NIEMALSALLEIN

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber ein nahe liegender Schritt. Schon aus räumlichen Gesichtspunkten.

 

Mirko Slomka lebt mit seiner Familie in Hannover, im Stadtteil Buchholz genauer gesagt; er ist hier aufgewachsen. Und doch hat es ziemlich lange gedauert, bis der 42-jährige Trainer und Hannover 96 zusammengekommen sind. Wieder zusammengekommen sind. Denn als Nachwuchs- und Kotrainer der Profis war Slomka schon einmal bei den "Roten". Aber wenn ein Chefcoach gesucht wurde, machte 96 einen Bogen um ihn. Die Nähe zu Stadt, Klub, aber auch den Spielern war 96-Klubchef Martin Kind stets zu groß. Und auch der Trainer bekannte mehrfach, dass es "nicht einfach ist, mit der Familie in der Stadt zu wohnen, in der man arbeitet. Gerade im Kindergarten oder in der Schule ist das Thema Fußball präsent", sagte er.

Es war aber besonders die Nähe Slomkas zu Carsten Maschmeyer, die Kind nicht schmeckte. Der 65-jährige Klubchef hat ein eher gespaltenes Verhältnis zum AWD-Gründer und einstigen Gesellschafter des Klubs. Slomka war nach seiner Demission beim FC Schalke am 5. August 2008 in den Medien weiter omnipräsent, tauchte bei Galas auf, bei Benefizveranstaltungen, bei Talkshows, trat als Model auf, bei diversen TV- und Radiosendern als sogenannter Experte. Er wurde in der Zeit bei fast jedem trainerlosen Erst- oder Zweitligisten als neuer Coach gehandelt, so auch bei 96, doch er blieb ohne Job. In Hannover war Slomka auch nach der Trennung von Andreas Bergmann nicht die erste Wahl, und doch fand man zuein­ander. Er steht bei Geldgebern der "Roten" hoch im Kurs – und hat sich die Chance einfach verdient, dass er vor der Haustür zeigen darf, was in ihm steckt.

Die Einigung mit 96 dürfte Slomka nicht im Mindesten so überrascht haben, wie die 2006 mit dem FC Schalke. Damals war er Kotrainer der "Königsblauen" und wurde nach der Trennung von Cheftrainer Ralf Rangnick mitten in der Nacht in die Geschäftsstelle zitiert. "Ich dachte, man würde mich beurlauben", sagte Slomka, "stattdessen wurde ich befördert." Gut zwei Jahre später war Schluss bei Schalke trotz Tabellenplatz 3 und Viertelfinale in der Champions League.

Es gab stets Diskussionen um den Trainer, dem man nie richtig viel zutraute. Der damalige Manager Rudi Assauer sprach ironisch vom "Richard Gere der Bundesliga". Viele in Gelsenkirchen sahen ihn zu nah an den Spielern und in ihm nur den "netten Herrn Slomka". Eine Einschätzung, die Slomka richtiggehend ärgert. "Ich bin freundlich", sagte er, "aber nicht immer nett. Ich treffe Entscheidungen, die für manche Spieler nicht nett sind. Das würde ich als kritische Nähe betrachten." Gerade Letzteres unterscheidet ihn von seinem Vorgänger, dem "netten Herrn Bergmann".

 

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