Spielberichte 2016/17

3:3 – Gibt’s-doch-nicht-Spiel in Bielefeld

Eine im deutschen Raum mit dem Aufkommen des Internets Anfang der 1990er Jahre verbreitete Verschwörungstheorie negiert die Existenz der Stadt Bielefeld – frei nach dem Motto: "Bielefeld – das gibt’s doch gar nicht". Dieses Satzes wollen - nein: müssen - wir uns bei der Nachbetrachtung dieses kuriosen Auswärtsspiels bei der dort ansässigen Arminia mehr als einmal bedienen. Am Ende steht ein 3:3-Unentschieden. Dabei erzielt der Bielefelder Sebastian Schuppan zwei Eigentore (46. + 1, 90. + 1), zudem trifft Kenan Karaman (69.). Die Tore der Hausherren besorgen Fabian Klos (26., 31.) und Brian Behrendt (79.).

Auch unsere Fans beteiligten sich mit unseren Vereinsfarben an der großen Choreo!

Gibt's das?!
Gibt's das?! Arminia beginnt stark vor 25.138 Zuschauern in der Schüco Arena und nach einer tollen Choreografie zum 90. Geburtstag des altehrwürdigen Stadions auf der Bielefelder Alm: Schon in der dritten Minute eine gute Möglichkeit für die Hausherren. Nach Querpass von Andreas Voglsammer von der linken Grundlinie blockt Waldemar Anton den Ball neben den Pfosten. Iver Fossum, der erstmals anstelle von Oliver Sorg als Rechtsverteidiger spielt, hat noch Findungsschwierigkeiten – später ist er deutlich verbessert. An seiner Stelle auf der Sechs feiert Marvin Bakalorz seine Startelf-Premiere.

Bielefeld-Tore in der Gibt's-doch-nicht-Phase
Bielefeld bleibt nach dieser ersten Chance präsenter. Nach 25 Minuten folgt eine ganze Gibt's-doch-nicht-Phase: Abwehr-Neuzugang Stefan Strandberg holt bei seinem ersten Einsatz im 96-Dress Christoph Hemlein im 96-Sechzehner von den Beinen. Fabian Klos verwandelt den fälligen Strafstoß (26.) – 1:0. Der Torschütze bleibt in der Folge mit zwei guten Einschusschancen (27., 30.) weiter im Fokus. Die dritte Gelegenheit kurz nacheinander nutzt Klos mit einem Kopf nach Flanke von Sebastian Schuppan von links zum 2:0 (31.). Kurz vor der Pause beweisen die Roten, dass es sie doch gibt in diesem Spiel: Eine von Miiko Albornoz getretene Ecke von links erreicht Strandberg, der erwischt den Ball irgendwie mit dem Standbein und trifft Schuppan, von dessen Schulter der Ball in Richtung Tor prallt. Stephan Salgers Klärungsversuch auf der Linie kommt zu spät – Schiri Martin Petersen gibt den Treffer – 2:1 (45. +1).

Gibt's nicht?! – Gibt's doch!
Weitere Momente aus der Abteilung Gibt's-doch-nicht hält Durchgang zwei parat. Und das nächste Tor gibt’s gut 20 Minuten nach dem Seitenwechsel, in denen 96 den Druck merklich erhöht. Eine weitere Albornoz-Ecke trifft den Kopf des kurz zuvor eingewechselten Kenan Karaman und der lenkt den Ball ins lange Eck – 2:2 (69.). Ausgleich – das gibt's! Das Spiel ist nun völlig offen. Erst hat 96 durch Anton – wieder nach einem Eckstoß durch Albornoz – die Gelegenheit zur Führung (71.), dann Bielefelds Hemlein, gegen den 96-Schlussmann Philipp Tschauner im Eins-gegen-Eins bärenstark pariert (74.).

Das erneute Führungstor der Arminia ist dann eines, das es so wirklich nicht oft gibt. Brian Behrendt trifft mit einem Freistoß-Hammer aus gut 30 Metern. Tschauner ist mit der rechten Hand am Ball, kann die Richtung des Leders aber nicht entscheidend verändern – 3:2 (79.). Aber damit ist die Geschichte dieser verrückten Partie noch nicht auserzählt. Einen Treffer gibt es noch: In der Nachspielzeit wird der mit nach vorn geeilte Fossum im Strafraum eingesetzt. Fast von der Grundlinie knallt er das Leder Richtung Tor, wo wieder Pechvogel Schuppan – von Niclas Füllkrug bedrängt – derjenige ist, der es ins Netz bugsiert. Da ist das 3:3 (90. + 1)! Gibt's nicht?! – Gibt's doch! Wahnsinn!

Was gibt's noch?
Tja, was gibt's nun noch zu sagen? Bielefeld, das schon am letzten Wochenende auf St. Pauli durch ein Last-Minute-Tor das Nachsehen hatte, wird das alles wahrlich wie eine waschechte Verschwörung vorkommen. 96 beweist – angefeuert von rund 4.500 mitgereisten Fans – Moral, bleibt bis zuletzt wach und trifft in der ersten sowie in der zweiten Halbzeit jeweils in der Nachspielzeit – in Minuten also, die es nach der alten Sepp-Herberger-Regel gar nicht gibt. Am Schluss nehmen die Roten einen Punkt mit aus Bielefeld und ein kurioses Fußballspiel endet mit sechs Toren unentschieden. Das gibt's – das ist Fußball. Am Mittwoch um 17.30 Uhr geht’s schon weiter mit dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC.
hec

STATISTIK:

DSC Arminia Bielefeld: Hesl - Schütz - Cacutalua, Salger, Schuppan - Hemlein, Prietl, Behrendt, Nöthe (40. Mak, 82. Hornig) - Vogelsammer (61. Ulm), Klos

Hannover 96: Tschauner - Fossum, Anton, Strandberg, Albornoz - Schmiedebach, Bakalorz (85. Prib) - Klaus, Maier (61. Karaman), Füllkrug - Sobiech

Tore: 1:0 Klos (26.), 2:0 Klos (31.), 2:1 Schuppan (45./ET), 2:2 Karaman (69.), 3:2 Behrendt (79.), 3:3 Schuppan (90.+1)

Gelbe Karten: Klos, Hemlein, Mak, Schütz, Hornig / Strandberg

Schiedsrichter: Martin Petersen

Zuschauer: 25.138