96plus

#GeMAInsamstark: Christiane Kemper von der Caritas im Interview

Im Rahmen des 96plus-Spendenmonats #geMAInsamstark haben wir gemeinsam mit Hauptpartner Clarios unterschiedliche Organisationen und Einrichtungen in Hannover mit Spenden unterstützt. Nun möchten wir nach und nach einige davon in einem Kurzinterview vorstellen und Mitarbeiter dazu befragen, wie sie die aktuelle Lage wahrnehmen, mit welchen Problemen Bedürftige konfrontiert werden und wie jeder Einzelne helfen kann.

Im ersten Teil widmen wir uns der Caritas. Dort haben wir mit Frau Christiane Kemper gesprochen. Frau Kemper arbeitet als Referatsleitung bei der Caritas im Bereich Kommunikation und Fundraising.

Liebe Frau Kemper, danke, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Erzählen Sie uns doch bitte einmal, was die Caritas genau macht und welche Rolle Sie innehaben.

Christiane Kemper:
Der Caritasverband Hannover engagiert sich seit vielen Jahren für die Menschen in der Stadt und der Region Hannover. Als Verband der Freien Wohlfahrtspflege macht er sich stark für eine gerechte und solidarische Gesellschaft. Not sehen und handeln - dieser Anspruch bedeutet für uns, den Menschen dort zu helfen, wo sie es am meisten brauchen. Aktuell liegt unser Augenmerk besonders auf denjenigen, die kein eigenes Zuhause haben, die auf der Straße leben oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Als Verantwortliche für das Referat Kommunikation und Fundraising ist es meine Aufgabe, den Finger in die Wunde unserer Gesellschaft zu legen, aufzuzeigen, wo es brennt, wo die Not am größten ist, und zu schauen, welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt.

Mit welchen Herausforderungen haben die Bedürftigen, die die Einrichtung besuchen, aktuell zusätzlich zu ihrem sonst schon harten Leben, zu kämpfen?

Kemper:
Die aktuelle Corona-Situation ist für diese Menschen ganz besonders schwierig. Viele Beratungsstellen, Tafeln und Versorgungseinrichtungen der Wohnungslosenhilfe wurden geschlossen. Für die betroffenen Menschen bedeutet dies große Not, Unsicherheit und Angst. Unter dem Namen CariHope sorgt die Caritas aktuell für diese Menschen und hält im Zentrum von Hannover mehrere Einrichtungen, wie z.B. den Tagestreff am Leibnizufer, das Kontaktcafé in der Johannsenstraße, die Straßenambulanz und in Kooperation mit der Diakonie auch die Unterbringung von Wohnungslosen in der Jugendherberge aufrecht. Hier werden die Hilfesuchenden von vielen haupt- und ehrenamtlich tätigen Mitarbeitenden medizinisch versorgt, sie können essen und trinken, sich duschen, erhalten frische Kleidung und Unterwäsche, Schlafsäcke, Isomatten, Beratung und Zuwendung. Auch Masken und Lebensmittel to go werden ausgegeben. Insgesamt versorgt die Caritas in ihren Einrichtungen täglich bis zu 200 wohnungslose Frauen und Männer. Wie gesagt: Viele Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und besonders der Versorgung mit Lebensmitteln wie die Tafeln sind aktuell geschlossen. Es mangelt daher an Essen, an Aufenthaltsmöglichkeiten, an Möglichkeiten, sich und die eigene Wäsche zu waschen. Menschen, die auf der Straße leben, können ihre Masken nicht ständig wechseln und zum Beispiel auskochen. Sie können in Gemeinschaftseinrichtungen auch nicht genügend Abstand halten, deshalb schlafen viele lieber im Freien.

Die Situation ist ja sicherlich auch für Sie und Ihre Kollegen nicht leicht.

Kemper:
Das Stimmt. Die aktuelle Situation ist auch für uns und unsere Mitarbeitenden eine große Herausforderung. Nicht nur, weil es auch gilt, unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu schützen, sondern weil die Situation der Menschen so belastend ist. Schwierig wird es besonders, wenn das Wetter nicht mitspielt, denn dann ist es eine große Herausforderung, Mindestabstände und die erforderlichen Schutzmaßnahmen einzuhalten. Und wir müssen schauen, wie wir die notwendigen Hilfen, die Einsätze der Ehrenamtlichen koordiniert und natürlich auch finanziert bekommen.

Christiane Kemper an ihrem Arbeitsplatz bei der Caritas

Das klingt nach einer sehr großen Herausforderung. Wie gehen die Caritas und die vielen helfenden Hände damit um?

Kemper:
Unsere Mitarbeitenden sind sehr engagiert. Auch die Kolleginnen und Kollegen aus anderen Diensten, die zur Zeit nicht wie gewohnt ihren Dienst tun können, wie zum Bespiell Erzieherinnen, helfen tatkräftig bei der Versorgung der Menschen mit. Viele haben sich auch selbst zu Hause an die Nähmaschinen gesetzt und Schutzmasken genäht. Um mehr Platz zu schaffen, wurden an der Jugendherberge auch einzelne Zelte zugelassen. Am Leibnizufer haben wir im Garten Tische und Bänke aufgestellt und bei sehr schlechtem Wetter kommen große Zelte der Malteser dazu.

Das 96plus-Team hat die Caritas im Rahmen des Spendenmonats besucht. Wie ist die Spende angekommen und wie konnten wir Sie unterstützen?

Kemper:
Die Freude war riesig, als die Mitarbeitenden von Hannover 96 mit dem Bulli vorfuhren und Pakete mit Hygieneartikeln und Artikeln des täglichen Bedarfs vorbeibrachten. Darunter Deo, Rasierer, Rasierschaum, Duschgel, Shampoo, aber auch Masken Isomatten und Schlafsäcke
Fast alle Spenden wurden sofort an die Hilfesuchenden ausgegeben. Isomatten und Schlafsäcke bei Bedarf. Besonders gefreut haben sich die Bewohner und Bewohnerinnen der Jugendherberge über die Badelatschen und die Fan-T-Shirts und Caps. Denn die Sachen werden nicht nur gebraucht und machen Freude, sondern geben den Menschen auch ein Stück Würde und Normalität zurück.

Wenn man Ihnen helfen möchte, wie kann man das tun?

Kemper:
Spenden! Das klingt jetzt vielleicht sehr direkt, aber viele Dinge können wir nur mit Geld anschaffen, wie zum Beispiel notwendige Medikamente, Schuhe oder Unterwäsche. Aber natürlich helfen uns auch Sachspenden wie die von 96plus sehr, um den Betroffenen direkt unter die Arme zu greifen und mit dem Nötigsten zu versorgen. Dazu gehören Hygieneartikel, Handtücher, Zahnbürsten, aber auch Isolierbecher "To go", die wir Betroffenen für die Nacht mitgeben können. Und wer sich vorstellen kann, uns bei der Betreuung der Betroffenen und der Ausgabe von Lebensmitteln ehrenamtlich zu unterstützen, ist natürlich herzlich willkommen!

Vielen lieben Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben. Wir hoffen, wir konnten damit einigen Menschen die großartige Arbeit der Caritas näherbringen und zum Helfen anregen. Bleiben Sie gesund!