NIEMALSALLEIN

Kleine Füße, große Schritte

Beim Hannoverschen Sportverein von 1896 e.V. erleben Kinder Tanzsport mit Begeisterung und Engagement. Von spielerischen Übungen bis hin zu Turniererfolgen lernen sie Standard- und Lateintänze, entwickeln Selbstvertrauen und genießen eine motivierende Trainingsatmosphäre.

Gesprächsrunde
Genauso wichtig wie das Aufwärmen - die kleine Gesprächsrunde vorher (Foto: Irena Angelovski)

Kindertanz mit Tradition und Erfolg 
Kindertanz hat in der Abteilung Tanzen des Hannoverschen Sportvereins von 1896 e.V. einen besonderen Stellenwert – und ein Blick in die Vergangenheit zeigt, warum. 1995 wurde das Tanzsportzentrum Odeon (TSZ) Hannover gegründet, das früh einen Schwerpunkt auf die Jugendarbeit legte und sich schnell zu einer führenden Adresse in Niedersachsen entwickelte. Die Nachwuchspaare feierten bald große Erfolge, nicht zuletzt dank des intensiven Trainings unter Tatjana Drexler, die den Jugendlichen starke Vorbilder an die Seite stellte. 2017 wechselten 13 Kinder- und Jugendpaare gemeinsam mit dem gesamten Tanzzentrum Odeon zu Hannover 96 und stärkten damit die bereits gut aufgestellte Nachwuchsarbeit des Vereins. Schon 2018 ging die Erfolgsserie weiter: Ein Paar ertanzte den Norddeutschen Meistertitel, dazu kamen mehrere Landesmeistertitel und zahlreiche Vize-Landesmeisterschaften. Vier Paare qualifizierten sich für Deutsche Meisterschaften und vertraten den Verein auf nationaler Bühne. 

Das Interesse wächst 
Wie in vielen Sportarten hat die Corona-Pandemie auch im Tanzsport Spuren hinterlassen: Viele Kinder suchten sich in dieser Zeit andere Freizeitaktivitäten, die Gruppen wurden kleiner. Inzwischen wächst das Interesse wieder deutlich: Aktuell trainieren zwei Gruppen am Mittwoch und eine Gruppe am Freitag, in denen die Kinder spielerisch an den modernen Kindertanz herangeführt werden. Alle Trainingszeiten und Gruppen finden Interessierte im digitalen Trainingsplan auf der Homepage der Tanzabteilung unter www.96tanzen.de. 

Spielerisch lernen 
Mit leuchtenden Augen stehen die jüngsten TänzerInnen im Kreis. „Wie geht’s Euch heute?“, fragt Eva, 17 Jahre alt und Trainerin der Anfängergruppe. Nach einer kurzen Befindlichkeitsrunde beginnt das Aufwärmen: Arme kreisen, Füße strecken, Drehungen üben. Anschließend üben die Kinder eine kleine Choreografie, die Eva immer wieder mit spielerischen Aufgaben auflockert. So bleiben alle konzentriert – und haben sichtbar Spaß. Im zweiten Saal trainieren die etwas älteren Kinder. Zu lateinamerikanischen Rhythmen feilen sie an Haltung und Ausdruck, auch ein besonders junges Paar mit fünf und sechs Jahren ist dabei. „Die klassische Tanzhaltung, wie man sie aus dem Ballett kennt, ist wichtig für Stabilität und Präsenz“, erklärt der Trainer, während die Kinder die Schritte wiederholen. 

Training mit Herz 
Für ältere Kinder und Jugendliche gibt es dank unseres Trainers Denis Sokolnikov ein breites Angebot in Standard und Latein. Er stammt aus Kiew, bringt mehr als 30 Jahre Berufserfahrung in den Kindertanz ein und arbeitet seit zwei Jahren in der Abteilung. In seinem Training legt Sokolnikov großen Wert auf klare Arm- und Fußpositionen sowie eine aufrechte Haltung – die Basis dafür, dass sich Kreativität und Ausdruck entfalten können. Die Kinder lernen nicht nur Schritte und Choreografien, sondern auch, sich im Raum zu orientieren und ihren Körper bewusst zu steuern. Trotz seines strukturierten Ansatzes bleibt die Atmosphäre herzlich und zugewandt. Sokolnikov erklärt geduldig und zeigt Bewegungen vor. So wird technische Übung zum Spiel, bei dem die Kinder fast nebenbei Kraft, Koordination und Selbstvertrauen aufbauen. 

Nachwuchstalente mit Ehrgeiz und Leidenschaft  
Emily (10) und Tim (12) gehören zu dieser Gruppe. Beide tanzen seit mehreren Jahren und haben bereits an Turnieren teilgenommen. Viermal in der Woche stehen sie auf der Tanzfläche – und sind hoch motiviert, weiter Fortschritte zu machen. „Ich möchte mal richtig erfolgreich im Tanzsport werden“, sagt Emily. Tim, der in der Schule der einzige Tänzer in seiner Klasse ist, lächelt: „Die anderen spielen Fußball, ich tanze lieber – das ist einfach mein Ding.“ 

Fokus auf Standard- und Lateintanz 
Tatjana Drexler betont, worauf Hannover 96 besonderen Wert legt: „Wir konzentrieren uns bewusst auf Standard- und Lateintanz. Damit unterscheiden wir uns von vielen anderen Vereinen, die auch Hip-Hop oder Ballett anbieten.“ Diese klare Ausrichtung sei ein echtes Alleinstellungsmerkmal – und einer der Gründe, warum Hannover 96 im Kindertanz führend ist. Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene – im Mittelpunkt steht immer die Freude an Bewegung und Musik. 

Interview mit Frau Prof. Dr. Vera Volkmann 

Was das Tanzen für Kinder bedeutet, erklärt Frau Prof. Dr. Vera Volkmann, Expertin für Sportpädagogik und Fachdidaktik des Sports des Instituts für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover. 

Frau Professor Volkmann, was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Kindertanz als Bewegungsform – und warum ist er gerade für junge Kinder so wertvoll für ihre Entwicklung? 
Der Kindertanz ist eine ganzheitliche Bewegungsform, bei der dazu auch noch Musik eine große Rolle spielt. Die Kinder verbinden Körper, Musik, Gefühl und Fantasie. Sie lernen dabei nicht nur Schritte, sondern erkunden Rhythmus, Raum, Ausdruck und die Bewegungsmöglichkeiten ihres eigenen Körpers. Das stärkt ihre Motorik und ihr Körperbewusstsein, aber auch Selbstvertrauen und soziale Fähigkeiten, weil man im Tanz ja meist zusammen etwas gestaltet, sich abstimmt und aufeinander einlassen muss. Gleichzeitig darf man auch einfach man selbst sein und sich mit der Musik verbinden. Das hat auch eine sehr große und schöne emotionale Ebene. Tanz ist etwas, das wir in allen Kulturen dieser Welt finden. Das unterstreicht vielleicht auch noch einmal besonders die Bedeutung für uns Menschen. 

Wie kann der Tanzunterricht in einem Sportverein wie Hannover 96 gestaltet werden, damit Kinder sowohl Freude an der Bewegung haben als auch wichtige motorische und soziale Fähigkeiten lernen? 
Am besten mit einer klaren Struktur und viel spielerischer Vielfalt. Rituale zum Ankommen, kindgerechte Musik und kurze Sequenzen, die auch wirklich an die Aufmerksamkeitsfähigkeit der konkreten Altersgruppe angepasst sind. Wichtig sind auch Bewegungsaufgaben, bei denen Kinder ausprobieren und kreativ werden dürfen, anstatt nur nachzumachen. Partner- und Gruppenaufgaben fördern das Miteinander, die Rücksichtnahme und die Kommunikation. Zentral ist außerdem eine angemessene Differenzierung, damit jedes Kind Erfolgserlebnisse hat. Kleine Präsentationsmomente sollten immer ohne Druck und mit viel Anerkennung durchgeführt werden, damit die Kinder für ihr Engagement und ihren Mut – denn den braucht es dafür – auch belohnt werden. Sehr gut ist es in einem Sportverein oftmals auch, wenn es altersübergreifende Feste gibt, bei denen die Kleinen auch die Großen sehen und im Idealfall vielleicht sogar etwas gemeinsam gemacht wird. Das schafft Identifikation, motiviert und gibt Sicherheit. 

Viele Eltern fragen sich, ab welchem Alter Tanz sinnvoll beginnt und welche Rolle dabei Leistung oder Wettbewerb spielen sollten. Was empfehlen Sie ihnen aus wissenschaftlicher Sicht? 
Sinnvoll starten kann Tanz schon ab etwa drei oder vier Jahren, wenn es wirklich altersgerecht ist. Das heißt, dass viel Spiel, Fantasie und Grundbewegungen angeboten werden und kein Leistungsdruck erzeugt wird. Technik und feste Choreografien können später hinzukommen, etwa ab dem Grundschulalter. Aber das ist natürlich auch immer abhängig vom jeweiligen Kind. Wettbewerb ist nichts Schlechtes, aber er sollte bei Kindern sehr behutsam eingesetzt werden. Er sollte dem Prinzip der Erfahrung und Motivation dienen und nicht als Auslesemechanismus praktiziert werden. Entscheidend ist, dass die Freude bleibt und sich Kinder sicher und wertgeschätzt fühlen. Dann können sie sich gut entwickeln und langfristig – idealerweise für ihr ganzes Leben – Freude am Tanz als sportliche Bewegung finden. 

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