Kleiner Piekser reichen nicht

In der 75. Minute, als sich die hannoverschen Fans unter den 49 000 Zuschauern in der ausverkauften AWD-Arena längst damit abgefunden hatten, dass es diesmal gegen den FCBayern München nichts zu holen gibt, gab es noch einmal eine Chance.

Vielleicht die Chance, dem Spiel beim Stand von 0:2 unverhofft eine Wende geben zu können, mindestens aber die Gelegenheit, noch einmal für eine spannende Viertelstunde zu sorgen.

Der eingewechselte 96-Stürmer Mike Hanke stand nach einer schönen Flanke von Konstantin Rausch plötzlich allein im Bayern-Strafraum. Hanke ist kein dribbelstarker Angreifer, aber er hat einen Torinstinkt, und sein Kopfballspiel ist ausgezeichnet. Der Ball war also wie gemacht für den 26-Jährigen, doch es gelang ihm nicht, ihn richtig zu platzieren. Hanke köpfte dem Münchener Reservespieler Breno, der sich hinter dem Tor warmmachte, in die Arme. Kurzes Aufstöhnen beim 96-Publikum, verbunden mit der Gewissheit: Das war's für heute Abend. Das war's nicht ganz, Mario Gomez erzielte Sekunden vor dem Abpfiff noch den 3:0-Endstand für die Münchener. Heimsiege gegen den FC Bayern, wie in der vergangenen Saison mit dem 1:0, lassen sich halt nicht beliebig wiederholen.

Dass der Bayern-Erfolg verdient war, durchaus sogar in der Höhe, daran gab es keine Zweifel. 96 spielte nicht schlecht, aber an diesem Novemberabend war nicht zu übersehen, wo derzeit die hannoversche Problemzone liegt. Die Bayern wirkten trotz des klaren Sieges besonders in der Abwehr nicht immer souverän. Aber 96 war während der gesamten Partie zu harmlos in der Offensive. "Die Durchschlagskraft bei Torsituationen hat heute den großen Unterschied ausgemacht", sagte 96-Trainer Andreas Bergmann und verband das mit einer Forderung für die letzten drei Spiele des Jahres am kommenden Sonnabend gegen Bayer Leverkusen, in Mönchengladbach und gegen den VfL Bochum: "Wir müssen effektiver im Abschluss werden."

Außer der Großchance für Hanke gab es 14 Minuten vorher eine vielversprechende für den Kapitän Arnold Bruggink, aus der ein guter Stürmer einen Treffer macht. Bergmann sprach später von "einigen guten Möglichkeiten, die wir uns erarbeitet haben". Viele dieser Möglichkeiten verpufften allerdings wie ein nass gewordener Silvesterböller bereits im Ansatz.

Wie man es besser macht, zeigte der FC Bayern, für den der 14. Spieltag mit Ausnahme des Leverkusener Siegs wie gemalt war: In der 11. Minute konnte 96-Torwart Florian Fromlowitz noch großartig gegen Thomas Müller retten; die zweite Bayern-Chance führte in der 19. Minute zum Münchener 1:0 durch Müller. Bei 96 sorgte Constant Djakpa mit drei Schüssen (14., 40., 43. Minute) dafür, dass Torwart Jörg Butt beschäftigt wurde. Aber nie gelang es der Mannschaft, den Bayern mehr als ein paar kleine Pikser zu versetzen. Das Schlimmste, was in einer solchen Situation passieren kann, ist ein Gegentreffer direkt nach der Pause – dann, wenn man hofft, noch einmal ins Spiel zu kommen. Ivica Olic gelang in der 47. Minute das 2:0, wie beim ersten Tor war es eine Flanke von der Außenposition, mit der die 96-Abwehr geknackt wurde.

Der Rest ist bereits erzählt: Brugginks Chance, Hankes Gelegenheit – und praktisch zum Ärgern mit auf den Nachhauseweg noch das 0:3 in der Schlussminute durch Gomez. Zumindest für Uli Hoeneß, seit Freitagabend neuer Bayern-Klubchef, war es ein schöner Tag. "Ich hatte die Mannschaft gebeten zu gewinnen", erzählte er. Hoeneß wollte in seinem ersten Spiel als Präsident einen Sieg. Und bekam seinen Wunsch prompt erfüllt.