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Cedric Teuchert über die USA-Zeit, Hannover-Bindung & das Ex-Klub-Duell 96 gegen Schalke

Dreieinhalb Jahre trug Cedric Teuchert das 96-Trikot, vorher schnürte sich der Stürmer die Schuhe unter anderem für den FC Schalke 04. Seit Sommer 2024 geht er nun in den USA für St. Louis City in der MLS auf Torejagd. Vor dem Duell seiner beiden Ex-Klubs am Sonntag (Anpfiff: 13.30 Uhr) in Gelsenkirchen haben wir mit ihm über sein Leben in Amerika, die 96-Zeit und die besondere Partie gesprochen.

/ Profis
Cedric Teuchert schießt aufs Tor.
Cedric Teuchert ist frisch mit St. Louis City in die neue MLS-Saison gestartet. (Foto: IMAGO/DiSports Photo Agency)

Hallo "Cedi", schön, dass wir sprechen. Schauen wir doch erstmal auf Dich: Seit Deinem Wechsel zu St. Louis City in die USA ist einige Zeit vergangen, aber trotzdem - wie habt Ihr Euch eingelebt?

Cedric Teuchert (29): "Wir haben uns sehr gut eingelebt. Der Fußball hier ist natürlich etwas ganz anderes als in den deutschen Ligen. Gerade wenn man auf die Atmosphäre in den Stadien und die Fankultur schaut. Da ist in Deutschland schon etwas anderes geboten. Aber ich würde sagen, dass unsere Fans und unser Stadion in der MLS schon sehr weit oben stehen, das Stadion ist so gut wie immer ausverkauft. Der Fußball, wie er hier im Kommen ist, ist in Europa noch gar nicht so im Bewusstsein angekommen. Gerade mit der hier anstehenden Weltmeisterschaft entwickelt sich nochmal was. Sowieso bemerkt man das steigende Niveau hier in den USA, was man auch daran sieht, dass immer mehr namhafte Spieler herkommen. Das macht Spaß."

Merkt man das wirklich schon so stark, dass die WM im Sommer in den USA ausgetragen wird? Wie macht sich das bemerkbar?

Teuchert: "Ja, doch, das kann man schon spüren. Ich habe vor einigen Tagen auch gelesen, dass der Fußball hier in den USA Baseball in der Beliebtheit überholt hat. Hinter der NFL und der NBA steht da jetzt die MLS. Den Hype spürt man in jedem Fall, die Stadien werden immer voller. Ich glaube, dass Fußball in Amerika in den kommenden Jahren weiter sehr stark aufholen wird."

In der vergangenen Saison hattest Du mit Verletzungen zu kämpfen, gerade zum Ende warst Du angeschlagen. Wie geht es Dir jetzt zum Start in die neue Spielzeit?

Teuchert: "Mir geht’s gut. Ich habe die Vorbereitung komplett durchgezogen, hatte am Samstag meinen ersten Startelfeinsatz. Ich fühle mich wieder fit. Ich denke, ich tue der Mannschaft mit meiner Spielweise auch gut. Jetzt zählt es für uns, dass wir die guten Leistungen in den Spielen auch in Punkte umsetzen."

Du sprichst es schon an – Ihr habt aus den ersten drei Spielen der neuen Saison einen Punkt geholt. Ihr steht trotzdem noch am Anfang der Runde. Wie sehen Eure Ziele als Mannschaft und auch Deine persönlichen aus?

Teuchert: "Mein persönliches Ziel ist mit Blick auf die vergangene Saison vor allem in dieser Spielzeit fit zu bleiben. Ich habe die Hälfte der letzten Saison mit meiner Verletzung verpasst. Und natürlich möchte ich - wie jeder Offensivspieler - viele Tore schießen und viele Assists geben und der Mannschaft helfen. Wir haben hier einen neuen Weg mit einer neuen sportlichen Leitung und einem neuen Trainerteam eingeschlagen. Da wollen wir erfolgreich sein und am Ende auch um die Play-Off-Plätze spielen."

Teuchert jubelt nach einem Tor für 96.
34 Tore erzielte Teuchert für 96. (Foto: 96/Kaletta)

Klingt ein bisschen wie in Hannover, auch hier gab es vor der aktuellen Saison einige Veränderungen. Bleiben wir doch gleich bei 96. Was bedeutet Dir Dein ehemaliger Klub noch und wie verfolgst Du ihn?

Teuchert: "Ich verfolge 96 natürlich noch, habe noch einige Freunde in der Mannschaft. Da besteht eigentlich täglicher Kontakt nach Hannover. Wir haben uns vor ein paar Jahren ja auch ein Haus in der Stadt gekauft. Wir sind immer noch mit Hannover verbunden, schauen oft die Spiele. Als Familie haben wir auch Freunde außerhalb des Fußballs gefunden. Es ist schon ein Stück Heimat geworden."

Wann stehst Du dann also auf, um Spiele zu sehen?

Teuchert: "Ich stehe jetzt nicht bei jedem Spiel auf. Das ist schwer möglich. Gerade weil wir manchmal auch zu Auswärtsspielen unterwegs sind, wo wir nochmal innerhalb des Landes Zeitverschiebung haben. Aber wenn man dann aufwacht, ist mit das Erste, dann am Handy zu schauen, wie es läuft. Und ansonsten lese ich auch in Gruppenchats, wie es läuft. (lacht) Aber daheim in St. Louis…"

Ja?

Teuchert: "Da sehe ich oft eher die zweite Halbzeit. Wenn 96 um 6 Uhr oder 6.30 Uhr amerikanischer Zeit spielt, und ich für gewöhnlich gegen 7.30 Uhr aufstehe, sehe ich noch den Rest des Spiels."

Könnt Ihr Euch als Familie denn dann also vorstellen, nach Hannover zurückzukehren?

Teuchert: "Definitiv. Das war ein Stück weit auch der Plan hinter dem Haus-Kauf. Wir haben uns wirklich sehr wohlgefühlt in unserer Zeit in Hannover. Im Fußball weiß man natürlich nie, wie genau es läuft, es ist ein schnelllebiges Geschäft. Aber es ist schon unser Plan, zurückzukommen. Wir haben - wie gesagt - viele Freunde außerhalb des Fußballs gefunden, was für die Familie auch wichtig ist. Und generell ist es schön, einen Standort zu haben, wenn man zurück nach Deutschland kommt, auch in den Saisonpausen."

Wenn Du an Deine 96-Zeit zurückdenkst, welche Erinnerungen kommen Dir in den Sinn, wie würdest Du die Zeit beschreiben?

Teuchert: "Es war eine schöne Zeit. Gerade meine letzten beiden 96-Saisons liefen für mich persönlich erfolgreich, ich habe viele Tore geschossen. Wir waren eine tolle Mannschaft, haben uns untereinander super verstanden. Auch wenn es sportlich irgendwo auch ein Auf und Ab war, würde ich es immer wieder machen. Hannover ist ein Zuhause geworden."

Wie blickst Du denn auf die aktuelle 96-Saison und gewissermaßen Deine Nachfolger?

Teuchert: "Man sieht jede Woche auf dem Platz, dass bei ihnen ein genauer Plan dahhinter steckt. In dieser Liga muss man Woche für Woche punkten. In den letzten sieben Spielen gab es unter anderem fünf Siege und ein Unentschieden, das ist vernünftig. Ich wünsche mir, dass sie bis zum Schluss oben mit dabeibleiben. Man merkt auch in der Umgebung von Hannover, dass eine Euphorie da ist. Es kommen jedes Spiel viele Zuschauer ins Stadion."

Teuchert für Schalke am Ball.
Zwischen Januar 2018 und Sommer 2019 schnürte "Cedi" seine Schuhe für den S04. (Foto: Instagram/cedricteuchert)

Als nächstes geht es zum Auswärtsspiel zu Deinem weiteren Ex-Klub Schalke. Wie ist Deine Verbindung dorthin?

Teuchert: "Natürlich habe ich auch dort noch eine Verbindung hin. Die Familie meiner Frau kommt aus Gelsenkirchen, es sind absolute Schalke-Fans. Bei Union Berlin habe ich mit Loris Karius (Schalke-Keeper; Anm. d. Red.) gespielt, mit dem habe ich ab und zu noch einen Austausch. Ansonsten sind aus meiner Zeit nicht mehr so viele Personen verblieben. Aber wenn man sich die Fans und die Euphorie dort anschaut, dann sieht man natürlich schon, wie emotional es dort zugeht."

Hängt der Haussegen am Wochenende dann eventuell schief, wenn zwei für Euch bedeutsame Klubs aufeinandertreffen?

Teuchert: "Nein, der wird nicht schiefhängen. (lacht) Das Spiel verfolge ich so gut es geht natürlich intensiv, genauso wie die Familie meiner Frau. Da werden wir sicherlich nachher telefonieren und ich bekomme von meinem Schwiegervater einen Spielbericht." (lacht)

Dann ist ja gut. Was erwartest Du denn für ein Spiel wird?

Teuchert: "Es wird auf jeden Fall eine krasse Atmosphäre herrschen. Da treffen zwei echte Traditionsklubs aufeinander. Auch aufgrund der sportlichen Situation wird es ein sehr, sehr interessantes Duell. Mit Schalke muss man im eigenen Stadion immer rechnen, sie sind immer für ein Tor gut. Sie haben im Winter auch nochmal nachgelegt mit den Verpflichtungen von beispielsweise Edin Dzeko und Dejan Ljubicic."

Welche Tipps hast Du denn für ein Spiel auf Schalke? Du hast ja schon mehrmals dort gespielt.

Teuchert: "Schon wenn man zum Aufwärmen rauskommt, wird es knistern. Es ist ein stimmungsvolles Stadion. Mit den vielen Fans, die auch aus Hannover kommen, wird es eine aufgeheizte Atmosphäre. Da wird es für 96 darum gehen, die Null zu halten und immer wieder Nadelstiche zu setzen. Aber das beweist Hannover ja jede Woche, dass sie es gut hinbekommen."

Wie verfolgst du es und wem drückst Du die Daumen?

Teuchert: "Wir spielen in Los Angeles am Sonntag, das sind neun Stunden Zeitverschiebung. Deswegen werde ich es wohl nicht live sehen können. Aber ich werde das Ergebnis nach dem Aufwachen sofort checken. Ich habe Sympathien für beide Klubs, habe Bock auf ein tolles Spiel und würde mich freuen, wenn am Ende beide eine erfolgreiche Saison gespielt haben."

Danke Dir für Deine Zeit und alles Gute, "Cedi"!

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