Spanische Begegnungen

Spiele wie die Begegnung gegen Real Madrid, die am 31. Juli 2007 stattfand und die Hannover 96 mit 3:0 gewann, sind allgegenwärtig. Das Freundschaftsspiel gegen Valencia C.F. ist aktuelles Geschehen. Weniger bekannt ist, dass die Roten seit mehr als 50 Jahren diverse Male auf spanische Teams getroffen sind - und das nicht nur im Rahmen von Testspielen.

1954 - große Reise nach Barcelona
Wir haben im Vorfeld des Spiels gegen Valencia C.F., den Drittplatzierten der Primera Division der vergangenen Meisterschaftsrunde, im Vereinsarchiv gestöbert und die spanischen Begegnungen von Hannover 96 zusammengetragen.

Die ersten Kontakte nach Spanien wurden bereits kurz nach der Deutschen Meisterschaft von 1954 geknüpft: Hannover 96 wurde von Espanyol Barcelona zum ersten Freundschaftsspiel im Ausland nach Ende des zweiten Weltkriegs von eingeladen und gab am 5. September 1954 seinen Vereinswimpel erstmals wieder im Ausland ab.

Der traditionsreiche Klub aus der katalanischen Metrople war später, in der Saison 1961/62, auch der Gegner der Roten im sogenannten Messepokal, der Vorgänger des UEFA-Pokals.

Der FC Barcelona spielt im Niedersachsenstadion
Am ersten Mai des darauffolgenden Jahres kam es zum nächsten Aufeinandertreffen mit einem spanischen Club: Mit dem FC Barcelona war der bis heute wohl erfolgreichste und berühmteste Fußballverein zu Gast an der Leine. Vor über 25.000 begeisterten Zuschauern im Niedersachsenstadion gewann der spanische Meister mit 2:4 (2:2).

Die Katalanen überzeugten die Zuschauer mit ihrer technisch überlegenen Spielweise und einer perfekten Ballbehandlung, während sich das Team von 96-Trainer Heinz Lucas bis zur Halbzeitpause besonders kämpferisch auszeichnen konnte.So war es auch nicht unverdient, dass die Anhänger der Roten in der 27. Spielminute den zum 1:0-Führungstreffer durch Friedel Schicks direkt verwandelten Eckball bejubeln konnten.

Die Freude währte allerdings nicht lange. Schon sechs Minuten später konnte Villaverde für Barcelona ausgleichen, nachdem 96-Kapitän Heinz Steinwedel Kocsic, einen der damals besten Spieler der Welt, nicht stoppen konnte.

Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff wurde es dann auf der anderen Seite noch einmal turbulent: Viktor Schmidtke wurde im Strafraum gefoult und der Schiedsrichter entschied völlig zu Recht auf Elfmeter. Georg Kellermann schnappte sich das Leder und schoss humorlos zum Ausgleich und Halbzeitstand ein.

In der zweiten Hälfte konnten die Roten den spanischen Stars nicht mehr so vehement Paroli bieten und verloren am Ende mit 2:4.

Das Präsidium von 96 wollte mit diesem internationalen Freundschaftssspiel, das Medienberichten zufolge damals bereits die ungeheure Summe von 60.000 DM gekostet haben soll, primär seinen Anspruch als dritter Nordvertreter in der zu gründenden Bundesliga untermauern. Die erste Saison der neuen Liga musste dennoch ohne Beteiligung der Roten auskommen.



Erneutes Aufeinandertreffen im Messepokal
Nur knapp drei Jahre später trafen die Roten gleich drei Mal auf den FC Barcelona. Hannover 96 verlor gegen die Katalanen unglücklich im Entscheidungsspiel durch einen Münzwurf des Unparteiischen in den Katakomben des Niedersachsenstadions.

Die Roten in Bernabeu
Am 21. Januar 1970 wurde Hannover 96 vom spanischen Fußballverband kurzfristig zu einem Testspiel gegen die spanische Nationalelf ins Bernabeu Stadion nach Madrid eingeladen. Das Team von Trainer Hans Pilz, der erst einige Tage zuvor das Traineramt von Zlatko Cajkovski übernommen hatte, erwies sich vor 55.000 Zuschauern als ein ebenbürtiger Trainingspartner für das Nationalteam der Spanier, das die Partie am Ende knapp mit 1:0 für sich entscheiden konnte.

Beide Teams überzeugten vor allem durch temporeiches Angriffsspiel auf einem regennassen Rasen. Nur ein umstrittener Elfmeter, den der Schiedsrichter nach einer Aktion von Klaus Bohnsack an Pijol in der 58. Minute verhängte, sorgte für den Unterschied. Die Zuschauer quittierten die Entscheidung des Unparteiischen mit lautstarken Unmutsäußerungen. Luis aber ließ sich davon nicht irritieren und verwandelte den Strafstoß sicher.

"Mit einer Faust war ich noch am Ball," beschrieb 96-Keeper Horst Podlasly nach dem Spiel die spielentscheidende Szene, "aber leider konnte ich ihn nicht abwehren". Das Team von 96 spielte aus einer gut gestaffelten Abwehr mit Jupp Hellingrath, Peter Anders, Christian Breuer und Bohnsack heraus. Im Mittelfeld bedienten Jürgen Bandura, Hans Siemensmeyer und Rainer Stiller die Stürmer Jupp Heynckes, Rainer Zobel und Peter Loof mit vielen gescheiten Pässen und sorgten so für viel Gefahr vor dem Tor von Spaniens Keeper Reina. Trainer Pilz konstatierte nach dem Spiel: „Mein Team hat großartig gespielt, das bewies auch der Zuschauerbeifall während und nach dem Spiel“.



1971: Winter-Trainingslager in Sevilla
Bereits ein knappes Jahr später traf 96 erneut auf einen Gegner in Spanien: Im Rahmen des Winter-Traningslagers, das Hannover 96 in Sevilla absolvierte, stand am 13. Januar 1971 ein Spiel gegen den FC Sevilla vom deutschen Trainer Max Merkel auf dem Programm.

Das Spiel endet mit einem 2:1 (2:0) Sieg für die Gastgeber, war aber dennoch ungewöhnlich: In den Tagen vor dem Spiel hatte Gästecoach Max Merkel auch das Team von 96 trainiert, da Trainer Helmuth Johannsen auf Grund eines Trauerfalls nach Deutschland reisen musste. "Der als harter Hund bekannte Merkel hat uns vor allem in der Mittagshitze gescheucht. Wir sind dabei die Treppen im Stadion ständig rauf und runtergerannt.", erinnert sich 96-Spieler Claus Brune noch heute an den Kurzzeit-Trainer, der in keiner Statistik auftaucht.

"Er half seinem Trainerkollegen gern, den so konnte er sicher stellen, das sein Team das Freundschaftsspiel wie von den heißblütigen heimischen Fans erwartet gegen uns gewinnen konnte.", sagt der ehemalige 96-Stürmer noch heute schmunzelnd über das schweißtreibende Programm. Und fast wäre der Wunsch des in Deutschland als "Meistermacher" betitelte Erfolgstrainers in Gefahr geraten: Als Jupp Hellingrath in der 79. Minute beim Zwischenstand von 2:0 für Sevilla einen Freistoß von der Strafraumgrenze direkt verwandelte, warfen die 96er noch einmal alles nach vorne – scheiterten aber an der spanischen Deckung. Dabei wurde besonders Torjäger Ferdinand Keller nach seiner Meniskusoperation schmerzlich vermisst.

Zahlreiche Partien mit spanischer Beteiligung
Auch danach gab es noch zahlreiche Freundschaftsspiele gegen spanische Spitzenvereine:

Im Februar 1990 trafen die Roten in Cala Millor auf Real Mallorca.  Das Spiel endete mit 1:1, den Treffer für 96 erzielte nach 120 Sekunden Reinhold Daschner. Im Wintertrainingslager 1997 auf Teneriffa verlor 96 nach 2:0 Führung noch mit 2:3 bei einem kurzfristig vereinbarten Testspiel gegen den UEFA-Cup-Viertelfinalisten CD Teneriffa. Beide Treffer für die Roten erzielte Kreso Kovacec.

Im Sommertrainingslager vor der Saison 2002/2003 kam es am 28 Juli in Neustift im Stubaital zu einem 1:3 (1:1) Sieg über RCD Mallorca.

Tore: 1:0. Soler (24.), 1:1 Jiri Kaufman (45.), 1:2 Danjel Stefulj (50.). 1:3 Babcar N'Diaye (56.)

Während der Saison 2002/03 reiste 96 im September zu Deportivo La Coruna, dem ehemaligen Club von Manager Ricardo Moar sowie drei neu verpflichteten spanischen Profis Jaime, José Manuel und Fernando. 96 verlor die Partie mit 4:1 (2:1).

Tore: 0:1 Jaime (19.), 1:1 Victor (29.), 2:1 Luque (32.), 3:1 Capdevita (48.), 4:1 Luque (73.)

Danach folgte der legendäre 3:0 Sieg über Real Madrid in Hannover, bevor beim Multi Media Sports Cup 2008 in Palma de Mallorca gegen Real Mallorca am 01.08.2008 das letzte spanisch-hannoversche Duelle auf dem Programm stand, das 96 mit 4:2 verlor.
dk/mi