4000 Kilometer Leidenschaft

"DEINE LEIDENSCHAFT. UNSERE STÄRKE!" Unter diesem Motto rollte für uns in der Saison 2012/13 die Kugel in der Liga und in Europa. Auch Ferenc Hilkers war mit unseren Roten auf der Reise und hat uns von seiner unglaublichen Reise nach Madrid erzählt.

96 – Eine Familien-Leidenschaft
Ferenc Hilker ist die Liebe zu den Roten in die Wiege gelegt worden: Vater und Mutter sind beide große Hannover-Fans und haben ihrem Sohn die 96-Leidenschaft vorgelebt. Ferencs eigene Liebe zu den Roten erwachte am 30. März 2002: An diesem Tag gewann Hannover 96 mit einem 6:0-Sieg gegen Schweinfurt, die Roten machten den vorzeitigen Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse perfekt.

Ein kleines Fan-Museum
Ferenc Hilkers Leidenschaft geht so weit, dass er – um seine Passion vollständig ausleben zu können – eine Gehaltserhöhung beantragt hatte: "Ich sammle alles von Hannover 96. Schals, Shirts, Trikots, Pins und vieles mehr habe ich bereits. Ich bin einfach stolz, Fan eines so tollen Vereins zu sein, der keinesfalls länger eine graue Maus ist. Ich stehe in guten und in schlechten Zeiten zu meinem Team. Umso mehr freue ich mich auf die anstehende Saison und vor allem auf die Europa League-Auswärtsspiele, die mein Konto natürlich ordentlich belasten." Ferencs Chef hatte leider kein Verständnis für die Gestaltung seiner Freizeit, die Gehaltserhöhung blieb aus.

Ferenc zeigt Flagge!
Hilkers Leidenschaft trägt auch kreative Früchte – frei nach dem Motto: "Meine Stadt (linker Kreis mit dem Wappen der Stadt Hannover), Meine Verein (Hannover 96), Meine Leidenschaft! (Europa League)" entwarf er eine eigene Fahne. Selbstverständlich in den Farben Schwarz-Weiß-Grün. Doch wie weit seine Leidenschaft wirklich geht, zeigte Ferenc beim Europa League-Auswärtsspiel gegen Atlético Madrid. Dass er die Strecke nach Madrid mal eben mit dem Auto fuhr, ist vielleicht noch nicht besonders spektakulär. Was Ferenc dann allerdings unterwegs erlebte, ist ein beeindruckendes Beispiel von Fan-Leidenschaft!

Diese 96-Fahne entwarf Ferenc selbst: Seine Stadt, sein Verein, seine Leidenschaft!

(K)Ein guter Reisestart
"Zum Auswärtsspiel gegen Atlético Madrid organisierte ich mir die Anreise. Dann musste ich mir nur noch ein Ticket für das Spiel besorgen und schon konnte es losgehen! Um elf Uhr fuhr ich am Mittwoch in Hannover los, mein Ziel war der Flughafen Schiphol in Holland. Dort erkannte mein Navi leider eine neu gebaute Autobahn nicht. Dieses führte dann dazu, dass ich mich verfuhr und schon an dieser Stelle eine halbe Stunde einbüßte.

Wartezeit in Schiphol

Nach meinen Informationen war das Parken am Flughafen in Schiphol relativ teuer, also entschied ich mich für ein Parkhaus in der Nähe. Mit einer gewissen Portion Verspätung kam ich dann an der Adresse des Parkhauses an, mit einem Problem: Es gab dort gar kein Parkhaus! Schnell musste eine Alternative her – zum Glück fand ich doch noch einen Parkplatz in der Nähe. Nette Bedienung, relativ preiswert und sicher das Auto abstellen und ein Bustransfer zum Flughafen – perfekt! Es war schon kurz vor 17 Uhr, die Abflugzeit rückte näher. Die Formalitäten waren geklärt und fünf Minuten später war ich dann auch schon am Flughafen. Was sah ich dort als erstes? Mein Flug hatte 50 Minuten Verspätung, erst um 18.40 Uhr sollte es losgehen. Also genoss ich halt die Sonne, holte in Ruhe mein Ticket, schaute mir den Flughafen an und trank gemütlich ein Bier.

"Fliegen Sie doch am Freitag"
Leider etwas zu gemütlich. Ich hatte die Bildschirme im Blick, auf denen immer nur 18.40 „delayed“ stand und wartete darauf, dass die Anzeige auf "boarding time" umsprang. Das passierte allerdings nicht. Doof wie ich war, hatte ich die Uhrzeit auch nicht richtig beachtet und kam folgerichtig viel zu spät am Gate an. Was war das Ende vom Lied? Angeblich war ich mehrmals aufgerufen worden und, obwohl der Flieger noch extra noch auf mich gewartet hatte, erwischte ich ihn nicht. Dabei stand er noch da, das Gate war noch angeschlossen und mit dem Terminal verbunden – aber keine Chance! Allerdings war mir in diesem Moment noch nicht bewusst, was mir noch bevorstehen würde. Im Nachhinein hätte ich dem Personal am liebsten 200 Euro auf den Tisch gelegt und gesagt "Lasst mich da rein". Ich wurde dann von A nach B geschickt, niemand konnte mir so wirklich helfen. Am ersten Schalter waren die Damen nicht zuständig, am zweiten konnte ich nur für die Warteliste einen Flug buchen usw. Der Eine sagte ich soll warten und hoffen, der Andere meinte „Probieren Sie einen anderen Flughafen“ und der nächste schlug sogar vor, am Freitag nach dem Spiel zu fliegen. Mittlerweile war es kurz vor 22 Uhr. Ich rief den Typen vom Parkhaus an und schilderte ihm den Vorfall mit der Bitte, mich abzuholen.

Eine Pause muss drin sein – aber das Ziel ist immer im Blick!

Danke für die Blitzer-Warnung
In Gedanken hatte ich mich schon entschieden, mit dem Auto nach Spanien zu fahren. Da mein Navi leider nur bis zur französisch-spanischen Grenze ging, suchte ich einen Ort heraus, der möglichst nah an der Grenze zu Spanien liegt. Perpignan hieß er und war ungefähr 1300 Kilometer entfernt. Also fuhr ich los. Auf der Hinfahrt wurde ich in Frankreich zweimal geblitzt. Zum Glück beide Male nur geringfügig zu schnell, was erstaunlich ist, da ich wirklich Gas gegeben habe, um das Spiel nicht zu verpassen. 23 Stunden hatte ich von Amsterdam aus Zeit. Da Schnellfahren viel Sprit frisst, musste ich insgesamt sieben Mal auf dem Hinweg tanken. Und das immer an Autobahnen, wo der Sprit bekanntlich am teuersten ist. Immerhin ist man in Frankreich und Spanien so nett, vor Blitzern zu warnen. Erst kommt ein großes Schild mit "Achtung Kontrolle" und ein paar hundert Meter dahinter folgt dann der Blitzer. Blöd nur, dass ich beide Male nachts geblitzt wurde, ich die Schilder also nicht gesehen habe. Irgendwann erreichte ich dann die französisch-spanische Grenze und musste von da an mit dem Google-Navigator fahren. Über Barcelona und Saragossa ging es nach Madrid.

Aufgabe: Finde einen Parkplatz
Um 17 Uhr kam ich endlich in Spanien an und fand auch relativ schnell mein Hostel und einen Parkplatz in der Nähe. Beim Abfahren von der Hauptstraße stand, dass das Parken in den Nebenstraßen ab gewissen Uhrzeiten verboten ist – natürlich auf Spanisch. Dieses habe ich aber leider übersehen und in den Nebenstraßen selbst waren solche Schilder natürlich nicht. Zufrieden fand ich dann recht schnell einen "Parkplatz". Kurz duschen und dann um 18 Uhr auf den Platz Santa Ana, wo sich alle 96-Fans versammelt hatten. Von dort aus marschierte ich mit 3000 Hannoveraner Fans in Richtung Estadio Vincente Calderon. Im Stadion angekommen gab es dann erst Mal ein Bier und ein belegtes Baguette. Spiel gesehen, Diego ausgeschimpft und die eigene Mannschaft trotz 1:2-Niederlage gefeiert. Im Anschluss ging es dann mit den anderen Roten wieder in Richtung Innenstadt zurück und im Anschluss noch in eine Kneipe. Von der ganzen Tour total fertig kam ich im Hostel an und schlief sofort ein. Die Anreise hatte ja schließlich für schlaflose 19 Stunden gesorgt. NEUNZEHN Stunden.

Hier der Beweis: Ferenc hat es trotz aller Schwierigkeiten ins Stadion geschafft.

Deutsche Gelassenheit?!
Am Freitag stand dann Hardcore-Sightseeing an, da ich ja durch den verpassten Flieger und die Autofahrt einen Tag weniger Zeit in Madrid hatte. Eine schöne Stadt mit vielen schönen historischen Gebäuden, leider auch sehr verschmutzt, was am "Huelga" (spanisch für Streik) lag. Und jede noch so kleine Gasse hatte 96-Aufkleber. Ein Foto vor dem Wappen von Atletico Madrid durfte natürlich nicht fehlen. Die Geschichte des Bärs, der von einem Erdbeerbaum nascht, fand ich allerdings doch etwas lustig. Nach neun Stunden Rumlaufen taten mir irgendwann die Füße so weh, dass ich zurück zum Hostel ging. Kurz mal am Auto vorbeigeschaut, sah ich dann das Übel: Ich hatte ein Knöllchen bekommen! Und in Spanien ist es nicht gerade billig, im Halteverbot zu parken, 90 Euro sollte mich der Spaß kosten. Da ich noch kurz in den Fanshop von Atlético wollte, um einen Spielschal zu ergattern, stieg ich ein und fuhr zum Fanshop. Gerade dort angekommen, gingen die Panzerrollos vom Shop runter. Ich also wieder zurück zum Hostel, der Parkplatz war aber schon weg. Ich dachte mir "Komisch, wenn hier doch Halteverbot ist". Nach langer Suche hatte ich wieder einen Parkplatz gefunden, dieser war dann allerdings explizit als Halteverbot ausgeschildert. Ich dachte mir: "Okay, deutsches Kennzeichen und das Knöllchen hängst du wieder dran, damit die Politesse es sieht, dass dort schon ein Bußgeld dran hängt."

Dokumentation eines außergewöhnlichen Trips: Ferenc vor einem Atlético-Fanshop (links) und dem Madrid-Wahrzeichen (rechts).

Mit Souvenirs zurück nach Hannover
Mein Plan danach sah so aus: Ausschlafen, in Ruhe zum Fanshop fahren und von dort dann am Samstag die Heimreise antreten. Nach mehrmaligen Verfahren (ich frag mich immer noch, wie ich das gemacht habe, dass ich einen Tag zuvor noch richtig gefahren bin). Endlich am Shop angekommen, bekam ich dann zu hören, dass es keinen Spielschal gäbe. Irgendein Souvenir brauchte ich aber, also nahm ich ein Schlüsselanhänger und einen kleinen Ball von Atlético mit. Dann ging es los auf die 2100 Kilometer lange Strecke zurück nach Hannover. Da mich zurück kein Zeitdruck plagte, fuhr ich gemütlich und immer im Windschatten anderer Autos, was wirklich viel Sprit sparte. Ich habe es, um es vorweg zu nehmen, dreieinhalb Tankfüllungen gebraucht und die Strecke in 26 Stunden zurückgelegt. Meine Strecke ging über Bilbao, San Sebastian, Bordeaux, Paris, an Brüssel und an Lüttich vorbei und durch Köln dann wieder nach Hannover. Als ich dann um 14 Uhr in Hannover angekommen war, ließ ich mich einfach aufs Sofa fallen und schaltete im Fernsehen Fußball an. Die erste Halbzeit gegen Gladbach habe ich noch gesehen, während der Halbzeitpause schlief ich dann ein. Das Endergebnis erfuhr ich dann später aus dem Internet.

Jederzeit wieder!
Wenn ich so hochrechne, habe ich rund 1200 Euro für die gesamte Reise ausgegeben, aber ich bereue sie kein Stück. Zum Glück musste ich diese Tour nicht alleine überstehen, sondern hatte meinen Kumpel Merlin Gömann mit dabei. Es war stressig, wir hatte viele Probleme, wir haben verloren – aber ich konnte mein Team doch nicht allein in Madrid lassen! Es ging alles schief, was nur schiefgehen konnte: von Flieger verpasst über geblitzt werden, Strafzettel für falsches Parken oder teure Spritpreise, Mautgebühren und Handykosten, Verständigungsproblem und und und... Aber es hat Spaß gemacht und ich kann immer sagen, dass ich dabei war. Ich war bei jedem Europa League-Spiel dabei, außer in Poltawa. Also Sevilla, Kopenhagen, Lüttich, Brügge, Lüttich und Madrid. Die Heimspiele habe ich natürlich auch gesehen! Diese Erlebnisse möchte ich nächste Saison auch wieder haben!"
nh