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Gerichtsberichterstattung in Medien: Ausrutscher auf glattem Eis

Was passiert, wenn sich lokale Sportreporter auf das mitunter glatte Eis der Gerichtsberichterstattung begeben, ist heute in den Artikeln diverser hannoverscher Medien über den Gütetermin in dem von Björn Bremer angestrengten Kündigungsschutzverfahren gegen die Hannover 96 Management GmbH zu erkennen. Dabei wären Ausrutscher leicht zu verhindern.

96 und Björn Bremer: Zuversicht bezüglich einer Einigung (Fotocollage: 96/Redaktion)

"Angeklagte" nur im Strafprozess
Kein lokaler Sportjournalist muss Jura studiert haben, um über Gerichtsprozesse zu berichten. Er sollte jedoch zumindest den Anspruch haben, sich das dafür notwendige Handwerk anzueignen. Leider scheint das nicht immer der Fall zu sein, denn anders lässt es sich nicht erklären, dass in den Medien in einem Arbeitsgerichtsprozess über "Angeklagte" geschrieben wird, obwohl es diese nur in einem Strafprozess gibt. Jeder erfahrene Gerichtsreporter wird darüber mit dem Kopf schütteln.

Hilfreich ist es auch, genau hinzuhören, wenn die Vorsitzende Richterin die Zuständigkeit des Arbeitsgerichts anzweifelt. Denn die Frage lautet im konkreten Fall nicht Arbeitsgericht oder Landesarbeitsgericht, wie es in der Presse steht, sondern Arbeitsgericht oder Landgericht als zuständiges Zivilgericht für die streitige Auseinandersetzung.

Zuversicht bezüglich einer kurzfristigen Einigung
Noch zweifelhafter wird es, wenn ein lokaler Sportjournalist erkennbar keinerlei Interesse an einer sachlichen und korrekten Berichterstattung hat, sondern sein Ehrgeiz vor allem darin bestehen zu scheint, Hannover 96 möglichst oft den Begriff "Gerichts-Klatsche" um die Ohren zu hauen und den Leserinnen und Lesern verkaufen zu wollen, bei 96 gäbe es ein "Abschiebe-Büro für unliebsame Mitarbeiter". Stimmt zwar nicht, taugt aber als Stimmungsmache.

Die Fakten sind deutlich unspektakulärer. Tatsache ist, dass Hannover 96 Björn Bremer als Geschäftsführer abberufen hat. Tatsache ist auch, dass 96 das bestehende Dienstverhältnis mit Björn Bremer durch Kündigung beendet hat. Tatsache ist zudem, dass der gestrige Gerichtstermin verdeutlicht hat, dass an der Wirksamkeit der Kündigung wenig Zweifel bestehen. Differenzen gibt es lediglich hinsichtlich der finanziellen Forderungen. Beide Seiten sind zuversichtlich, kurzfristig eine Einigung zu erzielen.