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Fabian Ernst: Der Klubbesitzer

Der frühere 96-Profi Fabian Ernst hat vor Kurzem einen dänischen Fußballklub gekauft. Wie es dazu gekommen ist und was Gerald Asamoah damit zu tun hat, verrät Ernst in Teil elf unserer Serie "Was macht eigentlich ...?".

Früher Fußballprofi, heute Klubbesitzer: Fabian Ernst.

Sonntag ins Stadion
Das Spiel am Sonntag will sich Fabian Ernst auf keinen Fall entgehen lassen. Er weiß ja, dass die 90 Minuten wegweisend sein dürften für den weiteren Saisonverlauf. Ernst wird also am Morgen in Hannover in sein Auto steigen, und dann wird er sich auf den Weg machen, allerdings nicht nach Stuttgart, wo am Nachmittag der VfB Stuttgart und Hannover 96 im Abstiegsduell der Fußball-Bundesliga aufeinandertreffen (15.30 Uhr, Liveticker auf hannover96.de), sondern nach Næstved.

In der dänischen Kleinstadt, auf der Insel Seeland gelegen, steigt am Sonntag das Topspiel der zweiten dänischen Fußballliga. Næstved BK, aktuell Tabellenfünfter, empfängt Spitzenreiter Viborg FF. Mit einem Sieg würden die Kicker aus Næstved ihre Aufstiegschancen wahren - und Fabian Ernst so ganz nebenbei einen erfolgreichen Einstand bereiten. Der 39-Jährige ist nämlich seit Kurzem in Næstved tätig. Er ist der neue Klubbesitzer.

Übernahme Anfang des Jahres
Anfang des Jahres haben Ernst und sein Geschäftspartner Alexander Quaye den Næstved Boldklub übernommen. Die bisherigen Besitzer, fünf Geschäftsmänner aus Næstved, hatten den Klub zum Verkauf angeboten. "Alexander hat davon erfahren, und dann hat er mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mit ihm einzusteigen", sagt Ernst im Gespräch mit hannover96.de. Den genauen Kaufpreis will der frühere Fußballprofi (unter anderem bei Hannover 96, Werder Bremen, Schalke 04 und Besiktas Istanbul) zwar nicht nennen. "Aber es ist nicht so, dass ich dafür einen Kredit aufnehmen musste." Was sicher auch damit zusammenhängt, dass Næstved BK derzeit eher zu den kleineren Nummern im dänischen Fußball gehört.

Das war mal anders. In den Siebziger- und Achtzigerjahren spielte der Klub in der ersten Liga, wurde zweimal Vizemeister (1980 und 1988) und viermal Dritter (1972, 1975, 1981 und 1986). Rund um die Jahrtausendwende aber folgte der Absturz bis in die Drittklassigkeit, zwischenzeitlich drohte gar die Insolvenz. Lokale Investoren retteten den Verein, führten ihn zurück in die schwarzen Zahlen. Mittlerweile hat sich Næstved BK nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sportlich wieder erholt - und soll schon bald in die höchste dänische Spielklasse zurückkehren. "Das ist unser Ziel", sagt Ernst, "aber dafür werden wir nicht einfach blind Geld in den Verein pumpen. Das wäre nicht nachhaltig. Wir haben ein Konzept."

Talente aus Ghana ausbilden
Im Mittelpunkt dieses Konzepts steht eine Akademie in Ghana, die von Quaye betrieben wird und in der sich die beiden Geschäftspartner vor ein paar Jahren kennengelernt haben. Ernst war damals zusammen mit seinem Kumpel und ehemaligen Mannschaftskollegen von Hannover 96 und dem FC Schalke 04, Gerald Asamoah, im Land unterwegs, um talentierte Spieler zu scouten. "Wir haben versucht, Spieler aus Ghana bei deutschen Klubs unterzubringen", sagt Ernst. Bernard Tekpetey war einer dieser Spieler, er steht heute beim Zweitligisten SC Paderborn unter Vertrag. "Er hat es geschafft", sagt Ernst - und viele weitere sollen folgen.

Warum aber haben sich Ernst und Quaye ausgerechnet einen Klub aus Dänemark ausgesucht? "Weil die Rahmenbedingungen stimmen", sagt Ernst. Anders als in Deutschland gibt es in Dänemark keine 50+1-Regel, die es Investoren verbietet, die Mehrheit an einem Klub zu übernehmen. Und Fußballspieler, die nicht aus Europa stammen, bekommen hier leichter eine Arbeitserlaubnis als in anderen Ländern. "Das - und die gute Infrastruktur im Verein - haben mich überzeugt", sagt Ernst. "Ich habe ein gutes Gefühl bei der Sache."

"Wir wollen hier etwas aufbauen"
Das gilt jedoch nicht für alle in Næstved. Einige blicken mit Skepsis auf die neuen Besitzer aus dem Ausland. Ernst, der mit seiner Frau und seinen Kindern seit dem Karriereende 2013 wieder in Hannover lebt, kann das gut verstehen. "Ein Deutscher und ein Ghanaer haben das Baby der Stadt gekauft", sagt er, "ist doch klar, dass das nicht jeder toll findet." Ernst hat sich deshalb vorgenommen, in den kommenden Monaten so oft es geht vor Ort zu sein, mit den Menschen zu sprechen, ihnen die Sorge zu nehmen, dass er bloß irgendein windiger Investor sei. "Wir wollen den Klub nicht verändern", sagt Ernst, "wir wollen hier etwas aufbauen. Und ich bin gespannt, was die Zukunft bringen wird." Das Spiel am Sonntag könnte einen ersten Hinweis geben.
hop