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Kostas Konstantinidis: Der Berater

Kostas Konstantinidis hat sowohl für Hannover 96 als auch für Hertha BSC gespielt. Vor dem Bundesligaduell seiner beiden Ex-Klubs am Sonntag verrät der Grieche, was er seit seinem Karriereende gemacht hat - in Teil 15 unserer Serie "Was macht eigentlich ...?".

"Ich hatte eine sehr gute Zeit bei Hannover 96": Kostas Konstantinidis.

Die Europa-Reise muss warten ...
Kostas Konstantinidis saß schon mit der Familie im Auto. Von Griechenland aus sollte es gemeinsam auf Europa-Reise gehen, über den Balkan und Italien bis nach Deutschland. Doch dann klingelte plötzlich das Mobiltelefon. Ein alter Kumpel, der gerade einen neuen Trainerjob in Zypern angetreten hatte, meldete sich und fragte nach, ob Konstantinidis nicht noch ein Jahr Profifußball spielen wolle. Konstantinidis, der kurz zuvor sein Karriereende verkündet hatte, überlegte einen Moment, dann sagte er zu.

Kostas Konstantinidis kehrte also mit Mitte 30 noch einmal zurück auf die Fußballbühne, wenn auch nur auf die kleine, und im Nachhinein betrachtet, hätte er sich diesen Schritt gerne gespart. Weil sich der Klub, Nea Salamis Famagusta, nicht an Zusagen hielt, vor allem, was die Bezahlung betraf. "Ich habe in der gesamten Zeit kein Gehalt bekommen", sagt Konstantinidis im Gespräch mit hannover96.de, "nicht einen einzigen Cent." Und weil er keine Lust auf einen langen und nervigen Rechtsstreit hatte, packte Konstantinidis er nach nur drei Monaten einfach seine Sachen und machte Schluss mit dem Fußball spielen. Diesmal endgültig.

Spielerberater mit Basis in Athen
Elfeinhalb Jahre liegt diese Geschichte inzwischen zurück, aber sie ist wichtig, um zu verstehen, warum Kostas Konstantinidis heute das macht, was er macht. "Ich habe als Profi sehr viele Sachen erlebt, da waren leider auch einige negative Dinge dabei", sagt er. "Ich möchte nicht, dass sich diese Fehler wiederholen. Ich möchte künftigen Fußballprofis das Leben so leicht wie möglich machen." Und deshalb ist Konstantinidis nun als Spielerberater tätig.

Vor vier Jahren hat der ehemalige griechische Nationalspieler (38 Länderspiele) ein eigenes Büro aufgemacht. Er ist Partner in der Agentur feel soccer aus Düsseldorf. Zu den Klienten der Agentur gehören die ehemaligen 96-Profis Leonardo Bittencourt (aktuell bei 1899 Hoffenheim), Joselu (aktuell bei Newcastle United) und Andre Hoffmann (aktuell bei Fortuna Düsseldorf). Auch die Torhüter Alexander Schwolow (SC Freiburg) und Stefanos Kapino (Werder Bremen) werden von feel soccer beraten.

Von 2002 bis 2004 in Hannover
"Ich liebe meinen Job", sagt Kostas Konstantinidis, der seine Arbeit zur einen Hälfte von Athen aus erledigt, wo er mit seiner Frau und seinem Sohn lebt, und zur anderen Hälfte von Deutschland aus. Außerdem ist er regelmäßig in der ganzen Welt unterwegs, um Kontakte zu pflegen und neue Spieler zu finden. Zuletzt hat es ihn in die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Belgien und die Schweiz verschlagen. Auch in Hannover hat Konstantinidis kürzlich vorbeigeschaut. Er hat sich das Bundesligaspiel zwischen Hannover 96 und dem FC Schalke 04 angesehen. "Ich bin gerne in Hannover", sagt er. "Ich hatte eine sehr gute Zeit dort."

Insgesamt zwei Jahre lang stand Konstantinidis bei den Roten unter Vertrag. Ende August 2002, wenige Stunden vor Ablauf der Transferperiode, war der Defensivspieler vom englischen Erstligisten Bolton Wanderers nach Hannover gewechselt. 96 hatte in den ersten Spielen der Saison keinen einzigen Punkt geholt und deshalb noch mal ordentlich auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Zusammen mit Konstantinidis kamen Fredi Bobic, Jaime, José Manuel und Fernando nach Hannover. Danach lief es deutlich besser.

"Ewald stand nicht so auf mich."

Im zweiten Jahr Kapitän
"Wir haben eine richtig gute Runde gespielt und am Ende den Klassenerhalt geschafft", erinnert sich Konstantinidis. Mehr noch: Als Tabellenelfter hatte das Team von Trainer Ralf Rangnick am Ende lediglich drei Punkte Rückstand auf die UI-Cup-Ränge. Konstantinidis hatte großen Anteil am Erfolg der Niedersachsen, genoss ein hohes Ansehen beim Trainer und bei den Mannschaftskollegen - und wurde auch deshalb zusammen mit Altin Lala und Steven Cherundolo zum Kapitän ernannt.

Auf eine erfolgreiche Saison 2002/2003 folgte jedoch eine weniger erfolgreiche Saison 2003/2004. 96 musste lange um den Klassenerhalt bangen, wechselte den Trainer. Rangnick wurde entlassen, Ewald Lienen trat die Nachfolge an - und der setzte nicht mehr so sehr auf Konstantinidis. "Ewald stand nicht so auf mich", sagt der Griechen. Im Sommer 2004 trennten sich die Wege. Konstantinidis verließ 96, nach 44 Pflichtspieleinsätzen für den Klub.

Rückkehr nach Griechenland
Konstantinidis schloss sich dem Zweitligisten 1. FC Köln an, konnte aber verletzungsbedingt nur 14 Spiele bestreiten. Im Sommer 2005, mit fast 33 Jahren, kehrte er zurück in die Heimat, um seine Karriere bei OFI Kreta ausklingen zu lassen. "Das war eine Herzensangelegenheit für mich", sagt der Abwehrspezialist, "bei OFI habe ich Mitte der Neunziger meine Karriere begonnen, außerdem hat mir das Leben dort gefallen." Im Juni 2007 hängte er seine Fußballschuhe das erste Mal an den Nagel, gefolgt vom Intermezzo auf Zypern und dem endgültigen Rücktritt ein paar Monate später.

Konstantinidis entspannte zunächst eine Weile, dann machte er sich auf die Suche nach einer neuen Aufgabe. Er wollte auf jeden Fall im Fußballgeschäft bleiben, so viel war klar, und so kam ihm das Angebot vom griechischen Klub Xanthi FC im Sommer 2009 gerade recht. Konstantinidis sollte Assistent des deutschen Cheftrainers Wolfgang Wolf werden, doch als dieser nach wenigen Spieltagen aus persönlichen Gründen zurücktrat, bewarb sich auch Konstantinidis um einen anderen Posten im Verein - den des Sportdirektors. Der Klubchef war einverstanden, und so kümmerte sich Konstantinidis fortan um Spielertransfers. "Das war eine sehr gute Zeit", sagt Konstantinidis. Für ihn und für den Verin. Xanthi FC qualifizierte sich in der Zeit unter anderem für den Europapokal. Nach fünfeinhalb Jahren war dennoch Schluss. "Wie das halt so ist im Profifußball."

Gespräche mit AEK Athen
Konstantinidis war wieder auf dem Markt, führte Gespräche mit dem AEK Athen, einem der besseren Klubs in Griechenland. Am Ende aber entschied sich Konstantinidis gegen den Job beim Hauptstadtklub. "Ich wollte lieber selbstständig sein", sagt er. Und so startete er seine Laufbahn als Spielerberater. Dass die Branche nicht den besten Ruf genießt, weiß Konstantinidis. Und genau deswegen legt er großen Wert darauf, dass man ihn nicht mit vermeintlich unseriösen Vermittlern in einen Topf wirft. "Mir geht es nicht darum, mit Spielern zu dealen und schnelles Geld zu verdienen", sagt er, "micht interessiert auch die zwischenmenschliche Beziehung. Ich will, dass es passt - für den Spieler, den Klub und für mich." Bislang ist er damit ganz erfolgreich gewesen.

Übrigens: Die Europa-Reise haben Kostas Konstantinidis und seine Familie noch immer nicht nachgeholt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
hop