Fans, Profis

Warum #ElKackico geil war!

Es war das Social-Media-Phänomen der Woche. Bis ins Aktuelle Sportstudio schaffte es der Hashtag #ElKackico – und sein Erfinder Kitto wurde ins Stadion eingeladen. Wir sagen: #ElKackico war geil! Warum – darum geht’s in diesem Artikel!

Auf einen Blick: Der Ursprungstweet (m.), der Trailer (l.) und die Hymne (r.)

Wie aus einem Hashtag ein Trailer und eine Hymne wurde
"Bei dem Hashtag weiß man gar nicht, ob man lachen oder weinen soll", twitterte der NDR am Samstagvormittag. Ja, die Medienhäuser wussten #ElKackico nicht so richtig einzuordnen, kamen aber irgendwie auch nicht daran vorbei. Alles begann mit User Kitto (@Kitto_1896), der die #H96-Timeline schon seit Jahren regelmäßig mit kreativen und oftmals humorvollen Beiträgen bereichert. Einen eigentlich "harmlosen" Faktentweet am vergangenen Mittwoch garnierte er mit dem Gag, dass man das Aufeinandertreffen des seit neun Spielen sieglosen Tabellenletzten gegen den Vorletzten, seit 14 Partien ohne Dreier, gepflegt als #ElKackico bezeichnen könne – als Gegenentwurf zum (für uns tatsächlich unerreichbaren) Fußballgipfel El Clásico zwischen Real Madrid und Barça. Von dem Moment an verselbstständigte sich alles. In kürzester Zeit griffen zahlreiche Fans der Roten – und der Cluberer – den Hashtag auf, erstellten Grafiken und sogar einen (fast) kinotauglichen Trailerfilm. Der Gipfel: die am Donnerstag angekündigte und am Freitag fertig produzierte, eigens komponierte Hymne zum Hashtag von User Strohhut (@Strohhut96).

Neben der hannoverschen Lokalpresse berichteten etwa DER SPIEGEL und DIE ZEIT auf ihren Internet-Präsenzen darüber, auch die Online-Abteilung der Sportschau mischte mit. Als Dunja Hayali dann den 96-(Sieg-)Bericht im Aktuellen Sportstudio unter Verwendung des Hashtags anmoderierte, war das Social-Media-Phänomen perfekt. Allerdings: Hayali sprach in diesem Zusammenhang von Hohn, mit dem die Fans die Partie begleiteten. Das sehen wir grundsätzlich anders!

Wie aus einem Hashtag Leidenschaft wurde
Der hannoversche Fan hat es bekanntlich nicht immer ganz leicht – vor allem nicht dieser Tage. Jeder weiß, es gibt aus vielerlei Gründen diverse (Streit-)Themen, die in den anderen Vereinen der Bundesliga eher nicht auf der Agenda stehen. Dazu die sportlich unbefriedigende Saison mit – vor dem Nürnberg-Match – besagten neun sieglosen Spielen in Folge. Was #ElKackico deutlich aufgezeigt hat: Unheimlich viele Fans beschäftigen sich intensiv mit 96 und teilen ihre Gedanken und Emotionen mit der (Fan-)Welt. "Ich spüre die Leidenschaft für diesen Verein", brachte User MGT (@mgt_24) das Ergebnis des #ElKackico-Phänomens perfekt auf den Punkt. Genau diese Leidenschaft kehrte der Hashtag mit seiner Dynamik – gefühlt nach langer Zeit einmal wieder – geballt nach außen. Natürlich aber ist man nach einer solchen sportlichen Durststrecke nicht himmelhoch jauchzend, sondern bedient sich dafür eher feiner Ironie (und dabei ging es im Gros ganz gewiss nicht um Hohn).

Das Beste übrigens an diesem Schwarmverhalten: Es ist ehrlich. Ehrlicher womöglich als der Sportredakteur, der täglich berichtet, die Mannschaft in der einen Woche hochjubelt, um sie danach wieder in Grund und Boden zu schreiben – und vielleicht eigentlich doch immer nur das Spiel sieht, das er sehen möchte. Und auch ehrlicher als das, wie wir als Klub (die wir ja irgendwo auch immer eine positive Stimmung als Grundlage für den Erfolg unserer Mannschaft zu erzeugen versuchen) über unsere Spiele berichten können. Auch wenn wir dabei immer redlich um Objektivität bemüht sind und – wie manch einer sicherlich weiß – rund um unser Team ja durchaus auch nicht ohne Selbstironie agieren (was die Akteure erfrischend gerne mitmachen – siehe beispielsweise Spielerduell).

Wie aus einem Hashtag eine Einladung wurde
Wir haben uns auch bewusst entschieden, zumindest vor dem Spiel am Samstag nicht zu groß auf den rollenden #ElKackico-Zug aufzuspringen, denn letztlich stand der Fokus, das Duell mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Konzentration anzugehen, über allem. Trotzdem wollten wir dem ganzen digitalen Trubel unseren Respekt zollen, haben daher Kitto folgerichtig in die HDI Arena eingeladen und in der Liveshow vor dem Anpfiff – zugegeben aus einem Impuls heraus – in Aussicht gestellt, im Falle des Sieges die Hymne von Strohhut durch die Stadionboxen zu jagen. (Und unter uns Pastorentöchtern: Wenn wir alle mal ganz ehrlich sind, gehört dieser Song doch auch einfach in die Arena!)

"Das #ElKackico darf ich nicht verpassen!"
@Cordon1896 bei Twitter

Wie aus einem Hashtag Euphorie wurde
#ElKackico war in Summe so etwas wie eine geballte Explosion der vorhandenen 96-Emotionen. Es hat total den Geist des Moments getroffen und dadurch mobilisiert. Auf eine eigentümliche Art und Weise ist durch diesen Hashtag eine seltsame, aber im Kern positive Euphorie rund um dieses Spiel entstanden. "Das #ElKackico darf ich nicht verpassen", schrieb etwa Twitter-User Cordon (@Cordon1896). Er sei somit seit langem "mal wieder zwei Heimspiele in Folge im Stadion und nun auch noch mit guter Laune". Ähnlich ging es Tino Saurier (@espunktet), der "selten so Bock auf ein Spiel gehabt" habe und auch die Club-Fans bedachte – ganz nach dem Vorsatz: "In den Farben getrennt, im #ElKackico vereint".

Wie aus einem Hashtag ein Lebenszeichen wurde
Am Schluss – und das wollen wir hier festgehalten wissen – war #ElKackico vor allem eines: ein ganz, ganz deutliches Lebenszeichen der 96-Gemeinschaft. Nach dem Motto: "Ja, hier sind wir und wir sind in Gedanken voll bei 96 – auch wenn es gerade vielleicht eher leiden als lieben bedeutet." Das mitzubekommen, aufzunehmen und als Teil einer großen, offenen Community auch mitzugestalten, war verdammt gut und schreit nach Wiederholung – auch wenn man die bloß nicht erzwingen darf. "Wir leben noch", sagte 96-Thomas Doll nach dem Sieg über den FCN, der dieses Wochenende wunderbar rund gemacht hat. Dass die 96-Leidenschaft lebt, das war schon vorher klar, denn das hat #ElKackico eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Deshalb sagen wir: #ElKackico war geil! Danke an Kitto, Strohhut und an alle anderen!
hec