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Sandhausen - was oder wer steckt dahinter?

Am letzten Spieltag der Hinrunde ist am kommenden Sonntag, 18. Dezember, der SV Sandhausen zu Gast. Der derzeitige Tabellenneunte trifft - wie manch anderer Klub in dieser Saison - zum ersten Mal überhaupt auf Hannover 96! Doch was und vor allem wer verbirgt sich hinter dem Verein? Der Gegnercheck!

Der Verein
Steil bergauf geht es nicht nur in den Sandhausener Dünen: Die entstanden vor rund 11.000 Jahren gegen Ende der letzten Eiszeit als Sandablagerungen des Rheins. Ganz so lange her ist die Gründung des SV Sandhausen nicht. 1916 als reiner Fußballverein ins Leben gerufen, feiert der Klub in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. 767 Vereinsmitgliedern zählt das Vereinsregister des SV Sandhausen momentan, klein macht sich der Klub aber deswegen noch lange nicht. Muss er auch nicht. Denn seit der Saison 2012/13 kicken die Schwarz-Weißen in der zweiten Bundesliga. Das Tempo auf dem Weg dorthin war rasant.

2007 gelang den Baden-Württembergern der Aufstieg in die Regionalliga. Dort lieferten die Süddeutschen eine blendende Saison ab, stiegen bereits 2008 in die dritte Liga auf. Es dauerte nur vier Saisons, bis die Sandhäuser den Sprung in die zweithöchste deutsche Spielklasse schafften. Dort hat sich das Team inzwischen etabliert. Auf Platz 17 beendeten die Süddeutschen ihr Debüt in Liga zwei. Der SVS war gerettet, da dem MSV Duisburg die Lizenz entzogen wurde und die Zebras stattdessen den Gang in die dritte Liga antraten. Da sich auch Dynamo Dresden als Drittletzter in der Relegation durchgesetzt hatte, war der Weg frei für eine weitere Spielzeit. Am Ende der folgenden Meisterschaftsrunden verbuchten die Schwarz-Weißen zwei zwölfte und einen dreizehnten Platz. 

Der Macher
Der Erfolg hat einen Namen: Präsident Jürgen Machmeier. Seit 1999 lenkt er die Geschicke des kleinen, aber feinen Klubs. Der Inhaber eines Bauunternehmens ist zudem einer der größten Geldgeber, für den folgende Maxime gilt: Die Klasse halten und die Mannschaft zusammenhalten. "Der SVS ist mein Lebenswerk", gab der 55-Jährige in einem Interview zu Protokoll. Und dieses will er auch in den kommenden sechs Jahren noch weiter vorantreiben. Gemeinsam mit Geschäftsführer Otmar Schork will er den SV Sandhausen weiter konkurrenzfähig machen. Ein großer Coup war zuletzt der Bau eines Business-Turms für VIP-Gäste. Tickets für mögliche weitere Unterstützer scheinen offenbar begehrter zu sein, als das Angebot es momentan hergibt.

Die Mannschaft
Nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch könnte ganz Sandhausen in der Heimspielstätte des ortsansässigen Fußballklubs die Spiele live verfolgen. Im Hardtwaldstadion finden 15.414 Zuschauer auf den für 8,5 Millionen neu erschaffenen Tribünen einen Platz – die Gemeinde Sandhausen beherbergt rund 14.400 Einwohner. Tatsächlich liegt der Zuschauerschnitt aber bei etwa 6000 Fans. Dabei spielt das Team von Trainer Kenan Kocak ordentlichen Fußball – so spiegelt es zumindest die Tabelle derzeit wieder. Mit Platz neun und 23 Punkten hat sich der ehemalige Klub von Heiko Butscher, Hans-Dieter Flick und Nicolai Müller im Mittelfeld festgesetzt. Was nicht heißt, dass da nicht noch mehr geht.

Andrew Wooten ist mit 8 Treffern der Toptorjäger des SV Sandhausen.

Der Torjäger
Mit Andrew Wooten, der aktuell mit acht Toren gemeinsam mit Martin Harnik auf Platz vier der Zweitliga-Torschützenliste steht, hat die Koczan-Elf einen durchaus effektiven Mittelstürmer in ihren Reihen. In 110 Partien für Sandhausen erzielte der US-Amerikaner 30 Tore, legte elf Mal für seine Mitspieler auf. Zuletzt traf der 27-Jährige beim Pokalerfolg gegen den SC Freiburg. Sandhausen entschied die zweite Runde im Elfmeterschießen für sich und trifft nun im DFB-Achtelfinale auf den FC Schalke 04. Bereits 2013/14 sicherte sich der SVS einen Platz unter den letzten 16, schied aber mit 2:4 gegen Eintracht Frankfurt aus.

Florian Hübner wechselte im Sommer vom SV Sandhausen nach Hannover.

Und sonst noch?
Mit Florian Hübner und Gerhard Kleppinger gibt es zwei Personen, die beide Vereine verbindet. Ersterer wechselte zur Saison 2016/17 von Sandhausen nach Hannover. Der Innenverteidiger absolvierte bislang ein Pflichtspiel für die Roten. Ein paar mehr Spiele hingegen hat Abwehrrecke Gerhard Kleppinger auf dem Buckel, nämlich 82. Der heutige Co-Trainer der Sandhäuser schnürte in den Spielzeiten 1980/81 bis 1981/82 seine Fußballschuhe für 96, traf insgesamt 16 Mal ins gegnerische Tor. Wenn sich am Sonntag im letzten Spiel der Hinrunde beide Teams gegenüberstehen, gibt es wie schon öfters in dieser Saison eine Premierenfeier, denn: Sandhausen und Hannover 96 sind noch nie zuvor aufeinandergetroffen.

Unbekannter Gegner also, für denn es gilt, noch mal alle Kräfte zu bündeln. "Wir haben noch eine Aufgabe vor uns, bei der es gilt, keine Schwäche zu zeigen", betont 96-Mittelfeldspieler Edgar Prib. Auch Felix Klaus weiß um die Erwartungshaltung gegen den Tabellenneunten: "Wir müssen gegen Sandhausen gewinnen und dann können wir in zwei Wochen mal in Ruhe abschalten und Weihnachten feiern."
nr