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Ex-96-Profi Benschop im Interview über die WM-Euphorie in seiner Heimat Curaçao

Der frühere Nationalspieler Curaçaos spricht über die Euphorie in seiner Heimat, die Arbeit des bekannten Nationaltrainers Dick Advocaat und seine Erinnerungen an die Zeit bei Hannover 96.

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Charlison Benschop im weißen 96-Trikot. Links oben ein Bildausschnitt von ihm im Curacao-Trikot.
Charlison Benschop war drei Jahre lang in Hannover und wurde in der Zeit Nationalspieler Curacaos. (Foto: 96/Kaletta, Benschop/Instagram)

Geboren auf Curaçao
Wenn am Sonntag Deutschland in sein erstes WM-Spiel startet, blickt die Fußballwelt auch auf einen echten Außenseiter: Curaçao feiert seine Premiere auf der größten Fußballbühne überhaupt. Für Charlison Benschop ist das etwas ganz Besonderes. Der ehemalige 96-Stürmer wurde auf der Karibikinsel geboren, spielte später in Deutschland – und verfolgt die Weltmeisterschaft aktuell selbst vor Ort in Toronto. Im Interview spricht der 36-Jährige über die Euphorie in seiner Heimat, die besondere Rolle von Trainer Dick Advocaat und seine Erinnerungen an Hannover.

Charlie, Du bist gerade selbst bei der WM in Toronto unterwegs. Wie fühlt es sich an, Curaçao zum ersten Mal auf dieser Bühne zu erleben?

Charlison Benschop (36): Das ist natürlich unglaublich. Ich kenne viele Jungs aus der Mannschaft persönlich und freue mich riesig für sie. Die WM war immer ein großer Traum, aber eigentlich schien sie lange unerreichbar. Durch das neue WM-Format ist es vielleicht etwas realistischer geworden, aber am Ende ist es vor allem Dick Advocaat zu verdanken, dass Curaçao jetzt dort steht.

Du bist mit Deiner Familie in Kanada – wie kam es dazu?

Benschop: Wir waren mit den Kindern erst drei Wochen im Urlaub, um nach der Saison ein bisschen herunterzukommen. Meine Frau arbeitet für MagentaTV als Moderatorin rund um die WM – und ich begleite sie dabei. Ich durfte sogar selbst schon vor der Kamera stehen.

Du hast vor Kurzem gesagt, die ganze Insel Curaçao sei in ein Fußballstadion verwandelt. Wie erlebt dein Heimatland diese Tage?

Benschop: Die Euphorie ist riesig. Baseball war bei uns immer die Nummer eins. Viele Spieler aus Curaçao haben es bis in die höchsten amerikanischen Ligen geschafft. Fußball stand lange im Schatten. Aber jetzt ist die komplette "Blue Wave" über die Insel gerollt. Überall hängen Fahnen, es gibt Graffitis, öffentliche Plätze werden für Public Viewings vorbereitet. Die ganze Insel ist in WM-Stimmung.

Kann Fußball Baseball langfristig den Rang ablaufen?

Benschop: Es wird auf jeden Fall Konkurrenz geben. Entscheidend ist jetzt, dass die Jugend gefördert wird. Die Kinder auf Curaçao sehen plötzlich, dass man mit der eigenen Nationalmannschaft eine Weltmeisterschaft erreichen kann. Früher sind die talentiertesten Spieler oft direkt in die Niederlande gegangen, um dort ausgebildet zu werden. Vielleicht entsteht jetzt auf der Insel selbst eine neue Grundlage.

Charlison Benschop für Curacao am Ball.
Charlison Benschop im Einsatz für die Nationalmannschaft Curacaos im Jahr 2017. (Foto: Benschop/Instagram)

Viele Menschen werden Curaçao durch diese WM überhaupt erst kennenlernen. Was sollte man über Deine Heimat wissen?

Benschop: Ich habe in Deutschland oft erlebt, dass viele gar nicht wussten, wo Curaçao liegt. Jetzt ist das anders. Curaçao ist zwar klein – man fährt in einer Stunde von einer Seite der Insel zur anderen –, aber es ist wunderschön. Traumhafte Strände, tolles Essen, großartige Tauchmöglichkeiten und vor allem: ganz viele positive Menschen und gute Vibes.

Wie zeigt sich diese besondere Kultur innerhalb der Mannschaft?

Benschop: Das sieht man schon an kleinen Dingen. In Deutschland oder den Niederlanden wird oft gesungen, wenn ein neuer Spieler in die Mannschaft kommt. Bei uns wird im Bus getanzt. Das gehört einfach dazu. Diese Lebensfreude ist ein Teil von Curaçao.

Du hast den Trainer Dick Advocaat als eine Art Vaterfigur für die Mannschaft beschrieben. Was macht ihn so besonders?

Benschop: Seine Erfahrung natürlich. Er ist 78 Jahre alt und hat schon alles erlebt. Gleichzeitig hat er ein unglaubliches Gespür für die Mannschaft. Viele Spieler sind in den Niederlanden geboren und ausgebildet worden, aber wir haben eben auch diese karibische Kultur – Musik, Tanzen, Lockerheit. Dick akzeptiert das, lässt den Jungs ihre Persönlichkeit und bringt gleichzeitig Struktur und Disziplin rein. Diese Mischung macht ihn so wertvoll.

Deutschland geht natürlich als klarer Favorit in das erste Gruppenspiel. Warum sollte die DFB-Elf Curaçao trotzdem nicht unterschätzen?

Benschop: Weil die Mannschaft sehr diszipliniert und taktisch gut organisiert ist. Dick Advocaat hat einen klaren Plan. Curaçao verteidigt kompakt und versucht, über schnelle Umschaltmomente gefährlich zu werden. Mit Spielern wie Tahith Chong gibt es viel Tempo auf den Außenbahnen. Dazu kommen erfahrene Jungs, die wissen, wie man große Spiele angeht.

Was würde allein schon ein Tor gegen Deutschland für Curaçao bedeuten?

Benschop: Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut, wenn ich daran denke, unsere Flagge bei einer WM zu sehen. Das ist bereits Geschichte. Und wenn Curaçao dann auch noch sein erstes WM-Tor erzielt – das wäre etwas ganz Besonderes. Darüber würden sich alle riesig freuen.

Und ein Punktgewinn?

Benschop: Bei einem Sieg gibt es wahrscheinlich einen Feiertag auf der Insel. (lacht) Auch ein Unentschieden wäre Wahnsinn. Natürlich wissen wir alle, wie schwer das wird. Deutschland ist der große Favorit. Aber wir dürfen träumen. Und ganz ehrlich: Die Jungs können nur gewinnen. Allein die Teilnahme an dieser WM ist schon ein riesiger Erfolg.

Du spielst aktuell noch für die U23 von Fortuna Düsseldorf. Wie sehen Deine persönlichen Pläne aus?

Benschop: Ich habe eine längere Verletzung hinter mir, bin aber weiterhin Spieler bei Fortuna. Gleichzeitig habe ich meine Trainerlizenz gemacht und kann mir gut vorstellen, künftig im Nachwuchsbereich zu arbeiten. Es macht mir Spaß, junge Spieler auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen etwas von meinen Erfahrungen mitzugeben.

Zum Abschluss wollen wir natürlich noch auf Deine Zeit bei Hannover 96 blicken. Welche Erinnerungen verbindest Du mit Hannover?

Benschop: Ich habe sehr viele gute Erinnerungen an Hannover. Natürlich waren die Verletzungen schwierig, gerade die Schambeinentzündung hat mich damals sehr beschäftigt. Aber ich habe dort viele Freunde gefunden und stehe noch immer mit einigen Mannschaftskollegen in Kontakt.

Benschop im Kopfballduell gegen Joshua Kimmich.
Saison 2016/17: Charlison Benschop setzt sich im Duell gegen den FC Bayern München gegen prominente Kontrahenten durch und trifft. (Foto: 96/Kaletta)

Welche wären das?

Benschop: Mit Niclas Füllkrug, Kenan Karaman, Salif Sané, Edgar Prib, Pirmin Schwegler oder Waldemar Anton habe ich bis heute Kontakt. Wenn ich nach Hannover komme, fühlt es sich immer ein bisschen wie nach Hause kommen an.

Verfolgst Du Hannover 96 heute noch?

Benschop: Ja, auf jeden Fall. Ich habe die Entwicklung des Vereins immer verfolgt und auch die vergangene Saison intensiv mitbekommen. Das Ende war natürlich bitter. Aber ich bin überzeugt, dass Hannover wieder angreifen kann. Ich wünsche dem Verein und den Fans auf jeden Fall nur das Beste.

Danke für das spannende Gespräche und die authentischen Einblicke, Charlie!
lk

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