Stabilität in der Krise
Vor dem Hintergrund von Mindereinnahmen in der Vermarktung der deutschsprachigen Medienrechte, einer Konsolidierungsphase der internationalen Märkte und erheblichen Erlösausfällen der Klubs aufgrund der Corona-Pandemie zielt die künftige Verteilungssystematik vor allem darauf ab, in Zeiten einer beispiellosen Krise Stabilität zu gewährleisten und unter Berücksichtigung des Solidaritätsgedankens zukunftsgerichtete Impulse zu setzen.
Kind: "Ausgewogen und zukunftsorientiert"
"Das Präsidium der DFL hat angesichts unterschiedlicher Interessen und einer schwierigen Marktlage ein ausgewogenes und zukunftsorientiertes Konzept präsentiert und verdient Respekt für eine gute Lösung bei der Verteilung der Medienerlöse", sagt 96-Geschäftsführer Martin Kind, der für die Roten an der virtuellen Mitgliederversammlung teilgenommen hatte. "Es ist notwendig und richtig, dass die Leistungskomponente stark berücksichtigt wurde. Die Bundesliga braucht international erfolgreiche Klubs. Auch die stärkere Gewichtung der Nachwuchsarbeit ist ein vernünftiger Gedanke, den wir bei 96 begrüßen."
Vier Säulen
Mit Blick auf die Verteilung der Erlöse aus der Vergabe der deutschsprachigen Medienrechte (zwischen 2021/22 und 2024/25 im Schnitt 1,1 Milliarden Euro pro Saison) hat sich das DFL-Präsidium auf einen dynamischen Zwei-Stufen-Plan basierend auf vier Säulen geeinigt: "Gleichverteilung", "Leistung", "Nachwuchs" und "Interesse".
Und das sind die zentralen Punkte des neuen Verteilungskonzeptes:
- In den ersten beiden Jahren der kommenden Rechteperiode wird es eine höhere Gewichtung der Stabilität gegenüber variablen Faktoren geben. Dieses Vorgehen bietet den Klubs Planungssicherheit, folgt einerseits dem steigenden Verlauf der Medieneinnahmen in der kommenden Rechteperiode und trägt andererseits den Effekten der Corona-Pandemie Rechnung. In den ersten beiden Jahren werden daher insgesamt zusätzlich etwa 75 Millionen Euro gleich verteilt. Dies bedeutet 2021/22 und 2022/23 eine Gleichverteilung von durchschnittlich etwa 580 Millionen Euro pro Saison und entspricht einem Anteil von 53 Prozent pro Saison an den Gesamteinnahmen aus der Verwertung der deutschsprachigen Medienrechte. Anhand der gewählten Verteilungssystematik wissen die Klubs damit bereits vor dem jeweiligen Start der nächsten beiden Spielzeiten, dass ihnen anteilig zusätzliches Geld garantiert zur Verfügung steht. Aus der relativen Erhöhung der Gleichverteilung resultiert auch eine geringere Spreizung innerhalb der Ligen.
- Gleichzeitig richtet sich der Blick in den ersten beiden Jahren der kommenden Rechteperiode bereits in die Zukunft: unter anderem durch die neben der weiterhin bestehenden Säule "Leistung" künftig umfassendere Honorierung der Nachwuchsarbeit und die erstmalige Berücksichtigung von Klub-Interesse auf Basis von Marktforschung.
- Die Säule "Leistung" umfasst 42 Prozent (2021/22 und 2022/23) beziehungsweise 43 Prozent (2023/24 und 2024/25) der Erlöse. Dabei gibt es sowohl für die Klubs der Bundesliga als auch für die Klubs der 2. Bundesliga eine getrennte Fünf-Jahres-Wertung, bei der wie gehabt die vergangenen fünf Spielzeiten gewertet werden (im Verhältnis 5:4:3:2:1, beginnend mit der zuletzt gespielten Saison). Darauf entfallen 24,5 Prozent (2021/22 und 2022/23) beziehungsweise 23 Prozent (2023/24 und 2024/25) der Erlöse aus dieser Säule, die im Verhältnis von etwa 81:19 Prozent zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga aufgeteilt werden.
- In der zweiten Stufe des kommenden Modells werden die Säulen "Nachwuchs" und "Interesse" in den Saisons 2023/24 und 2024/25 weiter verstärkt – auch vor dem Hintergrund, dass für diese beiden Jahre im Vergleich zu den Spielzeiten 2021/22 und 2022/23 insgesamt etwa 180 Millionen Euro zusätzlich aus der Vermarktung der deutschsprachigen Medienrechte zur Verfügung stehen.
- Der Aspekt Nachwuchsförderung wird höher gewichtet – erstmals wird dabei nicht nur Einsatzzeit für junge Talente, sondern auch deren Ausbildung honoriert. In den Saisons 2023/24 und 2024/25 entfallen im Schnitt 47,5 Millionen Euro auf die Nachwuchsarbeit. Zum Vergleich: Nach der aktuellen Systematik für die Saisons 2017/18 bis 2020/21 sind es im Schnitt 23 Millionen Euro pro Saison.
- Auf das über Marktforschung der renommierten Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) ermittelte Kriterium "Interesse" entfallen in den ersten beiden Jahren 2 Prozent (etwa 22 Millionen Euro pro Saison) der Einnahmen, in den letzten beiden Jahren sind es 3 Prozent (etwa 36 Millionen Euro pro Saison). Damit wird das Bemühen der Klubs mit Blick auf eine möglichst hohe gesellschaftliche Relevanz – auch im Sinne der Medienpartner – unterstützt.
- Für die Saison 2024/25 ist ein strategischer Rückbehalt von zehn Millionen Euro vorgesehen, über dessen Verwendung das DFL-Präsidium zu gegebener Zeit entscheiden wird.
- Bevor die Klubs der Bundesliga zum Zuge kommen, wird die 2. Bundesliga in den kommenden vier Jahren mit einem festen Satz an den internationalen Erlösen beteiligt: 2021/22 und 2022/23 mit jeweils 4 Prozent, 2023/24 und 2024/25 mit jeweils 3 Prozent. Dieser Verlauf berücksichtigt vor allem die kurzfristig aus der Corona-Pandemie resultierenden Effekte. Erst nach Abzug dieses Anteils erfolgt die Ausschüttung an die Bundesliga-Klubs.
DFL/hr