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Was Liebe tragen kann - Teresa Enke und Sportpsychologe Peter Wellbrock über Depression und konkrete Hilfe

Was kann Liebe im Umgang mit einer Depression tragen und wo braucht es professionelle Hilfe? In der neuen Folge "Pause vom Platz" spricht Teresa Enke im Rahmen der Mental Health Week sehr persönlich über Robert, ihr heutiges Leben und die Arbeit der Robert-Enke-Stiftung. Gemeinsam mit Peter Wellbrock, Sportpsychologe der 96-Akademie, und dem Podcast-Host Luis, richtet sie den Blick zudem auf mentale Gesundheit im Fußball, bestehende Versorgungslücken und die Verantwortung, hinter die Fassade eines Menschen zu schauen.

/ Klub
Teresa Enke vor einer neutralen Wand.
Teresa Enke ist in der neuen Folge des Podcasts "Pause vom Platz" zu Gast. (Foto: 96/Redaktion)

"Ich liebe das Leben"
Aufgenommen wurde die Folge zwei Tage nach dem 49. Geburtstag von Robert Enke. Ein Datum, an dem Teresa Enke bis heute eine Kerze anzündet und an die gemeinsamen Erlebnisse zurückdenkt. Roberts Geburtstage seien meist ruhig im Kreis der Familie und enger Freunde verlaufen. "So ein richtiges Feierbiest war Robbi nie", erzählt sie. Besonders wehmütig werde sie heute in den Momenten, die ihr Mann nicht mehr miterleben könne: das Zusammensein mit alten Freunden, gemeinsames Fußballspielen oder ein unbeschwerter Abend im vertrauten Kreis.

Der Blick auf Teresa Enke selbst offenbart eine Ambivalenz. "Die Leichtigkeit von damals, vor den Schicksalsschlägen, habe ich nicht mehr", sagt die 50-Jährige. Dennoch blickt sie keineswegs ausschließlich von Trauer geprägt auf ihr Leben. "Ich liebe das Leben und ich schätze es, dass ich da bin, dass ich jetzt zwei gesunde Kinder habe. Es ist eine Dankbarkeit." Sie habe nach Roberts Tod viele weitere wundervolle Momente erleben dürfen und empfinde es als ihren Weg, aus den schweren Erfahrungen etwas Gutes entstehen zu lassen.

Vom Schutz der Familie zur Lebensaufgabe
Dazu gehört vor allem die Arbeit der Robert-Enke-Stiftung. Als Teresa Enke am Tag nach dem Tod ihres Mannes vor die Öffentlichkeit trat, hatte sie dabei noch keine langfristige Aufgabe oder spätere Stiftung im Sinn. Sie wollte Robert, ihre Tochter und die gesamte Familie vor Gerüchten und Spekulationen schützen. "Ich habe da einfach nur als Ehefrau und als Mutter gesprochen", erklärt sie rückblickend.

Erst danach entwickelte sich aus diesem persönlichen Moment eine dauerhafte Aufgabe. Am Tag von Roberts Beerdigung brachte der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger die Idee einer Stiftung ins Gespräch. Für Teresa Enke war das auch eine Möglichkeit, mit der Fußballfamilie verbunden zu bleiben. "Unser Leben war der Fußball und auch mein Leben war dadurch der Fußball. Auf einmal war nicht nur mein Mann nicht mehr da, sondern auch das ganze Leben war weg", beschreibt sie die damalige Situation.

Mehr als 16 Jahre später steht die Stiftung längst nicht mehr ausschließlich für Robert und seine Geschichte. Sie informiert über Depressionen, schafft Hilfsangebote und setzt sich mit verschiedenen Projekten für die mentale Gesundheit im Leistungs- und Nachwuchssport ein. Dieser Wandel sei notwendig, betont Enke: "Wir müssen für uns selbst und für unsere Stiftung stehen – nicht nur für Robbi."

Mehr Akzeptanz, aber zu wenig Hilfsangebote
Im Fußball habe sich seit 2009 vieles zum Positiven entwickelt. Psychische Erkrankungen würden heute offener und selbstverständlicher behandelt. Vereine und Nachwuchsleistungszentren verfügten über Ansprechpartner, Sportpsychologen und Kontakte zu Medizinern. "Die Akzeptanz ist mittlerweile da", sagt Enke. Ein erkrankter Spieler müsse heute nicht mehr grundsätzlich befürchten, nach seiner Genesung keine sportliche Perspektive mehr zu besitzen: "Wenn die Leistung wieder stimmt, werden die Spieler aufgestellt."

Gemeinsam mit Peter Wellbrock richtet sie den Blick insbesondere auf junge Fußballer. Der Sportpsychologe der 96-Akademie bringt seine tägliche Arbeit mit Nachwuchsspielern in das Gespräch ein. Dabei geht es um Vertrauen, früh einsetzenden Leistungsdruck und die Frage, wie Trainer und Klubs reagieren sollten, wenn sich ein Spieler mit Sorgen oder ernsthaften Problemen öffnet. Ebenso wichtig ist die klare Grenze zwischen sportpsychologischer Begleitung und einer psychischen Erkrankung, die ärztlich oder psychotherapeutisch behandelt werden muss.

Denn der größeren gesellschaftlichen Offenheit steht weiterhin eine erhebliche Versorgungslücke gegenüber. Die Suche nach einem Therapieplatz sei inzwischen "wirklich katastrophal", kritisiert Enke. Betroffene müssten teilweise bis zu einem Jahr warten. "Die Menschen möchten sich helfen lassen, aber es gibt keine Hilfe", beschreibt sie den Widerspruch. Als ersten Schritt empfiehlt sie Betroffenen dennoch, sich an ihren Hausarzt zu wenden, offen über die eigene Situation zu sprechen und gemeinsam die nächsten Möglichkeiten abzuklären.

"Liebe allein macht keinen Menschen gesund"
Zu einem persönlichen Moment der Folge wird eine Erinnerung von Host Luis an Teresas Pressekonferenz nach Roberts Tod. Damals hatte sie gesagt: "Wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Aber man schafft’s doch nicht immer." Fast 17 Jahre später ordnet sie diesen Satz neu ein.

Liebe könne einen erkrankten Menschen unterstützen, ihm Mut und Kraft geben und ihm zeigen, dass jemand an seiner Seite bleibt. Gleichzeitig müsse man anerkennen, dass Angehörige die Behandlung nicht selbst übernehmen können. "Dann muss man aber die Spezialisten ranlassen", sagt Enke und formuliert eine der zentralen Botschaften des Gesprächs: "Liebe allein macht keinen Menschen gesund, wenn er sehr schwer erkrankt ist."

Was Teresa Enke und Peter Wellbrock außerdem über Prävention, den Umgang mit Leistungsdruck sowie konkrete Hilfe für Betroffene und Angehörige zu erzählen haben, hört Ihr hier.

Hinweis: In dieser Folge sprechen wir über Depression und Suizid. Wenn Euch diese Themen gerade stark belasten, entscheidet bitte selbst, ob jetzt der richtige Moment zum Hören ist.

In akuten Notfällen erreicht Ihr den Notruf unter 112. Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei, anonym und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123 erreichbar. Die Beratungshotline Seelische Gesundheit der Robert-Enke-Stiftung und des Universitätsklinikums Aachen erreicht Ihr montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr unter 0241 80 36 777.

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