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Ostrzolek: Der Unabsteigbare will vorangehen

96-Profi Matthias Ostrzolek ist Experte für erfolgreichen Abstiegskampf. Deshalb will er nun vorangehen - und fordert: "Wir müssen uns mit allem wehren, was wir haben!"

"Ich will die Jungs mitreißen": Matthias Ostrzolek.

"... dann verliert man Spiele"
Matthias Ostrzolek war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "Das war von allem, was wir uns vorgenommen haben, zu wenig", sagte der 96-Profi nach der 0:3-Niederlage bei der TSG Hoffenheim am Samstag. "Wir müssen uns mit Händen, Füßen und allem, was wir haben, wehren. Das haben wir nicht getan. Und dann verliert man Spiele."

Tatsächlich hatten die Roten in Sinsheim über weite Strecken alles das vermissen lassen, was Ostrzolek hinterher als "Grundtugenden" bezeichnete: Zweikampfhärte, Laufbereitschaft, Einsatzwillen. Der frühe Rückstand nach vier Minuten habe da zwar auch eine Rolle gespielt, sagte Ostrzolek, "denn das ist immer ein Knacks". Aber: "Wir hatten danach 86 Minuten Zeit, das wieder in Ordnung zu bringen."

"Das ist eine mentale Sache"
Dass das nicht gelang, sagte Ostrzolek, sei "eine mentale Sache". Auf die richtige Mentalität aber wird es in den nächsten Wochen ankommen. "Im Abstiegskampf wird nicht die beste Mannschaft in der Liga bleiben, sondern die mental stärkste", sagte der Außenverteidiger. "Da müssen jetzt die mental starken Spieler die mental schwächeren mitziehen, sie pushen. Wir müssen körperlich alle zu hundert Prozent da sein." Der Trainer, mutmaßte Ostrzolek, werde "genau hinsehen, wer mitzieht. Denn nur so werden wir da unten herauskommen."

Ostrzolek weiß, wovon er spricht. Er hat die Situation, in der sich die Roten aktuell befinden, schon mehrmals in seiner Karriere erlebt und ist, wenn man so will, ein Fachmann für erfolgreichen Abstiegskampf. Mit dem FC Augsburg zum Beispiel hatte Ostrzolek in der Hinrunde der Bundesligasaison 2012/2013 lediglich neun Punkte geholt - und am Ende, nach einer überragenden Rückrunde, doch noch die Klasse gehalten. Oder später beim Hamburger SV. "Da habe ich noch extremere Situationen erlebt als jetzt", sagte Ostrzolek und erinnerte an die Spielzeit 2014/2015: "Da waren wir fünf Spieltage vor Schluss tot und keiner hätte mehr einen Cent auf uns gesetzt. Wir haben es trotzdem geschafft."

"Ich will die Jungs mitreißen"
Das mache ihm Hoffnung, sagte der 28-Jährige, zumal ja gerade erst 22 Spieltage vorbei sind und der Rückstand der Roten auf den Relegationsplatz lediglich einen Punkt beträgt. Selbst Platz 15 ist nur vier Punkte entfernt. "Es sind noch genügend Spiele zu spielen. Wir sind nicht abgeschlagen", sagte Ostrzolek. "Ich bin überzeugt, dass wir die Klasse halten werden. Aber das klappt nur, wenn alle Spieler daran glauben."

Wie Ostrzolek eben. Und deshalb will der Defensivspieler jetzt vorangehen, wie er sagt. "Ich habe als Spieler viel erlebt, kenne die Situation und fühle mich mental stark genug, die anderen Jungs mitzureißen", sagte er am Samstag. "Ich will der Mannschaft nicht nur auf dem Platz helfen, sondern auch außerhalb." Damit es am Ende doch noch reicht für den Klassenerhalt. Denn das hat es bislang immer in der Karriere von Matthias Ostrzolek.
hop