"Sowas motiviert unheimlich"
Noel Aseko ist zu einer festen Größe im Mittelfeld von Hannover 96 gereift. Seit seinem Durchbruch zu Beginn der aktuellen Saison, zeigt der Leihspieler vom FC Bayern München konstant gute Leistungen – und gehört mit 21 Startelfeinsätzen in 24 Ligaspielen, 3 Toren und 5 Assists zu den prägenden Spielern im 96‑Zentrum. Gleich viermal wurde er bereits in die kicker‑Elf des Tages berufen.
Nun wartet auf Aseko und 96 die nächste große Aufgabe: das Auswärtsspiel beim aktuellen Tabellenführer FC Schalke 04. Das Duell auf Schalke elektrisiert den Mittelfeldspieler schon jetzt. Der Blick auf die Tabelle, lässt eine gewisse Brisanz in der Bedeutung des Spiels zu: 96 liegt mit 45 Punkten weiter im oberen Drittel – trotz der jüngsten 1:2‑Heimniederlage gegen Greuther Fürth.
"Sehr groß", sei daher seine Vorfreude auf die Partie in Gelsenkirchen. "Man hört von vielen Spielern, dass es auf Schalke immer extrem laut ist und eine besondere Stimmung herrscht. Über 60.000 Fans im Stadion – das erlebt man nicht jede Woche. Wenn man dort spielt und vielleicht sogar gewinnt, kann man aber auch ein ganzes Stadion mitunter zum Schweigen bringen. Sowas motiviert unheimlich."
Verschiedene Phasen innerhalb einer Saison
96 reist mit zuletzt wechselhaften Ergebnissen ins Ruhrgebiet: auf das starke 3:2 bei Hertha BSC folgte ein torloses Remis gegen Dresden, anschließend ein konzentrierter 1:0‑Auswärtssieg auf der Bielefelder Alm, bevor es den Dämpfer gegen Fürth setzte. Aseko selbst fehlte dort gelbgesperrt – zum ersten Mal in dieser Saison.
Trotz der nach wie vor engen Tabellenkonstellation lässt sich Aseko nicht auf Rechenspiele ein. "Ich glaube, wir tun gut daran, nicht zu weit nach vorne zu schauen", sagt er. "Im Fußball kann sich alles schnell ändern. Deshalb versuchen wir, jedes Spiel mit hundert Prozent anzugehen und uns voll auf die jeweilige Aufgabe zu konzentrieren."
Nach dem emotionalen Sieg in Berlin folgte mit dem Unentschieden gegen Dresden und der Niederlage gegen Fürth eine Phase. Für Aseko sind die Phasen innerhalb einer Saison, in der ein Team nicht konstant punktet, Teil des Geschäfts: "Das gehört im Fußball dazu. Es gibt gute Phasen und es gibt Spiele, die nicht so laufen, wie man sich das vorstellt", ordnet der 20-Jährige ein. Als Konsequenz sei es wichtig, "dass man daraus lernt und wieder versucht, das Maximum herauszuholen."
Videoanalyse statt Statistiken
Obwohl Aseko in einigen Statistiken zu den besten Mittelfeldspielern der Liga gehört, misst er seinen Einfluss anders. "Nicht besonders", achte er auf die eigenen, messbaren Statistiken. "Natürlich schaut man vielleicht mal auf Tore oder Assists. Aber wichtiger ist mir, meine eigenen Szenen zu analysieren und zu schauen, was ich verbessern kann."
Genau dafür nutzt er die Videoanalyse: "Im Video sieht man oft Dinge, die man auf dem Platz gar nicht wahrnimmt. Man erkennt zum Beispiel, wo vielleicht ein Mitspieler frei war oder wo man eine Situation anders hätte lösen können." Dies helfe für das nächste Spiel, um dort die Lösungsfindung zu optimieren.
"Diese Mentalität nimmt man mit" – Asekos Weg von den Berliner Bolzplätzen
Der dynamische Stil des Mittelfeldspielers – aggressiv im Gegenpressing, mutig mit dem Ball nach vorne – kommt nicht von ungefähr. Aseko wurde von den Berliner Bolzplätzen geprägt, in Käfigen und auf Betonflächen. "Bestimmt", antwortet er auf die Frage nach dem Einfluss dieser Zeit. "Ich habe früher viel auf Bolzplätzen gespielt. Wenn man dort den Ball verliert, versucht man ihn sofort zurückzuholen. Diese Mentalität nimmt man mit."
Er erinnert sich an Turniere in Neukölln und an Spiele mit anderen Berliner Talenten. "Man musste sich durchsetzen, es geht um Widerstände – wenn man verloren hat, musste man manchmal warten, bis man wieder spielen durfte. Warten war halt Mist, weil es sehr viele Teams gab. Da lernt man viel, das prägt den Ehrgeiz."
lk