer bei 96 und Assistent von Aufstiegscoach Ralf Rangnick. Er gilt als moderner Vertreter seiner Zunft, der auch auf Ernährung, positionsspezifische Fitness sowie auf die sportpsychologische Betreuung seiner Spieler großen Wert legt.

Als "Feuerwehrmann" mit Spezialkenntnis in Abstiegsverhinderung hat er sich mangels Gelegenheit noch nicht erwiesen. "Ich freue mich auf die Herausforderung in meiner Heimat und bin überzeugt, dass wir den Schritt nach oben rasch gehen werden. Die Mannschaft und ich müssen uns schnell aneinander gewöhnen und dann schon gegen Mainz am Sonnabend punkten", sagte der Neue in einem ersten Statement.

Die Entscheidung für Slomka ist gestern in den frühen Morgenstunden bei einer Sitzung von Kind und wichtigen Geldgebern des Klubs gefallen. Nach einer sehr kurzen Nacht informierte Sportdirektor Jörg Schmadtke dann den bisherigen Trainer Andreas Bergmann über dessen Ablösung – nach nur 16 Spielen auf dem Cheftrainerstuhl. 96 war "der Meinung, dass Andreas Bergmann in den letzten Spielen nicht mehr so aufgetreten ist, wie wir uns das alle gewünscht haben", lautete die Erklärung des Klubs. "Die Entscheidung für die Beurlaubung von Andreas Bergmann ist bereits am Sonntag gefallen", sagte Kind gestern Abend und deutete weitere Transfers an.

"Wir haben Gesprächsbereitschaft signalisiert für neue Spieler. Es war aber kein besonderer Wunsch von Mirko Slomka." Kind und Schmadtke wechseln damit schon zum zweiten Mal in dieser überaus turbulenten Saison den Trainer aus. Slomka war bereits Kandidat, als Dieter Hecking nach nur zwei Spieltagen im August die Brocken hingeworfen hatte. Bergmann, zuvor Coach der Regionalliga-Reserve der "Roten", übernahm jedoch als Interimstrainer, war leidlich erfolgreich und durfte bleiben. Niemand stellt infrage, dass er die Mannschaft, nachdem Torwart Robert Enke sich im November das Leben genommen hatte, gut durch die schwere Trauerzeit geführt hat. Allerdings hat 96 nach dem Verlust des Torwarts auch sechs Spiele nicht mehr gewonnen. So sah sich Kind trotz klammer Klubkassen zur Reaktion gezwungen – und zu einem Sprung über den eigenen Schatten.

Slomka war seit dem Rauswurf bei Schalke 04 fast zwei Jahre ohne Trainerjob – aber bei unzähligen 96-Spielen zu Gast in der Loge des AWD-Gründers und früheren 96-Gesellschafters Carsten Maschmeyer. Slomkas Zugehörigkeit zu dessen Freundeskreis dürfte dafür gesorgt haben, dass Kind Slomka lange geflissentlich ignoriert hat. Zum Umdenken hat wohl beigetragen, dass Slomka nicht nur, aber besonders in Hannover erstklassige Sympathiewerte hat und man ihm auch zutraut, den empfindlichen Besucherschwund zu stoppen. Diese Qualität konnten die Konkurrenten – zuletzt waren Hans Meyer und Marcel Koller im Rennen – nicht bieten.