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WM-Feeling in Hannover: So schön war es bei uns 1974 & 2006

Heute Abend um 17 Uhr deutscher Zeit eröffnet Gastgeber Russland mit dem Spiel gegen Saudi Arabien in Moskau die 21. Fußball-Weltmeisterschaft. Wie schön so eine WM sein kann, wissen wir in Hannover. Bei zwei Turnieren waren unsere Stadt und unser Stadion unter den Hauptdarstellern. Wir nehmen Euch mit auf eine kleine hannoversche WM-Reise.

Über Hannover ins WM-Finale
Fangen wir an mit einer in der Fußball-Historie bislang wenig beachteten These: Der Weg ins Finale und zum Titel einer WM führt über Hannover! Glauben Sie nicht? Bitte sehr: 2006, als Deutschland zuletzt Ausrichter einer Fußball-WM war, fanden in Hannover fünf Begegnungen statt, vier Vorrundenpartien und ein Achtelfinale. In der heutigen HDI Arena, die damals AWD-Arena hieß, aber WM-Stadion Hannover genannt werden musste (der Weltverband FIFA ist bei nicht-FIFA-Sponsoren sehr pingelig), gewann Italien sein Gruppenspiel gegen Ghana mit 2:0, Frankreich besiegte im hochkarätigen Achtelfinale Spanien mit 3:1. Italien! Frankreich! Die beiden späteren Finalisten in Berlin – mit Zwischenstation in Hannover.

Vier Wochen Sonne
In Hannover schien damals wie im ganzen Land vier Wochen lang die Sonne. Es war die Zeit, in der dem damaligen OK-Chef Franz Beckenbauer zugetraut wurde, dass ihm alles gelingt, selbst die Sache mit dem Wetter. Hannover hatte Lust auf die WM. Die Fans aus Italien, Ghana, Frankreich, Spanien, Mexiko, Angola, Schweiz, Costa Rica, Polen und Südkorea hatten Lust auf Hannover, auf die Heimatstadt von Hannover 96, auf die Menschen und ihre Fußballbegeisterung.

Stolz auf 96
Die Stadt und die Menschen aus der Region erwiesen sich 2006 als WM-reife Gastgeber und erklärten Angolanern, Mexikanern oder Anhängern aus Ghana sehr gern, dass es das in der Bundesliga nur in Hannover gibt: ein Stadion direkt an einem tollen See. Und natürlich erzählten sie voller Stolz auch Geschichten und Anekdoten von Hannover 96, dem Traditionsverein, der vier Jahre vor WM-Beginn nach langer Abwesenheit in die 1. Liga zurückgekehrt war.

Fünf Spiele – 215 000 Fans
Zigtausende Menschen aus der Region und Gäste aus aller Welt feierten ausgelassen und friedlich auf den Fanfesten, vor dem Stadion – und natürlich im Stadion. Alle fünf WM-Spiele in Hannover waren ausverkauft, insgesamt waren in der heutigen HDI Arena 215 000 Menschen live dabei - das Fassungsvermögen betrug beim Turnier nur 43 000, also 6000 Plätze weniger als heute bei Bundesligaspielen der Roten.

Hauptrolle für "Merte"
Nur ein WM-Spiel in Hannover endete 2006 torlos (Mexiko – Angola). Polen bezwang Costa Rica (beides Gruppengegner der deutschen Mannschaft) mit 2:1, Italien besiegte Ghana mit 2:0, die Schweiz sicherte sich in Hannover mit einem 2:0 gegen Südkorea überraschend den Gruppensieg. Im Schweizer Team kamen in Hannover mit Tranquillo Barnetta und Johan Djourou zwei ehemalige 96-Profis zum Einsatz. Barnetta hatte vor der WM für 96 gespielt, Djourou sollte sieben Jahre später für 96 auflaufen. Mit Per Mertesacker war ein 96-Profi sogar als Hauptdarsteller am Sommermärchen beteiligt. Mertesacker zählte offiziell noch als 96-Profi zum WM-Kader, nach dem Turnier wechselte er zu Werder Bremen. Ein Heimspiel für Mertesacker mit der deutschen Mannschaft in Hannover verhinderte 2006 der Spielplan.

Historisch: Beim Spiel der DDR gegen Brasilien in Hannover sind der alte Sprecherturm, der Spielertunnel und die alte Osttribüne schön zu erkennen.

Südamerika-Hit im Niedersachsenstadion
Zwei der ganz großen Fußball-Nationen waren übrigens beim deutschen WM-Turnier 1974 in Hannover zu Gast: Brasilien und Argentinien. Sie trafen am 30. Juni 1974 im Niedersachsenstadion sogar aufeinander. Brasilien gegen Argentinien heutzutage in Hannover? Die Stadt würde Kopf stehen, die Zeitungen würden tagelang Sonderseiten machen, die Pressetribüne müsste vermutlich bis zum Stadionbad erweitert werden. 60 400 Zuschauer fasste das Niedersachsenstadion zu der Zeit, aber nur 39 400 wollten damals das Spiel sehen, das Brasilien durch Tore von Rivelino und Jairzinho mit 2:1 gewann.

Die Brasilianer wohnte damals übrigens im Hotel am Benther Berg, einen Koch hatten sie aus der Heimat mitgebracht. Beim WM-Spiel Bulgarien gegen Uruguay (1:1) kamen sogar nur 13 400 Zuschauer ins Niedersachsenstadion.

Spielverderber DDR
Ein Stück Fußballgeschichte ist die Begegnung zwischen Brasilien und der DDR am 26. Juni 1974. Die Hannoveraner hatten sich in der 2. Finalrunde auf das Treffen zwischen Brasilien und dem Team der Bundesrepublik Deutschland gefreut. Doch durch das 0:1 gegen die DDR in Hamburg musste die Mannschaft um Franz Beckenbauer in die andere Finalgruppe. Einige Hannoveraner blieben damals dem Spiel der DDR gegen Brasilien aus Enttäuschung fern, die 59 863, die kamen, sahen in der 60. Minute das Siegtor von Rivelino. Eine Eintrittskarte kostete damals 10 Mark (siehe Foto).

Hannover tanzt den Rep
Im vierten hannoverschen WM-Kapitel sorgten die Niederländer mit ihren Fans für Stimmung. 55 100 Zuschauer feierten den 2:0-Sieg von "Oranje" gegen Uruguay, Johnny Rep, den zweifachen Torschützen, kannten danach in Hannover alle Fußballfans. Und wieder führte der Weg in ein WM-Finale über Hannover, in dem Fall für die Niederländer. Im Finale hatten sie dann keinen Grund zum Feiern, die BR Deutschland dafür umso mehr. Aber das ist eine andere WM-Geschichte.
hr