Profis, Fans

"Einfach knallhart aufs FCB-Tor schießen"

Freistoß für 96 gegen die Bayern am kommenden Samstag, Entfernung zum Tor 35 Meter? Einfach draufhalten, dann geht das Ding schon rein. Sagt Vinicius - ehemaliger 96er und jetziger Trainer in Brasilien. Und der muss es schließlich wissen...

Welttorwart düpiert
Die Rede ist von Vinicius Bergantin, jenem brasilianischen 96-Profi, der am 5. April 2003 das Tor seines Lebens erzielte - und zwar gegen Bayern München und Welttorwart Oliver Kahn. Vinicius ist mittlerweile 37 Jahre alt, aber an sein Freistoßtor von vor 15 Jahren erinnert er sich immer noch, als wäre es gestern gewesen. Und immer wenn er zum Verwandtenbesuch in Hannover ist bei seinem Schwager Samuel, dann wird er von Fans auf diesen Treffer angesprochen. "'Vinni', weißt Du noch?" Natürlich weiß das "Vinni" noch genau. 

Traumtor auf der Baustelle
Auf der Baustelle AWD-Arena fanden damals nur 31.878 Zuschauer Platz, aber diejenigen und vor allem Vinicius wird die 45. Minute der Partie nicht mehr vergessen. "Jiri Stajner hatte vorher nach Vorarbeit von 'Krupi' (Nebojsa Krupnikovic) mit rechts unser Führungstor erzielt. Dann bekamen wir 35 Meter vor dem Bayern-Tor einen Freistoß", erzählt Vinicius.

"Erst wollte 'Krupi' den Freistoß in den Strafraum heben, aber als die Bayern überhaupt keine Mauer stellten und Oliver Kahn in der Tormitte stand, sah ich meine Chance. Ich bin gut zehn Meter angelaufen, habe den Ball so hart ich nur konnte mit dem rechten Fuß in die kurze Ecke geknallt - und drin war er zur 2:0-Halbzeitführung." Es war ein Traumtor, das die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinriss. "Ein Freistoßtor gegen Oli Kahn ist natürlich etwas Besonderes - und dann aus 35 Metern gegen den besten Torwart der Welt. Ich habe mich unglaublich gefühlt. Leider hat es am Ende nur zu einem 2:2 gereicht", erinnert sich der damals 22-jährige Leih-Spieler vom FC Ituano.

Ein Schnäppchen aus der zweiten Liga
Vinicius Bergantin war für eine Leihgebühr von 150.000 Euro vom Zweitligisten aus Brasilien zu 96 gewechselt und nahm aufgrund italienischer Vorfahren die italienische Staatsbürgerschaft an, um das Ausländerkonto von Nicht-EU-Ausländern bei Hannover 96 nicht weiter zu belasten. Am 25. Januar 2003 gab er gegen den Hamburger SV sein Debüt und brachte sich knapp drei Monate später bei Oliver Kahn in Erinnerung. "Das mach ich bei so einer Entfernung  normalerweise immer und verzichte auf eine Mauer. Von 100 Schüssen geht nur einer rein", sagte Bayern-Torwart Kahn damals. "Aber unter diesen außergewöhnlichen Bedingungen passiert es schon mal, dass der Ball rein geht" - ob Kahn mit dem starken Wind oder dem holprigen Rasen haderte, ließ er offen.

Der damalige 96-Trainer Ralf Rangnick war über den Gewaltschuss von Vinicius weniger verwundert als Kahn: "Mir war schon klar, dass Vinicius da draufhält. Er hat im Training unserem Ersatzkeeper Daniel auch schon ein paar Dinger reingehauen", stellte Rangnick nach dem Spiel fest.

Daumendrücken für Samstag
"Vinni", wie ihn seine Mitspieler riefen, bestritt 144 Bundesligaspiele für Hannover 96 und erzielte dabei neun Tore. Aufgrund von Rücken- und Bandscheibenproblemen beendete er seine Karriere im Sommer 2010. Heute ist er als Trainer beim FC Ituano in seiner brasilianischen Heimat tätig - und wird Samstag den 96-Profis gegen die Bayern die Daumen drücken. "Ich hoffe auf eine Sensation! Wir haben gegen Bayern oft gut gespielt und auch zweimal gewonnen. Ich werde die Emotionen und den Jubel der Fans nach dem Spiel nie vergessen und hoffe, dass die Mannschaft von André Breitenreiter ebenfalls einen Sieg über den FC Bayern erleben kann. Es wäre eine tolle Belohnung für eine super Saison." Sein Tipp: "Wenn es wieder einen Freistoß 35 Meter vor dem Tor gibt, dann rate ich den 96-Spielern: Einfach knallhart aufs FCB-Tor schießen - und der Ball geht bestimmt rein! Versucht es! Nur wer es versucht, kann auch treffen..."
dk/hr