Blicke in andere Sportwelten
Verantwortlichkeiten werden dort oft anders vergeben als im europäischen Profifußball. Wie wird ein neuer Spieler eingebunden? Wer übernimmt Verantwortung innerhalb eines Teams? Wie selbstverständlich Verantwortung innerhalb einer Mannschaft übernommen wird, hat dem neuen 96-Geschäftsführer imponiert. "Dort ist es ganz klar: Das ist Aufgabe des Kapitäns, den Spieler zu integrieren. Das finde ich schon sehr interessant."
Auch bei einem Besuch an der traditionsreichen Rennstrecke von Silverstone erhielt er Einblicke in die Arbeitsabläufe des Formel-1-Teams Haas. Damals fuhr der deutsche Rennfahrer Nico Hülkenberg noch für das US-amerikanische Team. "Wie da die Rädchen ineinandergreifen, wie ein Boxenstopp in Windeseile vollbracht wird und wie die Kommunikation mit dem Fahrer funktioniert, der sich mit 300 km/h unter Druck auf der Rennstrecke befindet – da kannst du sehr viel von lernen", berichtet Boldt. Kopieren könne man nicht alles. Neue Denkanstöße und Erfahrungen habe der gebürtige Nürnberger dennoch reichlich gesammelt.
Mut statt Fehlervermeidung
Erfahrungen, aus denen Boldt wichtige Erkenntnisse für sein eigenes Führungsverständnis gewonnen hat. Es geht ihm darum, Verantwortung zu übertragen und Menschen in ihren Aufgaben wachsen zu lassen. "Die Frage ist: Wie kann man Menschen Schritt für Schritt in ihren jeweiligen Bereichen Verantwortung übertragen? Und ebenso wichtig: Wie unterstützt man sie anschließend dabei?", sagt der neue Geschäftsführer Sport. Ein Ansatz, den er künftig gemeinsam mit Cheftrainer Christian Titz, Sportdirektor Ralf Becker und den Mitarbeitenden rund um die Profiabteilung leben möchte.
Dabei geht es ihm auch um eine andere Fehlerkultur. Einen Satz habe er bei einer früheren Station sogar verboten: "Damit kannst du nichts falsch machen." Sein Anspruch sei ein anderer. Wer Verantwortung übernimmt, soll den Mut haben - auch auf die Gefahr hin, Fehler zu machen -, Dinge richtig machen zu wollen. "Fehler machen wir alle - jeder von uns, jeden Tag, und davon genug." Entscheidend sei deshalb nicht, krampfhaft zu versuchen, diese zu vermeiden, sondern wie mit ihnen umgegangen werde. "Oft heißt es: ,Sei mutig, du darfst auch Fehler machen.‘ Doch sobald der erste Fehler passiert, wird hart kritisiert. So funktioniert es natürlich nicht." Verantwortung zu übertragen, heißt für Boldt deshalb auch Vertrauen vorzuleben und Rückhalt zu geben.
lk