NIEMALSALLEIN

Als Sandra Wallenhorst die Ziellinie in Kailua-Kona hinter sich gelassen hatte, warf sie erleichtert, aber auch erschöpft ihren Kopf in den Nacken; ihr Blick ging gen Himmel, die Schweißperlen auf ihrer Stirn glitzerten in der Sonne von Hawaii.

 

„Ich fühle mich wie im Himmel“, sagte Wallenhorst und schloss ihren Sohn Philipp glücklich in die Arme. Lediglich zwei Frauen waren gestern bei der Ironman-WM vor der Triathletin aus Hannover ins Ziel gekommen, und als Siegerin Chrissie Wellington (Großbritannien) der 36-Jährigen respektvoll gratulierte, war Wallenhorst endgültig in der Weltspitze angekommen.

Vor dem Himmel lag für die Dreikämpfer jedoch die Hölle. Für die Hannoveranerin war die Pazifikinsel Neuland – vor allem die berüchtigten Mumuku-Winde überraschten die 96-Triathletin. „An den wechselnden Seitenwind auf der Radstrecke will ich gar nicht mehr denken“, sagte Wallenhorst, „der war so heftig, dass ich zeitweise aufhören musste zu treten, um das Rad irgendwie auf der Straße halten zu können.“ Dass sie anschließend auf der Marathon-Laufstrecke vom 10. auf den 3. Platz nach vorne stürmte, hatte kaum noch jemand für möglich gehalten. Weniger als drei Laufstunden benötigte Wallenhorst bei bis zu 40 Grad Hitze; die deutschen Männerfavoriten Normann Stadler und Faris Al Sultan waren 15 Minuten länger unterwegs.

„Wer schnell sein will, muss leiden“, sagte die 36-Jährige, die am Ende in 9:22:52 Stunden hinter Wellington (9:06:23) und der Niederländerin Yvonne van Vlerken (9:21:20) den letzten Podiumsplatz erstürmte, der ihr 25 000 Dollar Preisgeld beschert. Viel hatte sich Wallenhorst für ihre Premiere in Kailua-Kona vorgenommen, dabei vor allem Wert aufs Schwimmtraining gelegt. Doch im „Aquariumwasser“ des Pazifiks stieg die Hannoveranerin nach 3,8 Kilometern sechs Minuten nach der Spitze als 29. aus dem Wasser. „Das war schon okay“, fand Wallenhorst, deren Stärke – das Radfahren – auf den 180 Kilometern beinahe vom Winde verweht wurde.

„An einen Rhythmus war nicht zu denken“, sagte Wallenhorst, die dennoch Boden gutmachen konnte. Und dann kam das Laufen. „Da wollte ich mir schon etwas aufheben“, sagte die Weltrekordhalterin aus Hannover. „Viele Leute haben mich gewarnt, nicht vorher schon alles zu verschießen; und ich wollte unbedingt unter drei Stunden laufen. Die Rechnung ging auf.“ Nach 1:03:21 Stunden Schwimmen und 5:14:56 Stunden auf dem Rad lief Wallenhorst die 42,195 Kilometer in 2:58:35 Stunden – lediglich Siegerin Wellington war jemals auf Hawaii schneller. „Zur Belohnung habe ich mir ein Rieseneis gegönnt, darauf musste ich lange verzichten“, sagte die WM-Dritte.

Ein Rieseneis, ein Küsschen vom Sohn, das reichte zunächst als Ausdruck der Freude; auf das Feiern verzichtete Wallenhorst gestern nämlich vorerst noch, nicht jedoch auf die Abrechnung mit Zweiflern. „Es gab ja einige, die meine Ironman-Weltbestzeit in Klagenfurt als Eintagsfliege abgetan hatten. Das habe ich heute eindrucksvoll widerlegt“, meinte die Rechtsanwältin, die heute noch einmal einen großen Auftritt haben wird – die Siegerehrung auf Hawaii findet traditionell erst einen Tag später statt.

Von Jens Reinbold

 

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