NIEMALSALLEIN

Es gibt so Spiele im Leben eines Fußballfans, die den Stempel "unvergesslich" erhalten. Eines, das mit diesem Stempel ganz sicher versehen ist, jährt sich am heutigen Donnerstag zum fünften Mal. Das werden alle Spieler und alle Fans bestätigen, die dabei waren. In Kopenhagen. Als das Telefon schellte.

/ Fans, Profis

 

Erinnern wir uns...
Versetzen wir uns fünf Jahre zurück: Donnerstag, 3. November 2011. Ein grauer, regnerischer Tag im Herbst. Es ist der Tag, an dem Lars Stindl sich aus 96-Sicht unsterblich machen wird. Aber so weit sind wir noch nicht. Und das ist bei weitem auch nicht das einzige, das diesen Tag zu einem denkwürdigen macht.

 

 

 

Der 96-Europa-Dampfer
Die Geschichte beginnt mit Weg gen Norden. Kopenhagen ist das Ziel. Vorab hatte es geheißen, dass "viele" Fans die Roten zum Europa League-Auswärtsspiel in die dänische Hauptstadt begleiten werden. Wie viel "viele" ist, wird nun zum ersten Mal so richtig deutlich. Egal, an welchem Autobahn-Rasthof zwischen Hannover und Kopenhagen man an diesem Tag stoppt, immer sind schon Frauen und Männer in roten Trikots und mit schwarz-weiß-grünen Schals und Fahnen dort. Unvergessen bleibt die Fährüberfahrt zwischen Puttgarden und Rødby: ein Schiff wird zum 96-Europa-Dampfer.

Ein Schicksalsspiel
Dann die Ankunft in Kopenhagen. Die Innenstadt ist fest in hannoverscher Hand. Allseits herrscht Vorfreude ob des Spiels beim dänischen Meister, das um 19 Uhr ansteht – und von dem so vieles abhängt in der Europa League-Gruppe B: Nach dem 2:2 im Hinspiel liegen beide Teams eng auf. Der FC mit vier Punkten knapp hinter 96 und Standard Lüttich mit jeweils deren fünf auf dem Konto. Es ist ein sogenanntes Schicksalsspiel. Der Sieger stößt die Tür zur K.O.-Runde weit auf, während der Verlierer sich kaum noch Hoffnungen machen darf.

Eine schwarz-weiß-grüne Wand
Der Abend bricht herein. Der letzte Hot Dog nach dänischer Art ist verdrückt, das letzte Kaltgetränk (außerhalb des Stadions) getrunken. Im nicht ganz ausverkauften Parken wird aus "vielen" 96-Fans ein Ganzes – 12.000 Leute werden eine schwarz-weiß-grüne Wand. Sportlich läuft es zunächst zäh. Die erste Halbzeit ist hart umkämpft und – gelinde formuliert – "taktisch geprägt".

Tore: Fehlanzeige. Nach dem Seitenwechsel kommen die Roten besser in Tritt, spielen zielgerichteter nach vorn – und geraten in Rückstand: Dame N’Doye schießt die Hausherren nach 66 Minuten in Front. Schockmoment. Bleibt es dabei, ist der 96-Traum vom Überwintern in Europa praktisch ausgeträumt.

"In Kopenhagen schellt das Telefon..."
Dann aber geht ein Ruck durchs Team, die Unterstützung von Rängen ist frenetisch und treibt Manuel Schmiedebach, "Kocka" Rausch, Jan Schlaudraff & Co. nach vorn. Der "Kreativdirektor" ist es dann auch, der nach einem Querpass von Sofian Chahed vier Minuten nach dem 1:0 den Ausgleich markiert. Alles wieder pari. Die Ränge feiern, singen das Europapokal-Lied: "Erste Runde Bukarest, zweite Rom. In Kopenhagen schellt das Telefon…". Und Lars Stindl lässt es schellen.

Ein kleines Stück 96-Geschichte
Die 74. Spielminute: Sofian Chahed eröffnet mit einem weiten Ball von hinten rechts. Stindl nimmt die Kugel mit rechts an, hebt sie über seinen Gegenspieler, zieht volley mit links ab und das Ding zappelt in den Maschen. Unbändiger Jubel auf der 96-Tribüne hinter dem Tor. Der Torschütze läuft auf die Menge zu, folgt einem spontanen Impuls, spreizt den Daumen und den kleinen Finger der rechten Hand nach außen, hebt das "Telefon" ans Ohr – und geht auf der Stelle in die 96-Historie ein.

Jeder im Stadion weiß, dass dieser Moment etwas ganz Besonderes ist. Und er hebt das Weiterkommen aus dem "Traumstatus" und lässt es zu etwas Realem werden. Die letzte Viertelstunde verfliegt, der Sieg ist 96 nicht mehr zu nehmen. Nach Abpfiff feiert die Menge die Mannschaft – und die Mannschaft feiert die schwarz-weiß-grüne Wand. Allen ist bewusst, dass etwas Denkwürdiges geschehen ist. Ein kleines Stück 96-Geschichte wurde geschrieben, an das man sich noch lange erinnern wird.

Ein unvergessliches Spiel
Nun ist es fünf Jahre her und es wird nicht wenige unter den damals in Kopenhagen Anwesenden geben, die die Ereignisse dieses Tages jederzeit mindestens genauso detailliert wiedergeben können wie der Autor dieses Textes. Denn: Es gibt eben so Spiele im Leben eines Fußballfans, die den Stempel "unvergesslich" erhalten. Und das war eines dieser Spiele. In Kopenhagen. Als das Telefon schellte.
hec

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