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"Ich habe die Nordduelle immer geliebt"

Er ist der beste Mann, um über das Aufeinandertreffen unserer Roten mit dem SV Werder Bremen zu sprechen: Christian Schulz hat für genau diese beiden Vereine in der Bundesliga gespielt. Nun schnürt "Schulle", der am vergangenen Sonntag seinen 35. Geburtstag gefeiert hat, die Schuhe für Sturm Graz in Österreich. Wie er die Zeit bei den Roten erlebt hat, an welches Nordduell er sich am Besten erinnert und ob er noch einmal nach Hannover zurückkehrt, erfahrt Ihr hier!

Hallo "Schulle"! Zunächst einmal: Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Macht es auch mit 35 Jahren noch Spaß, Fußball zu spielen?

Schulle: Vielen Dank! Und: Ja, es macht weiterhin Spaß mit den Jungs. Natürlich merkt man, dass die Regenerationszeiten ein bisschen länger werden, da alles nicht mehr so ganz jungfräulich ist mit den Knochen. Aber ich sehe dem Ganzen entspannt entgegen.

Wie intensiv verfolgst Du denn das Geschehen rund um die Roten noch?

Schulle: Natürlich sehr extrem. Ich lese alles und versuche, die Spiele, wenn sie nicht gerade parallel zu unseren laufen, zu gucken. Ich finde, dass 96 in dieser Saison super dasteht - klar mit einem kleinen negativen Schwenker in den letzten Spielen, aber für einen Aufsteiger ist das sehr, sehr konstant. Damit hat keiner zu Anfang der Saison rechnen können, von daher ist alles gut. Es macht Spaß, der Mannschaft zuzugucken, das Team spielt guten Fußball nach vorn.

Freitagabend steht das Nordduell gegen Bremen an - der Verein, bei dem Du Deine Karriere begonnen hast. Wie bewertest Du die Vorzeichen, mit denen beide Teams ins Spiel gehen?

Schulle: Wenn man die Tendenz der letzten Spiele nimmt, dann ist diese bei Hannover 96 eher etwas absteigend und bei den Bremern genau andersherum. Sie haben unter dem neuen Trainer eine gute Richtung nach oben eingeschlagen und stehen deutlich besser da als noch vor ein paar Monaten. Aber Nordduelle waren immer interessant, ich habe sie immer geliebt. Hannover 96 gegen Werder Bremen – das waren immer gute Spiele. Ich hoffe natürlich, dass Hannover 96 das Spiel gewinnen wird – gerade zuhause, damit sie die letzten Zweifel ablegen und die Klasse halten können. Den Bremern wünsche ich natürlich auch einen guten Ausgang für die Saison.

Kannst Du Dich an ein besonderes Duell erinnern?

Schulle: Ich glaube, wir haben einmal ein Heimspiel mit 4:1 gewonnen. Das müsste in der Saison gewesen sein, in der wir uns zum ersten Mal für die Europa League qualifiziert haben (21. September 2010, Anm. der Redaktion). Ich weiß noch, dass ich da ein Tor in die lange, rechte Ecke gemacht habe – ein Schuss aus 16 Metern. Die Stimmung war immer gut, beide Städte liegen ja kilometertechnisch nicht so weit auseinander, da war die Hütte immer voll. Und gerade in solchen Nordduellen will man sich natürlich immer messen. Das hat immer Spaß gemacht gegen Bremen.

Mit wem hast Du denn noch Kontakt bei 96?

Schulle: Ich habe noch mit den Physiotherapeuten und hier und da noch mal Kontakt. Man ist ja nicht aus der Welt. Wenn ich mal in Hannover bin, dann läuft man dem einen oder anderen auch noch mal über den Weg, weil ja auch noch ein paar Spieler in meinem Stadtteil wohnen. Ich bin zwar nicht mehr so häufig dort, weil die Distanz einfach zu groß ist, aber so ein-, zweimal war ich noch mal da und da hat man den einen oder anderen noch mal gesehen.

Und bei Werder, auch wenn das schon mehr als zehn Jahre her ist?

Schulle: Genau – und das ist ja fußballtechnisch fast eine halbe Ewigkeit. Da reichen schon drei oder vier Jahre, damit die Mannschaft ein ganz neues Gesicht bekommt. Und so ist es dann auch, wenn es dann zehn bis zwölf Jahre sind. Ich habe mal mit Frank Baumann telefoniert, da gibt’s noch ein bisschen Kontakt. Tim Borowski kenne ich noch, der jetzt Co-Trainer ist. Aber das ist dann die Generation, die schon nicht mehr auf dem Platz steht, sondern eher neben dem Platz tätig ist. Von der aktuellen Mannschaft ist keiner mehr dabei, mit dem ich aktiv auf dem Platz stand.

Wie geht es Dir denn so in Graz?

Schulle: Wir genießen die Zeit hier. Es ist wirklich ein schönes Fleckchen. Die Sonne scheint ein bisschen häufiger als in Hannover – muss ich leider zugeben. Ansonsten macht es Spaß. Wir stehen mit der Mannschaft auf Tabellenplatz zwei hinter Red Bull Salzburg gut da. Die sind in Deutschland ja inzwischen ein Begriff, nachdem sie Dortmund ausgeschaltet haben. Daran sieht man, dass hier auch ein gutes Niveau ist. Sicherlich kann man das nicht mit der Bundesliga vergleichen – das steht außer Frage. Aber es macht Spaß, noch ein bisschen zu kicken.

Für Euch geht es Samstag gegen Austria Wien. Acht Spiele stehen noch an. Acht Punkte hinter Salzburg und neun Punkte vor Rapid Wien. Da könnte man ja vermuten, Ihr lasst die Saison ganz locker ausklingen…

Schulle: So einfach ist das in einer Zehner-Liga, die hier in Österreich stattfindet, leider nicht (lacht). Da kann das leider ziemlich schnell umschlagen. Wir wollen versuchen, diesen zweiten Platz so schnell wie möglich zu sichern. Nach vorn hin ist es natürlich schwer gegen Salzburg, weil sie einfach ganz andere Möglichkeiten haben und auch sehr stark spielen diese Saison. Aber den zweiten Platz wollen wir uns natürlich holen, obgleich wir einen Vorsprung vor Vereinen wie Rapid oder Austria haben. Hier wird gute Arbeit geleistet. Deswegen stehen wir zurzeit auch zurecht auf Platz zwei.

Nichtsdestotrotz hast Du gesagt, Du bist ab und zu in Hannover. Habt Ihr noch Euer Haus hier?

Schulle: Wir haben unser Haus in Hannover noch. Die Nachbarn schauen, dass alles okay ist. Meine Frau mit der Kleinen kommt häufiger mal vorbei und guckt nach dem Rechten. Für mich ist das beruflich immer ein bisschen schwierig - so vier, fünf Tage am Stück haben wir ja leider nicht frei.

Könnt Ihr Euch vorstellen, dass es Dich und Deine Familie in Zukunft noch einmal an den Maschsee verschlägt?

Schulle: Davon gehen wir ja aus. Deswegen haben wir das Haus auch nicht abgegeben. Wenn die Zeit in Graz vorbei ist, werden wir sicher nach Hannover zurückkehren. Wir haben viele Freunde dort gefunden. Das war eine superschöne Zeit. Dadurch, dass wir das Haus noch haben, ist der Plan ganz klar, dass wir nach Hannover zurückgehen.

Vielen Dank Dir für das Interview!