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"Jupp war ein umgänglicher Typ"

"Ich hätte nie gedacht, dass Jupp so ein phantastischer Trainer wird": Das sagt die 96-Spieler-Legende Hans Siemensmeyer über die Trainer-Legende Jupp Heynckes. Vor dem Heimspiel unserer Roten gegen den FC Bayern München am Samstag erinnert er sich an seinen früheren Teamkollegen.

Gemeinsam auf Torjagd
Drei Jahre lang, von 1967 bis 1970, trugen Siemensmeyer und Heynckes gemeinsam das 96-Trikot. "Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern. Jupp wohnte damals in Hannover in der Sallstraße, genau wie Karl-Heinz Mühlhausen und Udo Nix. Da haben wir uns alle öfter mal getroffen. Ich war mit Jupp nicht befreundet, aber wir hatten einen guten Kontakt."

Das 275.000 Mark-Schnäppchen
Siemensmeyer erinnert sich noch genau an die Saison 1967/1968. 96 hatte damals mit Heynckes und Josip Skoblar zwei Spieler mit "internationalem Niveau" eingekauft, Heynckes übrigens für 275.000 Mark, eine für heutige Verhältnisse lächerlich niedrige Ablösesumme an Borussia Mönchengladbach. 96 wurde damals als Titelanwärter gehandelt. "Der Verein wollte groß herauskommen und das Image als graue Maus ablegen", sagt Siemensmeyer.

"Trainer Horst Buhtz hat damals alles auf die Doppelspitze Heynckes und Skoblar gesetzt, doch das klappte nicht wie gewünscht, weil im Fußball immer die ganze Mannschaft funktionieren muss."

Siemensmeyers Glanzzeit
Herausragender Spieler war damals - genau: Siemensmeyer. "Es war meine Glanzzeit", sagt er. 1967 wurde der heute 77-Jährige zum Nationalspieler und machte seine drei Länderspiele. "So unbescheiden bin ich und sage: An mir war damals kein Vorbeikommen, egal, auf welcher Position." Als sich Heynckes, der Mittelstürmer, 1970 die Schulter ausgekugelt hatte und länger ausfiel, übernahm Siemensmeyer, damals Linksaußen, auf Wunsch von Trainer Hans Pilz dessen Position im Sturmzentrum - und sorgte mit seinen Toren für den Klassenerhalt.

"Jupp hat sich wohlgefühlt"
"Jupp war ein umgänglicher Typ, eher ein bisschen introvertiert", sagt Siemensmeyer. "Aber ich hatte immer den Eindruck, dass er sich in Hannover wohlgefühlt hat." 92 Spiele machte Heynckes für 96 und schoss 28 Tore, auch wenn er die großen Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte. Ein Weltklassestürmer wurde Heynckes erst, als er von Hannover nach Mönchengladbach zurückkehrte. Trotzdem ist Hannover noch heute eine besondere Station für Heynckes, denn hier ist seine Tochter Kerstin geboren - er selbst war damals 24 Jahre alt. Siemensmeyer, der für viele Experten der beste 96-Spieler aller Zeiten ist, hatte vom 19. September 1988 bis zum 21. März 1989 ein kurzes Intermezzo als Bundesligatrainer bei 96. Damals traf er mit 96 auch auf den FC Bayern, auf der Münchener Bank saß sein früherer Mitspieler Heynckes. "Das Spiel endete 0:0, aber wir hätten gewinnen müssen", sagt Siemensmeyer. "Bastian Hellberg ist damals allein aufs Tor zugelaufen, hat die Chance aber vergeben."

Riesenlob für Heynckes
Hätte er damals gedacht, dass Heynckes als Trainer so erfolgreich werden würde? Siemensmeyer muss bei der Frage nicht lange überlegen. "Nein, ich hätte das nicht für möglich gehalten, dass er so ein phantastischer Trainer wird", sagt er. "Die Erfolge und was er nicht nur bei den Bayern geleistet hat - das ist großartig." Sehr aufmerksam hat Siemensmeyer am Dienstag den überzeugenden 6:2-Sieg der Bayern im DFB-Pokalwettbewerb in Leverkusen verfolgt. "Wahnsinn, was Jupp aus der Mannschaft gemacht hat. Das ist für deutsche Verhältnisse wirklich Fußball von einem anderen Stern."

Er selbst hat Heynckes vor vielen Jahren bei einem Länderspiel in Gelsenkirchen das letzte Mal getroffen, Kontakt gab es seitdem nicht. Samstag könnte sich das ändern. Hans Siemensmeyer wird das erste Mal in dieser Saison ein 96-Spiel besuchen.
hr